Als Iker Cas­illas 18 Jahre alt wurde, bekam er von seinem Sponsor, einem Auto­mo­bil­her­steller, ein Cabrio geschenkt. Rot war es und eckig. Kein sport­lich schnit­tiger Fer­rari und auch kein Por­sche, Autos, wie sie Spieler von Real Madrid nor­ma­ler­weise fahren, son­dern einen Chrysler. Reichte es nicht schon, dass der Junge in Jeans und schlapp­rigen T‑Shirts statt im Desi­gner­anzug zum Trai­ning kam? Nun musste er auch noch einen Kas­ten­wagen fahren. Für die Mit­spieler war das ein will­kom­mener Anlass, diesen stillen, zurück­hal­tenden Tor­wart aus dem eigenen Nach­wuchs weiter auf­zu­ziehen. Der ließ die Späße über sich ergehen, ohne groß davon Notiz zu nehmen.

Die lebende Legende

Was sein Wesen angeht, hat Iker Cas­illas nie zu Real Madrid gepasst. Zu dem Gla­mour, dem Prunk, der Groß­manns­sucht. Und doch hat er es geschafft, eine der prä­gendsten Figuren der Klub­ge­schichte zu werden. Cas­illas ist, so ver­kün­dete der Klub jetzt offi­ziell, der beste Tor­wart, den Real je her­vor­brachte. Seine Bilanz: 725 Pflicht­spiele, 19 Titel, davon drei Cham­pions-League-Siege. Im Verein seit 25 Jahren. Eine lebende Legende.

Wäre Fuß­ball ein Hol­ly­wood-Streifen, Cas­illas hätte seine Kar­riere in zwei oder drei Jahren bei dem Verein beendet, dem er ein Leben lang treu diente. Es hätte eine große Abschieds­ze­re­monie gegeben mit Tränen, Umar­mungen und ganz viel Gefühl. Alles vor tau­senden und aber­tau­senden Fans im Estadio Ber­nabeu, die alle schluch­zend und heiser vor Kummer seinen Namen gerufen hätten.

Kein Abschied für immer“

Weil Fuß­ball und Romantik aber längst mit­ein­ander im Clinch liegen wie die euro­päi­sche Zen­tral­bank und Grie­chen­land fiel all das aus und Cas­illas ver­ab­schie­dete sich im Rahmen der Pres­se­kon­fe­renz, auf der er seinen Wechsel zum FC Porto bekannt gab. Ganz schlicht, zwar mit Tränen, aber eher ein leises Adios. Mehr noch als als Tor­wart möchte ich, dass man mich als gute Per­sonen in Erin­ne­rung hält“, sagte er und dankte dem Klub und den Fans. Cas­illas ver­kün­dete: Das ist kein Abschied für immer, wir werden uns wieder sehen.“

Min­des­tens zwei Jahre möchte er noch spielen, drüben in Por­tugal. Weil er seinen Stamm­platz in der Natio­nal­mann­schaft nicht ver­lieren will, die EM 2016 in Frank­reich soll sein letztes großes Tur­nier mit der Sel­ección werden.

Es war ein erzwun­gener Abschied. San Iker, der hei­lige Iker, wie ihn die Fans nannten, wurde aus seinem Para­dies ver­trieben. Von einem Trainer, der längst nicht mehr da ist und einem Prä­si­denten, der Mil­li­arden Euro mit einer Bau­firma ver­dient und der nie viel übrig hatte für den Mit­tel­stands­jungen aus dem Madrider Vorort Mos­toles.

José Mour­inho hatte Flo­ren­tino Perez einst ein­ge­redet, Cas­illas sei ein schwarzes Schaf, ein Maul­wurf, einer der Infor­ma­tionen an die Presse wei­ter­geben und die Mann­schaft spalten würde. Perez ließ sich davon nur zu gern über­zeugen.

Ill­gner: Für mich ist das nicht nach­voll­ziehbar“

Schon wäh­rend seiner ersten Amts­zeit hätte er Cas­illas am liebsten durch den Ita­liener Gian­luigi Buffon ersetzt. Ein Junge aus dem Vorort als Tor­hüter von Real Madrid, das passte nicht in Perez’ Vor­stel­lung von einer galak­ti­schen Mann­schaft. Mour­inhos Worte waren für den Prä­si­denten nur Mittel zum Zweck.

Laut dieser Begrün­dung ist jeder bei Real ein Maul­wurf“, sagt Bodo Ill­gner. Für mich ist das nicht nach­voll­ziehbar. Alle Real-Spieler unter­halten Bezie­hungen zur Presse, selbst die Leute in den höchsten Gre­mien tun das.“