Seite 2: „Sonst gehen viele Zweitliga-Mannschaften bankrott“

Wie sind Sie dann nach Ihrer Kar­riere in die Finanz­branche ein­ge­stiegen?
Gemeinsam mit einem alten Kol­legen der Credit Suisse“ habe ich mich zunächst selbst­ständig gemacht und einen Fonds auf­ge­setzt. Das war für mich etwas Neues. Dann kamen die schwie­rigsten zwei Jahre meiner beiden Kar­rieren. Man hat uns nicht respek­tiert.

Haben Ihnen die Erfah­rungen und Kon­takte aus dem Fuß­ball nicht geholfen?
Die Erfah­rungen schon. Im Fuß­ball muss man sich durch­setzen, man gewinnt, man ver­liert, man lernt, mit Nie­der­lagen umzu­gehen. Man bereitet sich akri­bisch auf Spiele vor. Und man muss sich der Öffent­lich­keit prä­sen­tieren. Genauso muss ich heute zum Bei­spiel gegen­über Hedge Fonds Mana­gern auf­treten.

Aber?
Aber mein Name hat mir nicht unbe­dingt geholfen. Nur weil die Leute dich kennen, machen sie noch keine Geschäfte mit dir. Viele Leute wollten mich treffen, aber nur, um mir als ehe­ma­ligen Fuß­ball­profi die Hand zu schüt­teln. Diese Jahre waren mir eine Lehre, wie das Geschäft funk­tio­niert. Ich habe gelernt, dass man durch Leis­tung über­zeugen muss, wie im Fuß­ball. Wenn du am Wochen­ende zwei Tore gegen Bayern Mün­chen geschossen hast, musst du dich nicht groß prä­sen­tieren. Es reicht diese eine Infor­ma­tion. Reden kann man lang, aber am Samstag musst du den Trainer, die Fans und dich selbst über­zeugen. In der Finanz­branche schaffe ich das durch ren­table Inves­ti­tionen. Dann kommt der Respekt von alleine.

Aus­ge­rechnet zu Beginn der Finanz­krise 2008 haben Sie ein neues Unter­nehmen gegründet und ver­walten mitt­ler­weile rund eine Mil­li­arde US-Dollar. Lieben Sie den Ner­ven­kitzel?
Das fragen mich viele Leute. Aber für mich war das der ideale Zeit­punkt. Gerade wenn man noch neu im Geschäft ist kann man in Kri­sen­zeiten am meisten errei­chen. Und gerade in dieser Zeit, hatte ich die besten Geschäfts­mög­lich­keiten. Wenn der Markt hin­gegen neu­tral ist, sucht jeder nach pas­senden Geschäften und findet kaum welche. Eine Krise ist immer eine Chance.

In der aktu­ellen Trans­fer­phase wech­selte Roberto Fir­mino für 41 Mil­lionen Euro nach Liver­pool, Man­chester City soll 80 Mil­lionen für Kevin de Bruyne geboten haben. Bildet sich auf­grund dieser Trans­fer­po­litik vor allem bri­ti­scher Teams gerade eine Blase?
In gewisser Weise schon. Alle Pre­mier-League-Spieler sind zusammen rund 5,1 Mil­li­arden Pfund wert. Das sind rund 10 Mil­lionen Pfund pro Spieler. Das ist viel Geld. Das Pro­blem ist nicht eine Blase in der Pre­mier League, son­dern die Trans­fers zwi­schen der Pre­mier League und der zweiten eng­li­schen Liga. Die Ein­nahmen in der Pre­mier League sind pro Jahr 10 – 15 mal höher als in der zweiten Liga. In jedem Geschäft in jeder Branche auf der Welt gilt: Wenn du plötz­lich 15 Mal weniger Ein­kommen hast, kannst du den Laden dicht machen. Die Blase wächst also eher bei jenen Ver­einen, die aus der Pre­mier League absteigen. Die wollen immer noch die großen Trans­fers machen, um wieder auf­zu­steigen.

Ein hohes Risiko.
Absolut. Vor allem, weil es um Men­schen geht, um Fuß­ball­spieler, nicht um Pro­dukte, die man im Super­markt kaufen und deren Preise man jedes Quartal ändern kann, sodass die Leute sie trotzdem kaufen. Es geht um Sportler und deren Resul­tate werden immer noch auf dem Fuß­ball­platz gemacht. Die Ver­eine zahlen hohe Trans­fer­summen und hohe Gehälter, um in der Pre­mier League zu bleiben und dann steigen sie sport­lich trotzdem ab. Plötz­lich bekommen sie statt 120 Mil­lionen Pfund nur noch 15 Mil­lionen Pfund an TV-Gel­dern. Das muss die Pre­mier League refor­mieren, weil sonst viele Zweit­liga-Mann­schaften bank­rott gehen würden.

Was schlagen Sie vor?
Man müsste fest­legen, dass nicht mehr als 40 Pro­zent des Ein­kom­mens eines Ver­eins in die Spieler fließen dürfen. In Eng­land liegt dieser Wert momentan durch­schnitt­lich bei 80 Pro­zent. Damit gehen die Ver­eine ein hohes Risiko ein, sie befinden sich finan­ziell am Anschlag.

Wie ent­stehen derart hohe Ablö­se­summen über­haupt?
Die hohen Ablö­se­summen kann man mit den Gehäl­tern und Boni ver­glei­chen, die große Banken ihren Top-Mana­gern zahlen. Diese Summen passen sich an das Ein­kommen an, das in den ver­gan­genen Jahren erwirt­schaftet wurde. Das ist wie bei uns nor­malen Leuten: Wer eine Gehalts­er­hö­hung bekommt, der gibt auch mehr Geld aus. Ähn­lich ist das bei den Trans­fer­summen. Je mehr Geld die Ver­eine erwirt­schaften, zum Bei­spiel durch TV-Ein­nahmen, desto mehr geben sie für Spieler aus. Und momentan sehe ich noch kein Ende dieser Auf­wärts-Spi­rale.