Für unsere große Repor­tage über Chris­toph Daum („Die Ent­de­ckung der Lang­sam­keit“, 11FREUNDE #124) reiste 11FREUNDE-Redak­teur Tim Jür­gens nach Brügge. Im Inter­view sprach der ehe­ma­lige Bun­des­li­ga­trainer über seine Ziele in Bel­gien, aber auch über seine Ver­gan­gen­heit beim 1. FC Köln. Daum sagte etwa, dass Ver­spre­chungen nicht ein­ge­halten wurden: Mir ist ver­trag­lich zuge­si­chert worden, dass ich ein bestimmtes Trans­fer­vo­lumen erhalte, um die Mann­schaft in der Breite qua­li­tativ zu ver­stärken.“ 

Werner Wolf (Vor­sit­zender des FC-Ver­wal­tungs­rats) wies diese Vor­würfe auf der Home­page des Ver­eins am Montag vehe­ment zurück­wies: Diese Aus­sage ist nicht zutref­fend. Der 1. FC Köln legt Wert auf die Fest­stel­lung, alle ver­trag­li­chen Zusagen gegen­über dem Ex-Trainer erfüllt zu haben“. Der FC soll zunächst mit einer Klage gedroht haben. Nun kon­tert der Trainer via Express: Ers­tens erkun­dige ich mich immer als erstes, wie der FC gespielt hat und drücke dem Klub die Daumen. Zwei­tens sind diese Aus­sagen so unge­heu­er­lich und unhaltbar, dass ich mir fast recht­liche Schritte gegen Herrn Dr. Wolf über­legen muss.“


Die wich­tigsten Aus­sagen aus dem 11FREUNDE-Inter­view mit Chris­toph Daum in Kürze:

Einige nahmen es dan­kend in Kauf, dass ich allein ver­ant­wort­lich für meinen Abgang gewesen sein soll. Ich hätte mich gefreut, wenn mal einer gesagt hätte: ›Wir haben Ver­spre­chungen gemacht, die wir nicht gehalten haben.‹ Von vielen Seiten spürte ich man­gelnden Koope­ra­ti­ons­willen. Am Ende waren sich beide Seiten einig, dass es so nicht wei­ter­geht. Aber statt­dessen hieß es aus dem Vor­stand nur: ›Daum wollte weg‹, ›Daum wollte mehr Geld‹ und so weiter.“

Mir ist ver­trag­lich zuge­si­chert worden, dass ich ein bestimmtes Trans­fer­vo­lumen erhalte, um die Mann­schaft in der Breite qua­li­tativ zu ver­stärken. Dies wurde nicht ein­ge­halten und somit war das zuvor Durch­ge­spro­chene nicht durch­zu­setzen.“

Er (Wolf­gang Overath, d. Red.) hat sich nie gegen mich gestellt, was ich ihm bis heute hoch anrechne. Aber mir schlug intern von vielen anderen Seiten Miss­trauen ent­gegen. Wie oft habe ich in Sit­zungen darauf hin­ge­wiesen, dass unsere Gegner in Lever­kusen, in Glad­bach oder auf Schalke sitzen. Aber es ging oft intern gegen­ein­ander.“

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Hier das kom­plette Inter­view mit Chris­toph Daum, ergän­zend zur Repor­tage Die Ent­de­ckung der Lang­sam­keit“ aus 11FREUNDE #124:


Chris­toph Daum, auch ein Trainerleben ist ein langer unsteter Fluss. Wie sind Sie plötz­lich beim FC Brügge gelandet?

Chris­toph Daum: Es ging alles sehr schnell. Der neue Prä­si­dent hat sich sehr für mich ein­ge­setzt. Die Vor­aus­set­zungen stimmten. Mir blieb nicht viel Zeit zu über­legen, also habe ich zuge­sagt. Und es gibt weitaus weniger inter­es­sante Arbeits­orte als die Stadt Brügge.

Der his­to­ri­sche Stadt­kern hat Ihre Ent­schei­dung für den Job also befeuert?

Chris­toph Daum: Sehr. Brügge ist eine mit­tel­al­ter­liche Stadt, die sich seit 600 Jahren kaum ver­än­dert hat, wo es im Winter mit­unter etwas zu ruhig ist, ins­be­son­dere nach Ein­bruch der Dun­kel­heit, das einem im Sommer hin­gegen vor­kommt wie Klein-Tokio.

Sie sind erst im November gekommen, woher kennen Sie das Stadt­bild im Sommer?

Chris­toph Daum: Ich war im Früh­jahr 1986 als Co-Trainer von Sir Georg Kessler das erste Mal hier. Damals spielten wir mit dem 1. FC Köln im Uefa-Pokal beim SV Waregem. Wäh­rend unseres drei­tä­gigen Trai­nings­la­gers in Knokke nahm Kessler mich abends mit, um mir die Stadt zu zeigen. Das Venedig des Nor­dens“ mit seinen Grachten hat mich sofort fas­zi­niert. Ich bin mit Ritterfilmen wie Ivanhoe“ auf­ge­wachsen, von den alten Gemäuern hier ging eine beson­dere Magie aus. Städte wie Brügge zu erkunden, das gibt dem Men­schen die Mög­lich­keit – frei nach Sten Nadolny – die Lang­sam­keit zu ent­de­cken.

