Seite 3: „Man darf sich nicht nur über Fußball definieren“

Mit Chelsea standen Sie 2008 noch mal im Finale – und ver­loren gegen Man­chester United erneut. Welche Nie­der­lage war schmerz­hafter?
Am meisten weh tat das Halb­fi­na­laus gegen Bar­ce­lona im Jahr darauf, als wir meines Erach­tens noch besser waren als 2008 und leider – ich kann es nicht anders sagen – der Schieds­richter sehr zwei­fel­hafte Ent­schei­dungen traf.

Das fast iko­no­gra­fi­sche Bild, wo Sie Referee Tom Hen­ning Øvrebø über den halben Platz ver­folgen, drückt also tat­säch­lich die reine Ver­zweif­lung aus?
Absolut. Da waren zwei oder drei Hand­spiele dabei und ein Foul, bei dem man als Schieds­richter schon mit zwei Scheu­klappen rum­laufen musste, um keinen Elf­meter zu geben. Trotz all dieser Sachen hätte es ja fast gereicht, aber dann schießt Bar­ce­lona in der 94. Minute zum ersten Mal aufs Tor, der Ball ist drin, und du kannst nicht mal mehr reagieren.

War das der Moment, wo Ihnen däm­merte, dass es in diesem Leben nichts mehr wird mit Ihnen und diesem ver­ma­le­deiten Pokal?
Nein, das war eher im Finale 2008, als ich wäh­rend des Elf­me­ter­schie­ßens machtlos im Mit­tel­kreis stand. Zu wissen, dass nur noch dieser eine Elf­meter von John Terry rein­gehen muss, damit du end­lich den Pokal hast – und dann schießt er an den Pfosten. Da habe ich wirk­lich gedacht, viel­leicht hat der da oben etwas dagegen, dass ich das Ding in den Händen halte.

Was finden Sie schlimmer: die Cham­pions League nicht gewonnen zu haben oder nie Welt­meister geworden zu sein?
Ideell hat der Welt­meis­ter­titel eine viel grö­ßere Bedeu­tung, weil eine Welt­meis­ter­schaft nur alle vier Jahre statt­findet. Die Welt­meister kann man pro­blemlos bis 1954 run­ter­beten, aber ich könnte aus dem Steg­reif nicht sagen, wer 2003, 2004 oder 2005 die Cham­pions League gewonnen hat. Dadurch, dass der Wett­be­werb Jahr für Jahr läuft, ist er ein biss­chen aus­tausch­barer. Sport­lich sieht es natür­lich etwas anders aus, da hat die Cham­pions League ein grö­ßeres Gewicht, weil dort die Besten der Besten spielen. Man muss in einer Cham­pions-League-Saison mehr Top­mann­schaften aus dem Weg räumen als bei einer WM. Letzt­lich kann man die Frage nur per­sön­lich beant­worten.

Und das fiele in Ihrem Fall wie aus?
Welt­meister ist für mich der grö­ßere Titel, aber den Cham­pions-League-Pokal hätte ich eher ver­dient gehabt. Ich stand zwar 2002 auch in einem WM-Finale, aber bis auf das End­spiel haben wir damals nicht den attrak­tivsten Fuß­ball gespielt. Und es war vorher auch nicht im Ansatz zu erwarten gewesen, dass wir dort Welt­meister werden.

Phi­lo­so­phi­sche Frage zum Schluss: Ist es viel­leicht gar nicht schlecht, wenn der Mensch im Leben nicht alle Ziele erreicht?
Fuß­baller sind inso­fern ein Son­der­fall, als sie ihre Kar­riere aus bio­lo­gi­schen Gründen nach fünf­zehn oder zwanzig Jahren beenden müssen. In meinem neuen Leben spielt es keine große Rolle, ob ich früher einmal die Cham­pions League gewonnen habe oder nicht. Man darf sich halt nicht nur über Fuß­ball defi­nieren.