Klei­der­marken, Sym­bole und Codie­rungen von Rechts­ex­tremen wan­deln sich ständig. Ihr Life­style dient als Erken­nungs­zei­chen und soll Grup­pen­iden­tität stiften. Der Fuß­ball wird dabei sys­te­ma­tisch als Mar­ke­ting- und Geschäfts­feld erschlossen, meist mit Hilfe von gewalt­ver­herr­li­chenden Motiven und dumpfen Parolen.

Rote Flaggen, darauf jeweils ein weißer Kreis, groß und sichtbar, auch für Zuschauer auf der Gegen­tri­büne. Mit dieser Bot­schaft machten Chem­nitzer Fans am 1. April 2006 ein durch­schnitt­li­ches Spiel der Regio­nal­liga Nord zu einem bemer­kens­werten Spiel. Die Gruppe zeigte im Sta­dion des FC St. Pauli die Fahne des NS-Regimes, ver­zich­tete aber auf das Haken­kreuz im weißen Kreis, das amt­liche Symbol des Natio­nal­so­zia­lismus. Auch in ver­än­derter Form ist die Dar­stel­lung des Haken­kreuzes hier­zu­lande ver­boten. Neo­nazis behelfen sich mit Retu­schie­rung oder der Ver­wen­dung anderer Sym­bole anstelle des Haken­kreuzes. Die Chem­nitzer Fans erzeugten einen Wie­der­erken­nungs­wert, wurden bun­des­weit bekannt – eine solche Selbst­sti­li­sie­rung war in deut­schen Sta­dien noch nicht doku­men­tiert worden.
Codes sind mehr als Erken­nungs­merk­male für Gleich­ge­sinnte. Sie ver­mit­teln ein Grup­pen­ge­fühl und trans­por­tieren eine poli­ti­sche Bot­schaft“, sagt Michael Weiss. Diese Iden­ti­täts­her­stel­lung funk­tio­niert auch mit harm­loser Sym­bolik und ohne bra­chiale Motive.“

Apabiz, das Anti­fa­schis­ti­sche Pres­se­ar­chiv und Bil­dungs­zen­trum“

Weiss ist Bil­dungs­re­fe­rent des Apabiz, des Anti­fa­schis­ti­schen Pres­se­ar­chivs und Bil­dungs­zen­trums in Berlin-Kreuz­berg. Das 1994 gegrün­dete Archiv mit seinen zehn Mit­ar­bei­tern hat den bun­des­weit größten Bestand rechts­ex­tremer Pri­mär­li­te­ratur, es ist ein wich­tiger Anlauf­punkt für anti­fa­schis­ti­sche Initia­tiven, Wis­sen­schaftler, Päd­agogen, Stu­die­rende und Jour­na­listen. Seit Mitte der neun­ziger Jahre forscht Michael Weiss, geboren 1966, zu rechten Jugend­kul­turen, seit Anfang des Jahr­tau­sends mit Schwer­punkt auf deren Life­style, Codes, Sym­bolen. Mehr als 150 dieser Ver­satz­stücke werden seit 2001 in der Bro­schüre Ver­steck­spiel“ ent­schlüs­selt und erklärt, die zwölfte Auf­lage erschien Anfang 2011. Die hohe Dynamik erfor­dere auch auf der Inter­net­seite www​.das​ver​steck​spiel​.de regel­mä­ßige Aktua­li­sie­rungen, sagt Michael Weiss: Der erste Schritt zur Bekämp­fung ist das Erkennen der Prot­ago­nisten. Das gilt auch für Innen­raum und Umfeld des Sta­dions, denn der Fuß­ball wird von der extremen Rechten sys­te­ma­tisch als Mar­ke­ting- und Geschäfts­feld erschlossen.“

Rechts­ex­treme Codes exis­tieren seit der NS-Zeit, seit Funker sich mit der Zahl 88 begrüßt und ver­ab­schiedet haben. Die steht für Heil Hitler“, denn der achte Buch­stabe im Alphabet ist das H“. Ein deut­li­cher Anstieg rechter Sym­bole war Anfang der neun­ziger Jahre zu beob­achten, seit eine ver­schärfte Geset­zes­lage den Druck auf Neo­nazis erhöht hatte. Trotzdem ver­herr­li­chen noch immer viele Sym­bole offen den Natio­nal­so­zia­lismus. Weil das öffent­liche Zeigen von Erken­nungs­zei­chen natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Orga­ni­sa­tionen in Deutsch­land ver­boten ist, werden solche Sym­bole oft ver­fremdet dar­ge­stellt. Viel­fach dar­ge­stellte Motive: der Reichs­adler; das Eiserne Kreuz (bekann­tester Orden im Dritten Reich); die schwarz-weiß-rote Reichs­kriegs­fahne; der Landser (umgangs­sprach­liche Bezeich­nung für den Infan­te­risten im Zweiten Welt­krieg) oder die Tris­kele, die einem drei­ar­migen Haken­kreuz ähnelt. Oft koket­tieren Sym­bole auch mit der Ver­gan­gen­heit von NS-Orga­ni­sa­tionen wie der Schutz­staffel SS, der Sturm­ab­tei­lung SA, der Hitler-Jugend HJ.