Die Haupt­figur in Nadolnys Buch Die Ent­de­ckung der Lang­sam­keit“ ist der Kapitän und Polar­for­scher John Fran­klin. Nadolny schil­dert ihn als Men­schen, der im Denken, Spre­chen und Han­deln zu langsam für die Zeit der Indus­tria­li­sie­rung erscheint, dessen Eigen­schaften sich jedoch positiv in Aus­dauer, Gründ­lich­keit und Gelas­sen­heit nie­der­schlagen. Mussten Sie diese Lang­sam­keit erst ent­de­cken?

Chris­toph Daum: Jeder Mensch sollte von Zeit zu Zeit erfahren, wie es ist, nicht ständig spontan zu reagieren. Oft ist es von Vor­teil, Dinge wie in Zeit­lupe ablaufen zu lassen und erst dann zu bewerten. Auch ich brauche diese Momente, in denen ich mich frage: Wo komme ich her, wer bin ich, wo gehe ich hin?“ Das führt mir der Kapitän bei Nadolny vor Augen.

Zum Ent­schleu­nigen kam das Angebot vom FC Brügge also genau richtig? Was heißt ent­schleu­nigen?

Chris­toph Daum: Ich bin gekommen, um dem Klub zu helfen. Wir durch­laufen eine Periode der Neu­ori­en­tie­rung. Das ist ein Pro­zess, der Zeit braucht. Keine Frage, wir leben in Zeiten, in denen oft der Schnelle den Lang­samen frisst. Natür­lich spielt auch Genau­ig­keit in unserer Branche eine wich­tige Rolle. Meine Arbeit hier ist aber kei­nes­wegs ent­schleu­ni­gend, denn für bel­gi­sche Ver­hält­nisse gehen wir das Pro­jekt sehr dyna­misch und mit hohem Tempo an.

Der bel­gi­sche Fuß­ball ist dem­nach etwas ver­schlafen.

Chris­toph Daum: Natür­lich sind die infra­struk­tu­rellen Bedin­gungen der Klubs andere als in der Bun­des­liga, allein das TV-Geld ist nicht im Ansatz zu ver­glei­chen. Ich habe vor kurzem mit dem Ex-Glad­ba­cher Ulrich Le Fevre zusam­men­ge­sessen, der in den Sieb­zi­gern noch vom FC Brügge gekauft wurde. Sowas wäre heute undenkbar.

Sind Sie mit offenen Armen emp­fangen worden?

Chris­toph Daum: Ver­traut­heit muss wachsen, das geht nicht von heute auf morgen. Zumal viele Men­schen in Flan­dern uns Deut­schen ohnehin zunächst mit einer gewissen Reser­viert­heit gegen­über­treten.

Woran haben Sie das gemerkt?

Chris­toph Daum: Das neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mittel sind die Foren im Internet.

Und da gab es nach Ihrer Ver­pflich­tung erstmal hit­zige Dis­kus­sionen unter den Fans.

Chris­toph Daum: Ich habe mir ange­wöhnt, mir Moment­auf­nahmen nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Was einem Trainer bei der Ein­stel­lung aus dem Internet ent­ge­gen­schlägt, unter­scheidet sich von den Foren­ein­trägen sechs Wochen später meist grund­le­gend.

»> Seite 2:
Auf der fol­genden Seite spricht Chris­toph Daum über ein Art Prä­ambel, die er an alle Mit­ar­beiter ver­teilte. Er spricht über seine Grund­sätze und Sudoku. Daum: Selbst meine Arbeit in Frank­furt habe ich auf per­sön­li­cher Ebene als unge­mein erfül­lend emp­funden, und ich würde sie immer wieder so machen.“

Der FC Brügge ist der achte Klub, den Sie in 26 Jahren als Pro­fi­trainer über­nehmen. Mit wel­chem Bewusst­sein gehen Sie nach so langer Zeit eine solche Auf­gabe an?

Chris­toph Daum: Ich ver­stehe mich als Begleiter und Her­aus­for­derer, der mit dem rich­tigen Augenmaß die Neu­for­mie­rung des Klubs mit­ge­staltet. Ich weiß, dass ich etwa bei der Ent­wick­lung eines Spie­lers einen Gras­halm nicht nur ein­pflanzen und daran ziehen muss, damit er schneller wächst, denn jeder Halm wächst unter­schied­lich schnell und nach anderen Bedin­gungen. Als Trainer muss ich genau hin­hören, was die Wün­sche des Ein­zelnen sind. Ich muss – so wie Sie als Jour­na­list – die rich­tigen Fragen stellen. Dann erkenne ich schnell, wo man Syn­er­gien bilden kann, indem man bestimmte Men­schen zusam­men­führt, und an wel­cher Stelle auch mal eine Bezie­hung gekappt werden muss.

