Seite 2: Alles über links

3. Alles über die linke Seite
Schalke kennt der­zeit nur einen Weg nach vorne – und dieser führt über die linke Seite. Dieser Mann­schafts­teil ist der mit Abstand talen­tier­teste der Schalker. Links­außen Amine Harit zieht als nach innen rückender Dribbler die Bälle an. Der von Arsenal gelie­hene Sead Kolasinac hin­ter­läuft Harit und zieht damit Gegen­spieler auf sich.

Gegen Köln wurde die Abhän­gig­keit von der eigenen linken Seite deut­lich: Harit (91 Ball­kon­takte) und Kolasinac (85) waren mehr als dop­pelt so häufig am Ball wie Timo Becker (52) und Benito Raman (31, bis zur 71. Minute auf dem Feld) auf der gegen­über­lie­genden Seite des Feldes. Einer­seits beflü­gelt die Form­stärke von Harit das Schalker Spiel; gegen Köln war er an der Hälfte der Schalker Tor­schüsse direkt betei­ligt. Ande­rer­seits macht diese Ein­sei­tig­keit das Spiel der Schalker arg aus­re­chenbar.

4. Alle Augen auf Klaas-Jan Hun­telaar
Harit sorgt zwar für Tor­ge­fahr, wenn er in die Mitte zieht und seine Mit­spieler von dort aus bedient. Wenn der Tune­sier und Kolasinac am Flügel kom­bi­nieren, ver­sanden die Angriffe jedoch meis­tens.

Schalke fehlt die Mög­lich­keit, Flü­gel­an­griffe mit einer Flanke in den Straf­raum zu beenden. Dort wartet kein Angreifer, der solche Her­ein­gaben aufs Tor bringen geschweige denn über­haupt erobern kann. Hoppe und Raman über­zeugen eher mit ihrem Tempo.

Aus diesem Grund richten sich dieser Tage alle Augen auf Klaas-Jan Hun­telaar. Der Rück­kehrer soll mit seiner Prä­senz im Straf­raum für Tor­ge­fahr sorgen. Ob der Nie­der­länder die nötigen Tore für Schalke schießt? Mit 37 Jahren hat Hun­telaar an Sprit­zig­keit ein­ge­büßt. Schalke müsste zudem gefähr­li­chere Flanken schlagen als zuletzt. Gegen Köln kamen gerade einmal drei der 16 Ver­suche bei einem Mit­spieler an.

5. Zu viel Wollen, zu wenig Können
Auch ohne Hun­telaar haben die Schalker in der zweiten Halb­zeit gegen Köln Tor­ge­fahr ent­facht. Das Mit­tel­feld rückte weit vor, Harit for­derte wieder und wieder Bälle. Zwi­schen­zeit­lich wich Trainer Gross sogar von seiner favo­ri­sierten Vie­rer­kette ab. In einem 3 – 4‑3-System wollten die Schalker den Sieg­treffer erzwingen.

Wollen ist jedoch nicht Können. Schalke fehlten die Offen­siv­me­cha­nismen, um Kölns kom­pakte Defen­sive dau­er­haft zu prüfen. Zugleich konnten sie Offen­siv­prä­senz nur gewähr­leisten, indem sie weit vor­rückten. In der Folge bekamen die Kölner mehr Räume zum Kon­tern. Es pas­sierte, was pas­sieren musste: In der Nach­spiel­zeit erzielte der ein­ge­wech­selte Jan Thiel­mann den 2:1‑Siegtreffer.

Schalkes Abstand auf den Rele­ga­ti­ons­rang beträgt damit acht Punkte. Die Königs­blauen müssten eine his­to­ri­sche Rück­runde spielen, um diesen Rück­stand noch auf­zu­holen. Es gibt wenig Grund, an einen sol­chen Rekord zu glauben.