Seite 2: Meisterfeier? Da haben wir nichts anzuziehen

Nicht weiter ver­wun­der­lich also, dass sich die Fans bei einer Umfrage nach dem erneuten Pokal-Aus als Maß­nahme für die Mann­schaft emp­fahlen: Dieser Mann­schaft ist nicht zu helfen“.

Doch ver­young­boysen“ hat längst den fuß­bal­le­ri­schen Sprach­raum ver­lassen. Es ist der lin­gu­is­ti­sche Gegen­satz zum zla­ta­ni­sieren“, dem kom­pro­miss­losen Domi­nieren des Geg­ners. Wenn ein Schweizer Schüler seine Matura ver­haut, dann ist er nicht länger durch­ge­fallen, son­dern hat die Prü­fung schlicht ver­young­boyst. Wenn die Band bei ihrer Pre­miere keinen geraden Ton spielt, haben sie ihren Auf­tritt böse ver­young­boyst. Und wer später im Stu­dium nicht einmal die lal­lende Blonde am Tresen abgreift, der hat den Abend ziem­lich ver­young­boyst.

17 Punkte auf Basel

Das Wort ›Ver­young­boysen‹ ist in der Schweiz tat­säch­lich in aller Munde“, hat auch Herr Nati­scher fest­ge­stellt, auch seriöse Zei­tungen ver­wenden es, wenn wieder einmal ›irgendwer eine sehr gute Aus­gangs­lage ohne Not ver­schenkt‹“. Dabei hätten die Fans der Young Boys Bern gerade in dieser Saison fri­schen Mut geschöpft. Mit einer Mann­schaft inter­na­tio­nalen For­mats und einem fähigen Trainer sollte mehr drin sein. Statt­dessen: Pokal-Aus, Tabel­len­zweiter mit 17 Punkten Rück­stand auf Basel und viel­leicht auch im nächsten Jahr nur Europa League.

Das ärgert die Fans, die laut dem Blogger Nati­scher eine feine Ironie in Bezug auf das Image ihren dau­er­er­folg­losen Klub ent­wi­ckelt hätten: Wir koket­tieren natür­lich damit und sagen, dass wir am Finaltag eh keine Zeit gehabt hätten oder für eine Meis­ter­feier gar nichts Pas­sendes anzu­ziehen hätten.“

Nur noch Mit­leid

Die Nie­der­lagen täten dem Zuschau­er­schnitt sowieso keinen Abbruch. Drei Tage nach dem Pokal­de­bakel war das Wank­dorf­sta­dion gefüllt wie eh und je. Die Titel­lo­sig­keit frus­triert uns immer nur vor­über­ge­hend“, weiß Nati­scher und über­legt, schlimm daran ist eigent­lich nur, dass man im Büro nicht mal mehr gehän­selt wird, son­dern eher Mit­leid bekommt.“ Und dann, ist der Arbeitstag nun wirk­lich ver­young­boyst.