Gibt es fest­ge­legte Rituale, mit denen Sie Ihre Amts­ein­füh­rung bei einem Verein voll­ziehen?

Chris­toph Daum: Ich habe eine Art Prä­ambel ver­fasst, die in fünf Punkten die Grund­lagen für das Zusam­men­leben inner­halb des Klubs regelt. Darin geht es um Dinge wie Ver­trauen, Zusam­men­halt und Kom­mu­ni­ka­tion. Jeder Mit­ar­beiter bekommt von mir dieses Papier, und ich erwarte, dass diese Dinge gelebt werden.

Was sind das für Grund­sätze?

Chris­toph Daum: Die Aus­sagen wirken auf man­chen auf den ersten Blick viel­leicht tri­vial. Sie werden sich womög­lich fragen, warum so was über­haupt gesagt werden muss. Punkt eins lautet: Der Verein ist immer so stark, wie die Bezie­hungen inner­halb.“ Das Ent­schei­dende dabei ist, diese Dinge kon­se­quent umzu­setzen, denn sie stellen hohe Ansprüche an die Eigen­ver­ant­wort­lich­keit. Es schrift­lich nie­der­zu­legen hilft nach meiner Erfah­rung dabei, dass die Leute meine Grund­sätze besser behalten.

Sie haben ein Faible für bild­hafte Sprache. Ihre Meta­phern vom Kopf als dem dritten Bein“, dem Trainer als Elek­triker“, der die Drähte in einem Klub zusam­men­führt, oder Theo­fanis Gekas, den Sie im Denk-Gefängnis“ ver­mu­teten, sind im Fuß­ball längst in den Sprach­ge­brauch über­ge­gangen.

Chris­toph Daum: Ich weiß, die deut­schen Jour­na­listen tun sich schwer mit sol­chen Bil­dern. Aber glauben Sie mir: Men­schen brau­chen Bilder, sie richten ihr Han­deln an ihnen aus. Wenn Sie zu jemanden sagen Nicht fal­len­lassen“ ent­steht beim Gegen­über eine Ner­vo­sität, die womög­lich dazu führt, dass doch etwas run­ter­fällt. Sagen Sie jedoch Fest­halten“ hat es eine beru­hi­gen­dere Wir­kung.

Ist die Art von Kom­mu­ni­ka­tion, die Sie betreiben, das stän­dige Fragen stellen, auf Dauer nicht unfassbar auf­rei­bend?

Chris­toph Daum: Ich muss sagen, dass ich noch immer jede neue Sta­tion als Her­aus­for­de­rung ver­stehe. Denn meine Arbeit wird ja nie ein­tönig, jeder Mensch ist anders. Man­cher braucht viel­leicht das Wie­der­keh­rende, um sich zurecht zu finden. Aber mir liegt das nicht, diese Arbeit hält mich jung und gedank­lich auf Trapp. Ich brauche dafür kein Kukoku“, oder wie diese Rätsel heißen…

Sudoku.

Chris­toph Daum: Oder so. Selbst meine Arbeit in Frank­furt habe ich auf per­sön­li­cher Ebene als unge­mein erfül­lend emp­funden, und ich würde sie immer wieder so machen. Auch wenn sie am Ende nicht zum Erfolg geführt hat.

»>Seite 3:
Daum spricht über seinen Abstieg mit der Frank­furter Ein­tracht. Ange­spro­chen auf die Pres­se­kon­fe­renz in Dort­mund nach seinem letzten Spiel zieht er einen Ver­gleich zu einem Hund, der ins Wasser geworfen wird. Daum: Ich habe in den ent­schei­denden Momenten meiner Kar­riere mehr ver­loren als gewonnen.“


Kann es sein, dass der Job des Feu­er­wehr­manns, den Sie im März 2011 bei der Ein­tracht über­nahmen, nicht zu Ihrer kon­zep­tio­nellen Art zu arbeiten gepasst hat?

Chris­toph Daum: Natür­lich könnte man es so dar­stellen, aber ich habe diese Auf­gabe so nie ver­standen. Ich wäre gerne auch noch länger in Frank­furt gebleiben, denn ich habe in den Monaten eine Auf­bruchs­stim­mung gespürt. Leider fehlte uns in vielen Spielen das Quänt­chen Glück, und wir hatten diese extrem lange Ver­letz­ten­liste. Der Fuß­bruch von Maik Franz war sicher mit­ent­schei­dend für den Abstieg, denn er war der Anführer im Team.

Anfäng­lich waren Sie gar nicht sicher, ob Sie die Auf­gabe über­nehmen sollten. Sie sollen ver­sucht haben, Ein­tracht-Vor­stands­chef Heri­bert Bruch­hagen zu über­zeugen, dass er mit Michael Skibbe wei­ter­macht.

