Tom, zum Cham­pions-League-Spiel zwi­schen ZSKA Moskau und dem FC Bayern sind keine Fans zuge­lassen. Sie fliegen trotzdem nach Moskau. Wieso?
Ich habe die leise Hoff­nung, dass ich noch irgendwie ins Sta­dion gelange. Viel­leicht öffnet sich noch eine Tür. Viel­leicht pas­siert noch was, wenn wir vor Ort sind.
 
Wie sind die Chancen?
Nicht so gut. Man könnte natür­lich auf die Rest­karten des FC Bayern spe­ku­lieren. Dazu muss man wissen, dass der Verein für so ein Spiel etwa 75 Tickets bekommt. Die sind für die Spieler, den Trainer- und Betreu­er­stab sowie die Funk­tio­näre bestimmt. Manchmal bleiben fünf bis zehn Karten übrig. Aller­dings werden 50 bis 70 Bayern-Fans vor Ort sein.
 
Das Gerangel wird groß sein, wenn der FC Bayern übrig geblie­bene Karten ver­schenkt.
Der Verein blockt daher alle Anfragen ab. Ich finde das Vor­gehen auch richtig, denn wen willst du bevor­teilen? Jeder, der dort ist, hätte schließ­lich eine ver­dient. Ich hoffe eher auf andere Mög­lich­keiten.
 
Sie stehen also vor dem Sta­di­on­ein­gang und hoffen, dass es sich wie durch Geis­ter­hand öffnet?
(Lacht.) Viel­leicht.

Was haben Sie denn bis­lang ver­sucht?
Einiges. Aber ich möchte da nicht ins Detail gehen. 

Anders gefragt: Werden Sie sich als Ordner ver­kleiden oder als Jour­na­list aus­geben?
Das wird nicht funk­tio­nieren. Als Jour­na­list hätte man eine Akkre­di­tie­rung vor Ort bean­tragen müssen. Nein, wir wissen, dass es direkt neben dem Sta­dion ein Büro­ge­bäude gibt, von dem aus man das Spiel­feld sehen kann. Wir könnten das Zimmer mit dem besten Blick für einige tau­send Euro mieten.
 
Ganz schön teurer Trip, dabei war schon in der Aus­lo­sungs­phase abzu­sehen, dass ZSKA von der Uefa eine Platz­sperre erhält.
Wir haben uns damals nicht mit sol­chen Even­tua­li­täten beschäf­tigt – und ganz ehr­lich: Ich hätte mir auch dann einen Flug gebucht, wenn ich damals schon zu hun­dert Pro­zent gewusst hätte, dass ZSKA eine Platz­sperre erhält.
 
Weil Sie einer von denen sind, bei denen eine Serie auf dem Spiel steht?
Ich habe seit acht Jahren kein Bayern-Pflicht­spiel ver­passt. Aber was ist das schon? In Moskau werden auch Fans sein, die Serien von 20 oder 25 Jahren haben – und zwar nicht nur in puncto Pflicht­spiele. Für die ist es wirk­lich sehr ärger­lich. Das sagte ja schon Karl-Heinz Rum­me­nigge.
 
Der Fan­club Nr. 12“ bat die Uefa zum Gespräch. Die Fans for­derten den Ver­band auf, die Strafe zurück­zu­nehmen.
Ich finde es auch sehr traurig, wie wenig die Funk­tio­näre die Anhänger in diesem Fall ver­stehen. Da werden kur­zer­hand Ent­schei­dungen am Schreib­tisch getroffen, ohne dass jemand über die Trag­weite nach­denkt.
 
Die aus­ge­sperrten ZSKA-Fans werden ver­mut­lich eben­falls um das Sta­dion tigern. Keine Sorge, dass es Ärger geben könnte?
Ach, nein. Ich hoffe näm­lich, dass meine andere Serie hält: Ich habe bei einem Bayern-Spiel am Sta­dion noch nie aufs Maul bekommen.