Herr Adrion, Her­mann Ger­land ist seit acht Jahren Trainer der zweiten Mann­schaft von Bayern Mün­chen und hat sein Glück gefunden. Sie sind seit fünf Jahren für die zweite Mann­schaft des VfB Stutt­gart zuständig, und man glaubte, Sie würden dort auch nicht mehr weg­gehen. Wieso wech­seln Sie nun zum DFB?

Mein Lebens­motto lautet: »Ich bin zu alt, um nur zu spielen, aber zu jung, um ohne Wunsch zu sein.« Zu einem anderen Verein wäre ich nicht gegangen. Es gab zwar immer wieder Anfragen, doch diese habe ich relativ schnell abge­lehnt, denn ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit beim VfB. Doch das Angebot des DFB war etwas Beson­deres, und die U21 ist eine große Her­aus­for­de­rung. Des­halb bin ich froh, dass der Wechsel zum 1. Juli geklappt hat.



War Ihnen bei der Anfrage des DFB sofort klar, dass Sie das Angebot annehmen wollen?

Es gab früh­zeitig ein Treffen. Nach diesem war mir sehr schnell klar, dass es eine breite Akzep­tanz beim DFB gibt und ich dort meine Fähig­keiten und meine Erfah­rung gut ein­bringen kann.

Welche Rolle spielten dabei Bun­des­trainer Joa­chim Löw und Sport­di­rektor Mat­thias Sammer, die Sie bereits aus dem Tages­ge­schäft in Stutt­gart bes­tens kennen?

Es sind zwei wich­tige Ent­schei­dungs­träger und es ist sicher von Vor­teil, wenn man sich gut kennt. Zu Jogi habe ich eine enge per­sön­liche Bin­dung. Ich war sein Assis­tent, als wir 1997 den DFB-Pokal gewonnen und ein Jahr später das Euro­pacup-Finale erreicht haben. Ich kenne Jogis Spiel­phi­lo­so­phie. Und bei Mat­thias Sammer ist das ähn­lich, weil ich zu seiner Zeit als VfB-Coach bereits die zweite Mann­schaft trai­niert habe. Doch auch mit Manager Oliver Bier­hoff habe ich mich gleich bes­tens ver­standen.

Angeb­lich kam es wegen Ihrer Rolle zum Macht­kampf zwi­schen Sammer und Löw, weil Sammer Sie nur für die U19 haben wollte. Wie haben Sie diese in den Medien breit geführte Dis­kus­sion ver­folgt?

Ich weiß nicht, wie intensiv diese Dis­kus­sion intern geführt wurde. Aber ich hatte das Gefühl, je länger die Dis­kus­sion dau­erte, desto deut­li­cher wurde, dass meine Ver­pflich­tung für die U21 die bevor­zugte Vari­ante ist. Außerdem weiß ich, dass es nie gegen mich als Person oder Trainer ging.

Wie würden Sie sich selbst als Trainer cha­rak­te­ri­sieren?

Meine Motto heißt: Ver­traue, aber kon­trol­liere. Ich brauche ein gutes Team von Spe­zia­listen, in dem ich als Erster unter Glei­chen arbeite. An den Spie­lern bin ich nahe dran, aber ich bin sicher kein aus­ge­spro­chener Kum­peltyp. Ich inter­es­siere mich jedoch sehr für ihre Belange und richte auch die Trai­nings­ar­beit sehr indi­vi­duell aus.

Kürz­lich sagten Sie in einem Inter­view, dass die Spieler deutsch spre­chen müssten, um berufen werden zu können.

Ich habe dabei aber sofort zum Aus­druck gebracht, dass diese Bemer­kung als Spaß zu ver­stehen ist. Ich habe Edmund Stoiber zitiert mit den Worten: »Wer ran­da­liert, muss raus. Und wer kein Deutsch kann, kommt nicht rein.« Unab­hängig von diesem Gag: Natür­lich ist es wichtig, dass die Spieler mich ver­stehen.

Können Sie schon Ziele für Ihre Arbeit for­mu­lieren?

Es ist immer ein schwie­riger Spagat zwi­schen der Aus­bil­dung und dem sport­li­chen Erfolg. Doch diese Pro­ble­matik kenne ich auch aus Stutt­gart. Ich will natür­lich Spieler an die A‑Nationalmannschaft her­an­führen. Aber ich will auch die EM 2011 errei­chen und dort mög­lichst unter die ersten Vier kommen, damit wir bei Olympia 2012 in London dabei sind. Man muss immer erfolgs­ori­en­tiert denken, und wenn einmal zwei oder drei Top­spieler fehlen, darf man die Ziele für Tur­niere nicht run­ter­schrauben.

Bei der EM 2009 im Juni in Schweden wird noch Horst Hru­besch das Team betreuen. Werden Sie das Tur­nier vor Ort ver­folgen?

Das ist durchaus mög­lich. Aber wenn ich es tue, dann eher zu infor­ma­tiven Zwe­cken. Ein­mi­schen werde ich mich sicher nicht. Bis Juni kon­zen­triere ich mich ohnehin voll und ganz auf den VfB.

Dort haben Sie – zuletzt in Mario Gomez, Serdar Tasci, Sami Khe­dira oder Andreas Beck – zahl­reiche Spieler zu Natio­nal­spie­lern oder Kan­di­daten für die A‑Elf geformt. Ist diese Häu­fung an Talenten aus der VfB-Schmiede auch Glück oder nur das Ergebnis des Kon­zeptes?

Es gibt schon ein klares Kon­zept, bei dem ich ja nur am Ende der Kette stehe. Wir arbeiten sehr gut im Team und waren der Kon­kur­renz meist einen Schritt voraus. Wir setzen zum Bei­spiel auf ein­heit­liche Spiel­sys­teme in der Jugend oder auf früh­zei­tige För­de­rung der Talente. Jedes Jahr ziehe ich bereits zwei bis vier Spieler aus der A‑Jugend hoch und setze sie in einem ver­nünf­tigen Rahmen in der dritten Liga ein. Die Erfah­rung zeigt, dass dies in den meisten Fällen eine Leis­tungs­stei­ge­rung bewirkt. Sehr wichtig ist auch die Indi­vi­dua­li­sie­rung des Trai­nings.

In Timo Hil­de­brand, Kevin Kuranyi und Andreas Hinkel gehörten gleich drei ihrer Ex-Spieler lange zum Kader der A‑Elf, sind der­zeit aber außen vor. Trauen Sie ihnen ein Come­back zu?

Für Kevin tut es mir leid. Aber Jogi Löw hat deut­lich gemacht, dass es in seiner Zeit als Bun­des­trainer keine Rück­kehr gibt. Bei Timo Hil­de­brand und Andreas Hinkel kann ich es mir dagegen vor­stellen, wenn es bei ihnen nach Wunsch läuft und der Bun­des­trainer das genauso sieht.