Ver­eine sollten sich intensiv mit Sym­bolen aus­ein­an­der­setzen“

Solche Motive werden zumin­dest in den Bun­des­li­ga­sta­dien kaum noch gesichtet, da sich Ver­eine und Sicher­heits­ordner darauf ein­ge­stellt haben. Das gilt auch für Anleh­nungen an rechts­ex­treme Orga­ni­sa­tionen wie Blood & Honour, Combat 18, Ham­mer­s­kins oder der in den USA gegrün­deten Bewe­gung Ku Klux Klan.
Von den 150 ver­schlüs­selten oder offen rechts­ex­tremen Sym­bolen, Klei­der­marken oder Musik­bands, die das Apabiz in der Bro­schüre Ver­steck­spiel“ beleuchtet, sind ein knappes Dut­zend ver­boten, nach Para­graph 86a des Straf­ge­setz­bu­ches, in dem es um das Ver­wenden von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­riger Orga­ni­sa­tionen geht. Bei 20 Fällen ist die Rechts­lage undurch­sichtig. Ver­eine sollten sich intensiv mit Sym­bolen aus­ein­an­der­setzen“, sagt Michael Weiss. Die Inhalte der Sym­bole und die damit ver­bun­denen Wert­vor­stel­lungen sind von großer Bedeu­tung.“ Nicht immer ver­fügen die Jugend­li­chen über ein geschlos­senes Welt­bild, nicht immer wollen sie mit Codes und Klei­der­marken eine poli­ti­sche Bot­schaft senden. Michael Weiss: Der Life­style drückt oft ein Lebens­ge­fühl aus. Dieses Gefühl kann sich in Selbst­auf­wer­tung und in der Dis­kri­mi­nie­rung von anderen erschöpfen. Dieses Gefühl jedoch als voll­kommen unpo­li­tisch zu bezeichnen, wäre ein Fehler. Auch Sta­dien sind nie unpo­li­ti­sche Räume.“

Einen grö­ßeren Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum als Sym­bole mit NS-Bezug bieten Ele­mente des ger­ma­ni­schen Hei­den­tums und der nor­di­schen Mytho­logie. Für völ­kisch ori­en­tierte Rechts­ex­treme gehören solche Motive zur Iden­ti­täts­stif­tung. Rechts­ex­treme kon­stru­ieren eine his­to­ri­sche Kon­ti­nui­täts­linie des ari­schen, völ­ki­schen Kämp­fers“, berichtet Weiss. Diese roman­ti­sche Selbst­er­hö­hung spie­gelt eine Sehn­sucht nach Anti­mo­derne wider. Mit reli­giösen Bekennt­nissen hat das wenig zu tun.“ Helden und Mythen werden wahllos für Sym­bole, Marken, Musik­bands genutzt. Immer wieder zu beob­achten sind Motive mit Bezug auf Göt­ter­vater Odin, den Mythos Wal­halla, die Wikinger, die alt­nor­di­schen Runen, den Don­ner­gott Thor. Rechts­ex­treme bezeichnen Thor als rei­ni­gende Kraft, der Thor­shammer gehört zu ihren belieb­testen Sym­bolen. Doch auch in anderen Jugend­kul­turen ist der Thor­shammer ver­breitet, zum Bei­spiel als Hals­ketten-Anhänger in der Heavy-Metal-Szene.

