In der Affäre um das Som­mer­mär­chen 2006 gibt es der­zeit viele Neben­schau­plätze. Doch eine Frage steht im Fokus: Was pas­sierte mit den 6,7 Mil­lionen Euro?

Mal ver­schwinden sie, dann tau­chen sie wieder auf. Der mut­maß­liche Geld­strom ver­läuft vom Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus an den DFB, vom DFB an die Fifa und von dort wieder zurück an den Adidas-Chef. Oder doch nicht?

Deutsch­land wollte im Jahr 2000 unbe­dingt die Welt­meis­ter­schaft ins eigene Land holen. Der Spiegel“ schrieb, dass Louis-Dreyfus dem WM-Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mitee eben jene 6,7 Mil­lionen Euro geliehen haben soll. Bisher hat der Ver­band nicht bestritten, Geld vom Adidas-Vor­stands­chef bekommen zu haben. Aber warum eigent­lich?

Das Blatt ver­mu­tete dahinter den Stim­men­kauf der vier asia­ti­schen Ver­treter im Fifa-Exe­ku­tiv­ko­mitee. Der DFB brauchte deren Voten, um sich bei der Ver­gabe gegen Mit­kon­kur­rent Süd­afrika durch­zu­setzen. Laut Bild“ erfolgte die Zah­lung aber erst 2002, also zwei Jahre nach der WM-Ver­gabe, dann hätte das Som­mer­mär­chen mit diesen 6,7 Mil­lionen Euro nicht gekauft werden können.

Bande zwi­schen DFB und Adidas

Aber wofür hat das Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mitee das Geld tat­säch­lich ver­wendet? Der Ver­bleib des Geldes ist jeden­falls dubios: Das Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mitee führt es nicht in seinem Haus­halt auf. Die Bild“ will sogar wissen, dass es nicht auf DFB-Konten ein­ge­gangen ist. Aber wohin floss es dann? Das alles legt den Ver­dacht nahe: Der Ver­band hat die Zah­lung ver­heim­licht.

Unklar ist auch, ob Louis-Dreyfus Bedin­gungen an sein Dar­lehen knüpfte. Die Bande zwi­schen dem Sport­ver­band und Louis-Dreyfus‘ Firma waren weiter eng. 2007 bekam adidas“ den Zuschlag als Aus­rüster der deut­schen Natio­nal­mann­schaft. Der DFB schlug ein deut­lich lukra­ti­veres Angebot der US-Firma Nike“ aus und ver­zich­tete damit auf 250 Mil­lionen Euro.

Geld für eine Gala, die es nicht gab

Ein Geschenk waren die 6,7 Mil­lionen Euro für das Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mitee aber nicht. Wie der Spiegel“ schreibt, ver­langte Louis-Dreyfus das Geld 2004 zurück, im Januar 2005 sollen die DFB-Prä­si­denten dar­über infor­miert worden sein. Im April 2005 über­wies das Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mitee die omi­nösen 6,7 Mil­lionen Euro.

Aber nicht an Dreyfus, son­dern an die Fifa. Der DFB gibt in seiner Mit­tei­lung den Zweck der Zah­lung in Klam­mern an: Fifa-Kul­tur­pro­gramm“. Gemeint damit war laut Spiegel“ eine Gala im Vor­feld der WM 2006 in Berlin. Doch diese Gala sagte die Fifa im Januar 2006 ab – auf­grund auf­wän­diger Büh­nen­ar­beiten und der Ver­le­gung des Rasens. Der DFB hätte dem­nach das Geld zurück­for­dern können, tat dies aber offenbar nicht.

Bekam der DFB also von einem Pri­vat­mann, mit dessen Firma der Ver­band geschäft­lich ver­bunden war, einen Kredit über 6,7 Mil­lionen Euro? Und bezahlten sie diesen nicht an ihn zurück, son­dern über den Umweg der FIFA?