Seite 3: „Spieler sind eher Risikofaktoren“

Sind für Sie per­sön­lich derart hohe Trans­fer­summen noch zu recht­fer­tigen?
Die Spieler sind ja keine mate­ri­elle Ver­mö­gens­werte. Sie sind eher Risi­ko­fak­toren. Bei der Frage, wieso die Ver­eine so höhe Ablö­se­summen zahlen, muss man zwei Dinge beachten: Das sind einmal die Ein­nahmen, die durch diesen Spieler aus dem Mer­chan­di­sing erwirt­schaftet werden, durch Tri­kot­ver­käufe etc. Und zwei­tens wird über­legt, was der Spieler der Mann­schaft bringt. Wie viele Punkte ist ein Spieler pro Saison wert? Wenn ein Spieler 20 Mil­lionen kostet, aber 15 Tore schießt und damit dafür sorgt, dass du in der Liga bleibst und im kom­menden Jahr wieder 120 Mil­lionen TV-Ein­nahmen bekommst, dann war das eine super Inves­ti­tion. Klar ist da ein Risiko dabei, aber hat man bei jedem Invest­ment, in jeder Branche. Im Fuß­ball ist dieses nur offen­sicht­li­cher als in anderen Berei­chen. Man sieht sofort, wenn ein Spieler seine Leis­tung nicht bringt.

Warum werden für einen Roberto Fir­mino von Hof­fen­heim 2015 41 Mil­lionen Euro gezahlt, wäh­rend für Mario Götze, einen Spieler mit viel höherem Poten­zial 2013 nur“37 Mil­lionen Euro gezahlt wurden?
Das ist eine Frage der Markt­si­tua­tion. Wenn der Markt offen ist und nicht regu­liert wird, dann ist so etwas immer mög­lich. Der Markt wird im Fuß­ball nicht so ana­ly­tisch bestimmt wie in anderen Bran­chen. Hier kommt es mehr auf die Nach­frage an. Im Bei­spiel Fir­mino waren aus Liver­pools Sicht anschei­nend nicht viele ver­gleich­bare Spieler auf dem Markt. Sie wollten ihn unbe­dingt, andere Ver­eine waren auch inter­es­siert. So kommt eine derart hohe Ablö­se­summe zustande.

Werden die Ablö­se­summen in den kom­menden Jahren noch weiter steigen?
Absolut. Das Niveau dieser Trans­fer­summen wird in den nächsten zwei bis drei Jahren um min­des­tens 20 Pro­zent steigen. Andere euro­päi­sche Ver­eine werden mit den eng­li­schen Ver­einen nicht mehr mit­halten können, bis auf die ganz Großen wie Bayern Mün­chen, Real Madrid und Bar­ce­lona.

Sie sagten einmal, dass ehe­ma­lige Fuß­baller als Manager auf­grund ihrer Emo­tionen schlech­tere Ent­schei­dungen treffen. Wieso?
Fuß­baller sind immer voller Emo­tionen. Und Fuß­baller sind Mann­schafts­spieler. Wenn diese zum Manager werden, finden sie sich plötz­lich in der Rolle des Ein­zel­gän­gers wieder. Sie sind auf einmal ver­ant­wort­lich für meh­rere Dut­zend Men­schen, die sie stra­te­gisch managen müssen. Sie müssen die Phi­lo­so­phie vor­geben, sie müssen schlechte Ergeb­nisse recht­fer­tigen. Da kann man keine emo­tio­nalen Ent­schei­dungen treffen, was vielen ehe­ma­ligen Spie­lern enorm schwer­fällt.

Aktuell wird im inter­na­tio­nalen Fuß­ball viel über die Finan­cial Fair­play-Regel der Uefa debat­tiert. Was halten Sie davon?
Das ist keine schlechte Regu­la­tion, sie muss aber noch refor­miert werden. Man müsste sie so anpassen, dass auch die klei­neren Klubs von ihr pro­fi­tieren. Aber es geht in die rich­tige Rich­tung, denn es zielt darauf, die Finanzen der Klubs auf lange Sicht gesünder zu machen. Das ist vor allem auch im Sinne der Fans.

Wo herrscht die grö­ßere Ellen­bo­gen­men­ta­lität, im Fuß­ball oder in der Finanz­branche?
Das nimmt sich nicht viel. Im Fuß­ball bekommst du eben den phy­si­schen Ell­bogen in die Rippen und in der Finanz­branche sind es Worte und Gesten.

Sie sagten einmal, dass sie für zwei Dinge Talent besitzen: Fuß­ball und Finanzen. Worin sind Sie talen­tierter?
Ich würde eher sagen: Da ich mich in beiden Berei­chen extrem spe­zia­li­siert habe, stelle ich quasi eine eigene, neue Kate­gorie dar, eine Art Fuß­ball­busi­ness-Experte. Es gibt nicht viele Men­schen, die diese Welten so ver­einen wie ich.

2009 schei­terten Sie daran, den FC Ports­mouth zu über­nehmen. Können Sie sich vor­stellen, irgend­wann noch einmal ins Fuß­ball­ge­schäft ein­zu­steigen?
Auf jeden Fall. Ich könnte mir gut vor­stellen, eine Mann­schaft zu managen. Außerdem denke ich dar­über nach mit meh­reren Leuten gemeinsam einen Klub zu kaufen. Mal sehen, was daraus wird.