Chris­toph Daum: Aber Heri­bert sagte, dass die Ent­schei­dung gegen Skibbe bereits gefallen sei. Er sagte: Wenn du es nicht machst, suche ich mir einen anderen.“ Ich hatte ein­ein­halb Stunden Bedenk­zeit. Mir blieb also keine Zeit, die Details genauer zu che­cken. Also habe ich abge­wogen: Ein­tracht Frank­furt, Tra­di­ti­ons­klub, schla­fender Riese, gute Struk­turen. Was im Leben ist ohne Risiko?

Was hätten Sie gecheckt, wenn mehr Zeit gewesen wäre?

Chris­toph Daum: Optimal ist es natür­lich, wenn ich vorab eine cha­rak­ter­liche und phy­si­sche Ana­lyse der Mann­schaft bekomme. Aber, mein Gott, wenn ich ein Team über­nehme, dass im Abstiegs­kampf steht, kann ich mir selbst aus­rechnen, dass die men­talen Werte nicht über­ra­gend sind.

Warum sind Sie nicht Trainer in Frank­furt geblieben?

Chris­toph Daum: Teile des Klubs signa­li­sierten mir unmiss­ver­ständ­lich, dass es besser sei, nicht mit in die zweite Liga zu gehen, also habe ich mich zurück­ge­zogen.

Am Ende der Saison saßen Sie nach der Nie­der­lage gegen den BVB in der Pres­se­kon­fe­renz. Was ging in Ihnen vor, als neben Ihnen Jürgen Klopp von seinen Spie­lern auf­grund des Meis­ter­ti­tels mit Bier über­gossen wurde, wäh­rend Sie den sport­lich größten Miss­erfolg Ihrer Lauf­bahn erlebten?

Chris­toph Daum: Ich glaube, das Leben hat es sehr gut mit mir gemeint, denn es hat mich immer wieder auf den Boden der Tat­sa­chen zurück­ge­holt. Wissen Sie, ich habe in den ent­schei­denden Momenten meiner sport­li­chen Kar­riere mehr ver­loren als gewonnen. Ich war öfter Vize­meister als Meister, stand sechsmal im Pokal­fi­nale und habe nur zweimal gewonnen. Auch wenn diese Situa­tionen sehr weh taten, habe ich mich stets an den Spruch geklam­mert: Gott gebe mir den Mut, die Dinge zu ver­än­dern, die wirk­lich im Rahmen meiner Mög­lich­keiten stehen“. Und ich wusste auch in Dort­mund, dass zu dem Abstieg Dinge bei­getragen hatten, die außer­halb meiner Ein­fluss­mög­lich­keiten lagen.

Solange Sie über­zeugt sind, Ihre Arbeit anständig gemacht zu haben, kann Sie auch die bit­terste Nie­der­lage nicht umhauen.

Chris­toph Daum: Meine selbst­kri­ti­sche Über­prü­fung muss so aus­fallen, dass ich aus meiner Sicht alles in meiner Macht Ste­hende getan habe. Andern­falls würde es mir schwer fallen, mit Nie­der­lagen zurecht zu kommen. Den­noch sind solche Erleb­nisse sehr belas­tend. Rück­schläge hin­ter­lassen Narben. Solche Narben tun ab und zu auch weh. Aber rea­lis­tisch ins Leben ein­ge­ordnet führen sie dazu, dass man mit diesen Erfah­rungen stärker wird, weil man weiß, dass sie einen nicht umhauen.

Das klingt sehr rational, aber wo bleibt die Emo­tion?

Chris­toph Daum: Bleiben wir bei der Bier­du­sche in der Pres­se­kon­fe­renz von Dort­mund. Was kann ein Hund über­haupt nicht ertragen? Wenn ihn jemand ins Wasser wirft! Was macht er also, wenn er aus dem Wasser kommt? Er schüt­telt sich und trotzt dem schlechten Gefühl. So wie der Hund die Tropfen abschüt­telt, schüttle ich die schlechten Emp­fin­dungen ab.

Sie kennen also keine Schock­mo­mente?

Chris­toph Daum: Natür­lich keine ich Schocks genauso wie Glücks­mo­mente, aber ent­schei­dend ist, dass die Schock­mo­mente nicht zu irgend­einer Starre führen. Der Blitz schlägt ein, er trifft dich, aber du lebst noch. So emp­finde ich das.

Haben Sie eine Ahnung, wie sich ein Burn-Out anfühlt?

Chris­toph Daum: Ich glaube, jeder Mensch befindet sich an irgend­einer Stelle seines Lebens in der Gefahr eines Burn-Outs. Doch ich bin in der Lage, recht­zeitig Ablei­tungen zu bilden, die diese spe­zi­elle Art der Depres­sion ver­hin­dern.

Welche Mecha­nismen haben Sie?

