0:7. Zwei Zahlen, ein Debakel. Mit einer his­to­ri­schen Nie­der­lage wurde Mexiko vor sieben Wochen im Vier­tel­fi­nale der Copa Amé­rica gede­mü­tigt. Gegner Chile hatte mit völlig über­for­derten und früh kapi­tu­lie­renden Mexi­ka­nern kein Erbarmen. Allein Hof­fen­heims Edu­ardo Vargas traf vier Mal ins Tor von El Tri.

Die Pleite im Sta­dion der San Fran­cisco 49ers bestä­tigte, wor­über auch der Gewinn des zweit­klas­sigen Gold Cups 2015 nicht hin­weg­täu­schen kann: Mexiko, ein Land, das für den Fuß­ball lebt, kann mit der inter­na­tio­nalen Ver­gleich nicht mit­halten. Bei den letzten sechs Welt­meis­ter­schaften schei­terten die Mit­tel­ame­ri­kaner bereits im Ach­tel­fi­nale, bei der Copa kamen sie vor dem 0:7‑Desaster zwei Mal in Folge nicht über die Vor­runde hinaus. 

Ver­ein­bart schlecht?

Hoff­nung kann viel­leicht die Jugend geben. Denn auch wenn es die Leis­tungen des A‑Kaders nicht ver­muten lassen: im Nach­wuchs­be­reich ist Mexiko seit Jahren eine Macht. 2005 und 2011 gelang der Sieg bei der U17-WM, 2012 gewann die U23 in London olym­pi­sches Gold. Und auch in diesem Jahr geht das Team von Trainer Raul Gutierrez, der schon die U17-Welt­meister von 2011 betreute, als einer der Favo­riten in das Olym­pia­tur­nier. Bereits zum Auf­takt gegen das deut­sche Team am Don­nerstag kann Mexiko beweisen, dass man die nötige Klasse hat, um die Gold­me­daille zu ver­tei­digen. 

Doch selbst wenn es in Bra­si­lien zum erneuten Titel­ge­winn rei­chen sollte – große Hoff­nungen auf Bes­se­rung im Senio­ren­be­reich haben viele Lands­leute nicht. Dabei wird nicht die feh­lende Klasse der Spieler bean­standet, viel­mehr flüchten sich die Mexi­kaner bei Erklä­rungs­ver­su­chen in Ver­schwö­rungs­theo­rien. Bei dem Talent, das wir im Land haben, sind Ergeb­nisse wie das 0:7 eigent­lich nicht mit gesundem Men­schen­ver­stand nach­voll­ziehbar“, sagt Alan Her­nandez. Der Jour­na­list vom mexi­ka­ni­schen TV-Sender Claro Sport winkt ab, als er auf die Dis­kre­panz zwi­schen Jugend- und Senio­ren­er­folgen ange­spro­chen wird. Beweise gibt es keine, aber viele Leute in Mexiko glauben, dass bei sol­chen Nie­der­lagen Geld fließt.“

Von Bar­ce­lona nach Dis­ney­land

Auch wenn der Ver­dacht auf ver­scho­bene Spiele ver­mut­lich ein, zwei Oktaven zu hoch ansetzt, schim­mert bei dem Miss­trauen doch deut­liche Kritik an der Cha­rak­ter­stärke der Spieler durch. Einigen Spie­lern ist in der Ver­gan­gen­heit der Erfolg und ihr Kon­to­stand zu Kopf gestiegen“, meint Her­nandez. Auf die Nach­frage, ob er damit Gio­vani Dos Santos meint, ver­dreht Her­nandez nur die Augen.

Dos Santos galt einst als Wun­der­kind, wie so viele über­durch­schnitt­lich ver­an­lagte Nach­wuchs­spieler des 21. Jahr­hun­derts. 2001 gewann er bei einem U12-Tur­nier im Pariser Prin­zen­park mit 40 Län­dern den Gol­denen Schuh als bester Tor­jäger. Da war er bereits in La Masia, der Kader­schmiede des FC Bar­ce­lona auf­ge­nommen. Mit elf Jahren. 2005 war er Teil der U17-WM-Mann­schaft, 2012 stand er im Olym­pia­kader. Doch der rich­tige Durch­bruch bei den Profis blieb Dos Santos ver­wehrt. Nach Bar­ce­lona spielte er in sieben Jahren bei sechs wei­teren Ver­einen vor, heute ver­dient der offen­sive Mit­tel­feld­spieler sein Geld in der MLS bei LA Galaxy, dem Senio­ren­heim der Ex-Stars. Bei der Copa Amé­rica fehlte er, ein Zer­würfnis mit dem Trainer soll dahinter ste­cken. 

Den Abwärts­trend des mexi­ka­ni­schen Fuß­balls aber an Gio­vani Dos Santos fest­zu­ma­chen, wäre unge­recht und zu kurz gedacht.