Hin­weis: Das Inter­view stammt aus der 11FREUNDE-Aus­gabe #190. Damals trafen wir Sol Camp­bell zum Gespräch, weil er seit Jahren keinen Job als Trainer fand – und des­wegen langsam unge­duldig wurde. Seit ges­tern ist das Warten vorbei. Denn Camp­bell beginnt seine Trai­ner­lauf­bahn beim eng­li­schen Viert­li­gisten Mac­cles­field Town.

Sol Camp­bell, stimmt es, dass Sie ein Jahr lang auf Gehalt ver­zichten wollen, wenn ein Team Sie als Trainer ver­pflichtet?
Das habe ich in der Tat so gesagt. Ich war dreimal Kapitän der eng­li­schen Natio­nal­mann­schaft, einer der besten Ver­tei­diger meiner Zeit. Ich habe meinen Trai­ner­schein gemacht und bin bereit, ein Team zu über­nehmen. Trotzdem warte ich seit mehr als einem Jahr auf eine Ein­la­dung zu einem Vor­stel­lungs­ge­spräch. Nur ein Vor­stel­lungs­ge­spräch. Nie­mand will mir eine Chance geben.

Und Sie glauben, ohne Gehalt kämen Sie ins System?
Ja, denn viel­leicht gibt es einen kleinen Klub, der Ambi­tionen hat, aber kein Geld. Solange man mir ver­traut, würde ich auch weit unten anfangen. Auch im Aus­land, es muss nicht Eng­land sein. Wenn ich die Chance bekomme, ein Team nach meinen Vor­stel­lungen zu formen, werde ich Erfolg haben. Dann sehen auch andere, dass ich das kann.

In Ihrer Auto­bio­grafie steht: Wenn ich weiß wäre, wäre ich zehn Jahre lang Kapitän der eng­li­schen Natio­nal­mann­schaft gewesen.“ Glauben Sie, es hat auch mit Ihrer Haut­farbe zu tun, dass Sie keinen Job bekommen?
Inter­es­sante Frage, sehr leicht zu beant­worten. Schauen Sie sich die Zahlen an. In der letzten Saison waren von 92 Trai­nern im eng­li­schen Pro­fi­fuß­ball zwei nicht weiß. Zwei!

Einer von den beiden, Chris Hughton, ist mit Brighton & Hove Albion in die Pre­mier League auf­ge­stiegen.
Das ist groß­artig und zeigt, dass die Dinge sich ver­än­dern. Die Leute waren geschockt, als ich vor ein paar Jahren so voll­mundig davon sprach, dass ich wegen meiner Haut­farbe benach­tei­ligt wurde. Doch die Dinge kamen ins Rollen, heute ist es kein Tabu mehr, dar­über zu reden. An der Basis sieht es auch schon deut­lich besser aus. Je weiter man nach oben kommt, desto dünner wird die Luft für uns aller­dings. Viele ver­trauen uns nicht, weil sie denken, wir haben nicht die Intel­li­genz, um ein Team zu leiten.

Macht Sie das traurig?
Ich war nie der Typ, der resi­gniert hätte. Ich denke immer nach vorn, ver­traue auf das Gute in den Men­schen. Des­halb sage ich: Gebt mir ein Bewer­bungs­ge­spräch, ich werde euch über­zeugen.

Man­gelndes Selbst­be­wusst­sein war nie Ihr Pro­blem.
Das stimmt. Ich komme aus East London, bin nicht wirk­lich wohl­ha­bend auf­ge­wachsen. Meine Mutter arbei­tete bei einem Tele­fon­an­bieter, mein Vater fuhr U‑Bahn. Ich hatte meinen Sport, das war alles. Es waren harte Zeiten, aber ich habe mich durch­ge­setzt. Das hat mich geprägt.

Hatten Sie nie Zweifel?
Doch, ich hatte sogar Angst. Angst vor den Auf­gaben, denen ich mich stellen musste. Aber Angst beflü­gelt dich auch. Angst ist gut – wenn sie dich nicht beherrscht.