Chris­toph Daum: Die Lebens­füh­rung spielt eine wich­tige Rolle. Ich küm­mere mich um die kör­per­liche Fit­ness, sehe zu, dass ich aus­rei­chend schlafe, und ernä­here mich gut. Aber ich ver­suche auch, durch Gespräche mit Ver­trauten den Kopf frei­zu­be­kommen. Wenn ich diese Dinge außer Acht lassen würde, befände auch ich mich in Gefahr.

»>Seite 4:
Daum spricht über seinen Abschied beim 1. FC Köln. Er tadelt die damals han­delnden Per­sonen im Verein, erzählt von internen Rei­be­reien. Daum: Mir ist ver­trag­lich zuge­si­chert worden, dass ich ein bestimmtes Trans­fer­vo­lumen erhalte, um die Mann­schaft in der Breite qua­li­tativ zu ver­stärken. Dies wurde nicht ein­ge­halten und somit war das zuvor Durch­ge­spro­chene nicht durch­zu­setzen.“

Chris­toph Daum, wel­ches war der schönste Moment Ihres Trainerle­bens?

Chris­toph Daum: Die Geburt meiner Kinder. Da geht man als Erwach­sener derart in die Knie, das lässt sich nicht mit einer Erfah­rung aus dem Fuß­ball ver­glei­chen.

Aber das sind keine Erleb­nisse aus dem Fuß­ball.

Chris­toph Daum: Ich war aber auch bei der Geburt meines ersten Sohnes bereits Trainer. (lacht.) Wenn Sie mich so fest­na­geln: Auf der Inten­si­täts­skala waren natür­lich die Meis­ter­schaft mit dem VfB Stutt­gart 1992 und der Wie­der­auf­stieg mit dem 1. FC Köln 2008 die Mei­len­steine meiner Kar­riere.

Was ist mit Ihren Erfolgen in der Türkei?

Chris­toph Daum: Auch das sind sehr schöne Erin­ne­rungen, aber, die Inten­sität, in Stutt­gart etwas zu schaffen, was vorher nie­mand für mög­lich gehalten hätte, war beson­ders. Und beim Auf­stieg in Köln hing nicht nur bei mir, son­dern beim gesamtem Umfeld soviel Herz­blut dran, dass es selbst die Meis­ter­schaften in der Türkei noch über­strahlt.

Als Sie 2008 mit dem 1. FC Köln in die Bun­des­liga zurück­kehrten, sagten Sie, das anstren­gendste Jahr Ihrer Lauf­bahn liege hinter Ihnen.

Chris­toph Daum: Ich habe mehr als 20 Jahre in Köln gear­beitet, der FC war meine Erst­fa­milie. Wenn es der nicht gut geht, beein­träch­tigt es die Lebens­qua­lität enorm. Der Klub musste wieder auf­steigen, ein drittes Jahr in der zweiten Liga wäre wirt­schaft­lich sehr schwer geworden. Die Inten­sität, mit der ich die Auf­stiegs­saison durch­lebte, ging ent­spre­chend tief.

Nach nur einem Jahr in der Bun­des­liga kün­digten Sie jedoch vor­zeitig Ihren Ver­trag und ver­ab­schie­deten sich zu Fener­bahce Istanbul. In Köln haben Ihnen das viele übel genommen.

Chris­toph Daum: Ich gebe zu, dieser Abgang ist sehr schlecht gelaufen. Ich hätte meine Beweg­gründe für den Aus­stieg weitaus aktiver nach außen kom­mu­ni­zieren müssen. So aber traf mich viel Kritik, die im Grunde unge­recht­fer­tigt war.

Warum waren Sie in diesem Punkt so zag­haft in der Öffent­lich­keits­ar­beit?

Chris­toph Daum: Ich wollte nicht, dass meine Aus­sagen zu den Gründen zu Pro­blemen inner­halb des Ver­eins führen. Aller­dings hatte ich bei meinem Abschied nicht ver­mutet, dass die Reak­tionen in Bezug auf mich so heftig aus­fallen würden. Leider haben einige der han­delnden Per­sonen beim Verein auch nichts dagegen unter­nommen, dass sich dieser extreme Druck gegen mich zuneh­mend ver­selb­stän­digte.

Die Klub­bosse fielen angeb­lich aus allen Wolken. FC-Manager Michael Meier sagte: Seine Ent­schei­dung, den 1. FC Köln zu ver­lassen, kam für uns völlig über­ra­schend. Wir bedauern seinen Ent­schluss – vor dem Hin­ter­grund der geplanten lang­fris­tigen Zusam­men­ar­beit – zutiefst.“

Chris­toph Daum: Einige nahmen es dan­kend in Kauf, dass ich allein ver­ant­wort­lich für meinen Abgang gewesen sein soll. Ich hätte mich gefreut, wenn mal einer gesagt hätte: Wir haben Ver­spre­chungen gemacht, die wir nicht gehalten haben.“ Von vielen Seiten spürte ich man­gelnden Koope­ra­ti­ons­willen. Am Ende waren sich beide Seiten einig, dass es so nicht wei­ter­geht. Aber statt­dessen hieß es aus dem Vor­stand nur: Daum wollte weg“, Daum wollte mehr Geld“ und so weiter.

