Als Schalke am Sonntag in Berlin spielte, gegen Union, hörten die Profis auf dem Platz teil­weise lautes Gegröle vom Rand – obwohl ja aus all­ge­mein bekannten Gründen der­zeit keine Fans in die Alte Förs­terei dürfen. Das lag zum einen an den zehn Union-Anhän­gern, die sich außer­halb des Sta­dions zum gemein­samen Singen ver­ab­redet hatten und deren Lieder manchmal auf die andere Seite der Tri­büne schwappten. Und zum anderen an Ben­jamin Stam­bouli.

Der Schalker Abwehr­spieler, der seit November auf­grund einer Fuß­ver­let­zung aus­fällt, war extra mit in die Haupt­stadt gereist und machte nun von seinem Platz aus ordent­lich Radau. Er gab Anwei­sungen, er feu­erte an, er beju­belte den Aus­gleich. Irgend­wann schrieb Andreas Ernst, Funke-Reporter und einer der wenigen Jour­na­listen mit Akkre­di­tie­rung für das Spiel, auf Twitter: Wer vor dem TV-Gerät sitzt und sich fragt, wer da von der Tri­büne rein­brüllt – min­des­tens 50 Pro­zent der Rufe sind von Stam­bouli. Das finde ich wirk­lich fas­zi­nie­rend.“

Wir sind Schalker, aso­ziale Schalker, schlafen unter Brü­cken oder in der Bahn­hofs­mis­sion“

Benjamin Stambouli, unter der Dusche

Die meisten Schalke-Fans dürften von Stam­boulis Ver­halten am Sonntag nicht son­der­lich über­rascht gewesen sein. Denn für sie steht schon seit län­gerer Zeit fest: Der Fran­zose ist ein echter Schalker. Einer, der sich auf­richtig mit dem Verein und dessen Geschichte aus­ein­an­der­ge­setzt hat, einer, der kapiert hat, was Schalke 04 für die Men­schen bedeutet. Stam­bouli mag die Fans selten mit fuß­bal­le­ri­schen Kunst­stü­cken ver­zü­cken – doch Stam­bouli zeigt immer Herz. Im Inter­view mit 11FREUNDE erzählte er einst, dass die Songs, die in der Schalker Nord­kurve (wenn dort denn Fans stehen dürfen) ange­stimmt werden, für ihn zu Ohr­wür­mern geworden sind. Und dass er manchmal unter der Dusche stehen und wir sind Schalker, aso­ziale Schalker, schlafen unter Brü­cken oder in der Bahn­hofs­mis­sion“ singen würde. Auf die Frage, ob er den selbst­iro­ni­schen Unterton des Liedes denn ver­standen hätte, ant­wor­tete er: Ja, gerade das ist doch super. Wir kennen die Geschichte des Ver­eins und der Region. Viele Leute haben nicht viel Geld, aber trotzdem sind sie stolz auf ihren Klub. Andere würden sich genieren, aber die Leute hier schreien raus: Ihr könnt uns alle mal. Auch wenn wir kein Geld haben, uns egal, wo wir schlafen – Haupt­sache, wir fahren euch hin­terher.‘ Ich liebe das.“

Wer so spricht und dann auch noch so spielt wie Stam­bouli, also auf dem Platz eher zupackt denn zu leicht fällt, kommt an. Bei eigent­lich allen auf Schalke. Wes­halb der Text an dieser Stelle auch ein­fach enden könnte. Stam­bouli würde weiter durchs Ruhr­ge­biet pflügen und ackern und sich die Hosen schmutzig grät­schen, er würde einen Ren­ten­ver­trag unter­schreiben und alle Betei­ligten würden glück­lich und zufrieden gemeinsam alt werden. Doch so ein­fach sind die Dinge auf Schalke selten. Denn es gibt ein paar Leute, die Stam­bouli nicht so bedin­gungslos lieben oder für uner­setz­lich befinden. Dum­mer­weise für Stam­bouli arbeiten diese Leute im Schalker Manage­ment.