Welche Ver­spre­chungen wurden von Seiten des Ver­eins nicht ein­ge­halten?

Chris­toph Daum: Mir ist ver­trag­lich zuge­si­chert worden, dass ich ein bestimmtes Trans­fer­vo­lumen erhalte, um die Mann­schaft in der Breite qua­li­tativ zu ver­stärken. Dies wurde nicht ein­ge­halten und somit war das zuvor Durch­ge­spro­chene nicht durch­zu­setzen.

Gab es noch wei­tere Streit­punkte?

Chris­toph Daum: Nach außen hieß es immer, ich sei so etwas wie das Syn­onym für den 1. FC Köln, aber intern hatte ich mit Kom­pe­tenz­pro­blemen zu kämpfen.

Das heißt, auch Ihr Ver­hältnis zu Wolf­gang Overath hat gelitten?

Chris­toph Daum: Er hat sich nie gegen mich gestellt, was ich ihm bis heute hoch anrechne. Aber mir schlug intern von vielen anderen Seiten Miss­trauen ent­gegen. Wie oft habe ich in Sit­zungen darauf hin­ge­wiesen, dass unsere Gegner in Lever­kusen, in Glad­bach oder auf Schalke sitzen. Aber es ging oft intern gegen­ein­ander.

Mit anderen Worten: Sie haben letzt­lich genug vom Klüngel im Klub gehabt.

Chris­toph Daum: Irgend­wann reifte in mir das Bewusst­sein, dass ich kaum noch gestal­te­risch tätig sein kann. Wäh­rend in Köln die internen Rei­be­reien zunahmen, kam das Angebot von Fener­bahce und damit die Chance, wieder inter­na­tional zu spielen. Also habe ich den Rückzug ange­treten.

Warum haben Sie diese durchaus nach­voll­zieh­baren Gründe so lange für sich behalten?

Chris­toph Daum: Wenn ich diese Dinge bei meinem Abgang gesagt hätte, wäre beim FC eine Revo­lu­tion aus­ge­bro­chen, und der Klub hätte großen Schaden genommen. Das hatten die Fans nicht ver­dient. Also bin ich gegangen und habe gehofft, dass der Klub erfolg­reich wei­ter­spielt.

Inzwi­schen ist das Prä­si­dium um Wolf­gang Overath zurück­ge­treten.

Chris­toph Daum: Ich habe schon länger keinen Ein­blick mehr, was dort läuft. Der Verein duckt sich gern hinter domi­nante Füh­rungs­per­sön­lich­keiten, doch eine Figur wie Wolf­gang wird nicht leicht zu finden sein.

»>Seite 5:
Daum spricht über sein Image in den Medien und die Bericht­erstat­tung zu Chris­tian Wulff. Es fehlt ja nur noch, dass bei Herrn Wulff nach­ge­sehen wurde, ob er sich im Urlaub irgendwo mal ein Fahrrad aus­ge­liehen hat.“

Sie sind immer ein Trainer gewesen, der stark pola­ri­siert. Wel­ches Medien-Kli­schee geht Ihnen nach all den Jahren eigent­lich am meisten auf die Nerven?

Chris­toph Daum: Keins mehr. Ich habe längst ver­standen, wie Medien so funk­tio­nieren und dass Moment­auf­nahmen über­pro­por­tional plat­ziert werden. Es heißt immer noch der Moti­vator“, obwohl dieser Bereich viel­leicht fünf Pro­zent meiner Arbeit aus­macht.

Ein wei­teres Kli­schee ist der Lautsprecher“.Diesem Kli­schee wurden Sie zuletzt in Frank­furt gerecht, als Sie sich vor der Kamera mit einem Jour­na­listen anlegten. Am Anfang sind Sie noch sehr ruhig, doch dann scheint es irgend­wann, als ver­lören Sie die Lust ver­lieren, weiter diplo­ma­tisch zu sein.

Chris­toph Daum: Ich bin nur ein Mensch, warum soll ich mich besser machen, als ich bin? Natür­lich erlebe auch ich emo­tio­nale Aus­brüche. Hin­terher frage ich mich dann, ob das wirk­lich wieder not­wendig war. Aber ich habe für mich beschlossen, dass es wichtig ist, authen­tisch zu bleiben.

War Ihr loses Mund­werk nicht gerade am Anfang Ihrer Lauf­bahn auch ein Mittel, mit dem Sie auf sich auf­merksam machten? Ihr Disput mit Uli Hoeneß im aktu­ellen sport-studio“ ist in die Geschichte ein­ge­gangen.

Chris­toph Daum: So habe ich nie gedacht. Meinen Sie, ich fahre irgend­eine Medi­enst­ra­tegie? Auf so eine Idee wäre in den acht­ziger Jahren doch kein Mensch gekommen.

Aber Sie haben doch immer fort­schritt­lich gedacht.

Chris­toph Daum: Zuge­geben, ich wollte Erfolg, mich für meine Mann­schaft ein­setzen und Selbst­be­wusst­sein zeigen. Natür­lich habe ich da mit­unter auch über­zogen. Aber ich hatte nun mal ein Pro­blem mit selbst­er­nannten Auto­ri­täten. Ich komme aus dem Ruhr­ge­biet, dort pflegt man eine offene Umgangs­form, und so man­cher Spruch liegt locker auf der Zunge. Am Anfang meiner Kar­riere habe ich noch öfter einen raus­ge­hauen und mich hin­terher gewun­dert, dass die Worte geschrieben eine Wucht ent­fal­teten, die ich vorher nie erwartet hätte.

Das lose Mund­werk ist dem­nach ange­boren?

Chris­toph Daum: Ich war Klassen- und später auch Schul­spre­cher und habe ver­sucht, die Inter­essen der Schüler gegen­über der Insti­tu­tion Schule und den Leh­rern zu ver­treten. Ich habe also gelernt, um Dinge zu kämpfen, die mir wichtig erschienen, und dafür auch Nach­teile in Kauf zu nehmen.

Macht Ihnen die Arbeit in dieser ständig wach­senden Medi­en­welt immer noch Spaß?

Chris­toph Daum: Ich bin damit groß geworden. Durch das Pri­vat­fern­sehen und nun spe­ziell durch das Internet hat sich alles ver­än­dert. Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich anzu­passen, schließ­lich pro­fi­tiere ich auch sehr von der Wahr­neh­mung, die dem Fuß­ball zuteil wird.

Wie betrachten Sie die aktu­elle Bericht­erstat­tung zu den Ver­feh­lungen des Ex-Bun­des­prä­si­denten Chris­tian Wulff oder zum Ex-Ver­tei­di­gungs­mi­nister Karl-Theodor zu Gut­ten­berg, der bei der Dok­tor­ar­beit abge­schrieben hat?

Chris­toph Daum: Ich weiß aus eigener Erfah­rung, wie sich solche Dinge in den Medien auf­bauen und dass ab einem bestimmten Moment keine Chance mehr besteht, diese Lawine auf­zu­halten. Jeder Mensch geht aus so einer Bericht­erstat­tung beschä­digt hervor.

Aber die Poli­tiker haben sich doch falsch ver­halten.

Chris­toph Daum: Herr zu Gut­ten­berg stand meines Erach­tens auf­grund seiner Bedeu­tung, die er zwi­schen­zeit­lich erlangt hatte, ohnehin auf der Abschuss­liste der Medien. Wenn es nicht die Dok­tor­ar­beit gewesen wäre, hätten sie etwas anderes gefunden. Bei Wulff vermag ich schlecht zu beur­teilen, was hier die Beweg­gründe sind. Er stand als nie­der­säch­si­scher Minis­ter­prä­si­dent nicht so im Fokus. Viel­leicht hat er sich in seiner neuen Funk­tion ver­än­dert. Ich weiß nur, dass im Aus­land über diese Vor­würfe eher mit Kopf­schüt­teln reagiert wird. Aber es ist eben eine der Stärken von uns Deut­schen, dass wir die Dinge, sobald sie in der Öffent­lich­keit sind, bis zur Selbst­zer­flei­schung und ohne Rück­sicht auf Ver­luste auf­de­cken wollen.

In gewisser Weise sind die beiden also auch Opfer der Medien.

Chris­toph Daum: Fried­rich Dür­ren­matt hat gesagt: Eine Sache wird erst dann inter­es­sant, wenn sie die denkbar dra­ma­tischste Wen­dung durch­läuft.“ Ich ver­stehe, warum Medien sich so ver­halten, aber genauso ver­stehe ich, warum Herr zu Gut­ten­berg so schnell wieder den Weg in die Öffent­lich­keit sucht. Meine Erfah­rung sagt mir: Weniger ist in sol­chen zer­fah­renen Situa­tionen oft mehr – auf beiden Seiten. Die Medien sehen das leider anders und Deutsch­land wird durch diese Art der Bericht­erstat­tung nicht gedient. Es fehlt ja nur noch, dass bei Herrn Wulff nach­ge­sehen wurde, ob er sich im Urlaub irgendwo mal ein Fahrrad aus­ge­liehen hat.

Wir Deut­schen sollten uns also mal locker machen.

Chris­toph Daum: Ich bin doch keine mora­li­sche Instanz. Aber ich freue mich, dass es noch Leute wie Alt­kanzler Helmut Schmidt gibt, die uns den Spiegel vor­halten. Wenn ich in die all­täg­li­chen Talk­shows zappe, wün­sche ich mir mehr unab­hän­gige Mahner wie ihm, die uns Bür­gern eine klare Hal­tung und damit Leit­li­nien für uns Zusam­men­leben lie­fern.

»>Seite 6:
Daum erzählt von seinen Anfangs­jahren als Jugend­trainer und seine Hin­wen­dung zur Gelas­sen­heit. Die über­zo­gene Ego­zen­trik ver­stellte mir irgend­wann den Blick, Erfolge richtig ein­zu­schätzen.“

Wenn Sie Ihr Trainerleben in Kapitel ein­teilen müssten, welche wären das?

Chris­toph Daum: Der erste Teil war die Zeit als Jugend­trainer beim 1 FC Köln. In dieser Phase habe ich gelernt, Titel zu gewinnen, mit der Favo­ri­ten­rolle zu leben und mit sehr guten Spie­lern zu arbeiten.

Dann wurden Sie Assis­tenz­trainer beim FC unter Georg Kessler.

Chris­toph Daum: Eine Zeit, die leider nur sehr kurz war. Ich wurde schon nach 15 Monaten Chef­trainer, zunächst aus Ver­le­gen­heit, aber schon bald als Dau­er­lö­sung.

Aber Sie hatten gleich viel Erfolg als Ver­ant­wort­li­cher.

Chris­toph Daum: Ich musste aber auch sehr viel Lehr­geld zahlen für Fehler, die ich durch die Beob­ach­tung in der Rolle des Assis­tenten hätte ver­meiden können. Ich musste mir im Crash­kurs alle wich­tigen Dinge aneignen, was einer Zer­reiß­probe gleich kam.

Was war denn ein gra­vie­render Anfangs­fehler?

Chris­toph Daum: Etwa mich direkt mit einem Star anzu­legen. Ich nahm an, dass es Signal­wir­kung hat und ein Zei­chen von Sou­ve­rä­nität ist.

Da war er wieder: Der Mann aus dem Ruhr­ge­biet, der ein Pro­blem mit Auto­ri­täten hat.

Chris­toph Daum: Wahr­schein­lich. Ich würde jungen Trainer heute immer davon abraten, sich auf diese Weise pro­fi­lieren zu wollen.

Es ging also zu schnell.

Chris­toph Daum: Aus meiner Sicht schon. Es ging von Anfang an in eine Ach­ter­bahn der Gefühle, die bezogen auf den sport­li­chen Erfolg zunächst mehr auf- als abwärts fuhr. Dann aber gab mir das Schicksal durch eine abrupte Abwärts­be­we­gungen wieder die Mög­lich­keit der Refle­xion.

Und so nahm die Kar­riere ihren Lauf.

Chris­toph Daum: Und irgend­wann trat dann die nächste Phase ein, in der ich mehr Gelas­sen­heit an den Tag legte.

Wann war das unge­fähr?

Chris­toph Daum: Den genauen Zeit­punkt kann ich nicht nennen. Aber die Zeit in der Türkei war da schon sehr wichtig, weil sie mir vor Augen führte, mich selbst nicht so wichtig zu nehmen.

Haben Sie das denn zu vor getan?

Chris­toph Daum: Natür­lich war ich gerade am Anfang sehr ego­zen­trisch. Ich wollte erfolg­reich sein, gut rüber­kommen und für den Erfolg stehen. Die über­zo­gene Ego­zen­trik ver­stellte mir irgend­wann den Blick, Erfolge richtig ein­zu­schätzen. So eine Hal­tung kann dazu führen, dass man ganz alleine da steht. In der Türkei habe ich gelernt, dass man nicht jeden Preis für Erfolg zahlen sollte und den Schwenk voll­zogen. Es muss immer einen Preis­ver­gleich geben.

Chris­toph Daum, wann dürfen wir mit Ihren Memoiren rechnen?

Chris­toph Daum: Ich habe bereits mit einem renom­mierten Verlag zusam­men­ge­sessen. Aber so ein Pro­jekt ist ein sehr zeit­in­ten­sives Unter­fangen, zumal ich dieses Buch gerne weit­ge­hend selbst ver­fassen würde. Das würde min­des­tens ein Jahr dauern. Zeit, die ich momentan noch nicht habe.

Der Schau­spieler fürchtet sich davor, nicht mehr im Ram­pen­licht zu stehen. Sie haben den Showas­pekt des Fuß­balls seit jeher ver­standen. Fürchten Sie sich vor dem Tag, an dem die Lichter aus­gehen?

Chris­toph Daum: Jeder Mensch wünscht sich doch, ein­fach nur er selbst zu sein – nicht nur der Trainer von irgend­einem Klub oder ein mediales Zerr­bild wie der Moti­vator“. Eine grö­ßere Inti­mität könnte ich mir für mein Leben sehr gut vor­stellen, aber ein Leben ohne Fuß­ball momentan nicht. Also ist die Wahr­neh­mung der Preis, den ich zu zahlen habe.