Ist es Zufall, dass die Beklei­dungs­marke Thor Steinar sich in vielen Motiven und Logos an der ger­ma­ni­schen und nor­di­schen Mytho­logie ori­en­tiert? Für die Ver­eine Hertha BSC, Werder Bremen, Borussia Dort­mund, Dynamo Dresden oder den FC St. Pauli scheinbar nicht – sie haben das Tragen von Thor-Steinar-Klei­dung in ihren Sta­dien ver­boten. Wir haben uns intensiv damit aus­ein­an­der­ge­setzt, wie wir Rechts­ex­treme erkennen können“, sagt Till Schüssler aus der Fan- und Mit­glie­der­be­treuung des SV Werder Bremen. Auch zwei Sicher­heits­ordner, die mit Klei­dung der Marke Thor Steinar gesehen worden waren, wurden laut Schüssler nicht mehr im Weser­sta­dion ein­ge­setzt. Aus­ge­löst worden war die Debatte durch einen Über­fall im Januar 2007: 30 Hoo­li­gans und Neo­nazis hatten eine Feier von anti­ras­sis­ti­schen Bremer Ultras im Ost­kur­ven­saal der Arena gestürmt.

Die 2002 regis­trierte Marke Thor Steinar gehört zur Mediatex GmbH im bran­den­bur­gi­schen Mit­ten­walde und erzielt Mil­lio­nen­um­sätze. Zeit­weilig hatte das Unter­nehmen um die 80 Marken ange­meldet. Der Ver­fas­sungs­schutz Bran­den­burg bezeich­nete Thor Steinar als Erken­nungs­zei­chen in der Szene, sah in ihr aber keine pau­schale Neo­nazi-Klei­dung. Im Logo der Marke, eine Kom­bi­na­tion von Runen, die an Sym­bole des Natio­nal­so­zia­lismus erin­nert haben sollen, sahen Staats­an­walt­schaften einen Straf­be­stand. Dieser Straf­be­stand wurde von höheren Gerichts­in­stanzen auf­ge­hoben; ein neues Logo wurde als unbe­denk­lich ein­ge­stuft. Ein Spre­cher des Unter­neh­mens bat nach einem Hin­ter­grund­ge­spräch, nicht in diesem Buch zitiert zu werden. Mediatex unter­stützte einen Kläger bis vor das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt: Ein Fami­li­en­vater hatte im Mai 2007 im Ber­liner Olym­pia­sta­dion ein T‑Shirt von Thor Steinar aus­ziehen müssen. Er sieht darin ein Grund­recht ver­letzt. Das end­gül­tige Urteil stand im März 2011 aus.

Thor Steinar bleibt Mit­tel­punkt vieler Dis­kus­sionen. Ins­be­son­dere die Recher­che­gruppe Inves­ti­gate Thor Steinar“ setzt sich kri­tisch mit der Marke aus­ein­ander. Die Jusos in Meck­len­burg-Vor­pom­mern par­odieren die Firma mit einem eigenen Mode­label: Storch Heinar. Die Erlöse fließen an das Inter­net­portal End­sta­tion Rechts.

Neo­nazis nehmen Klei­der­marken gern in ihren Life­style auf, wenn sie ihre Inhalte in diese hinein inter­pre­tieren können“, sagt Michael Weiss vom Apabiz. Oder wenn das Image der Marken zu ihrer Lebens­welt zu passen scheint.“ Motive künden von Aggres­sion, Stärke, Opfer­be­reit­schaft, Ver­fol­gung. Früher waren die mar­tia­lisch aus­se­henden Bom­ber­ja­cken unter Rechts­ex­tremen beliebt, inzwi­schen sind es Marken wie Pit­bull, Alpha-Indus­tries, Trou­ble­maker oder Mas­ter­race Europe. Die Marken Fred Perry, benannt nach einem eng­li­schen Ten­nis­spieler aus ein­fa­chen Ver­hält­nissen; Lons­dale, in deren Mitte sich NSDA ver­birgt; oder New Balance distan­zieren sich aus­drück­lich von der Ver­ein­nah­mung durch Neo­nazis – beliebt sind sie in der Szene trotzdem. Das Deut­sche Patent- und Mar­kenamt prüft jede Anmel­dung, der Marke Cons­daple ver­wei­gerte es wegen der Buch­sta­ben­folge NSDAP die Schutz­wür­dig­keit. Michael Weiss schätzt die Zahl der Mode­marken in Deutsch­land, die Rechts­ex­tremen zuge­ordnet werden können, auf mehr als 200. Sie sind in unteren Fuß­ball­ligen zu beob­achten – oder bei Zusam­men­künften von Bun­des­liga-Fans außer­halb der modernen Arenen.

Die Anzahl der Ver­sand­häuser, die sich an ein rechtes Fuß­ball­pu­blikum richten, bezif­fert Weiss in Deutsch­land auf etwa ein Dut­zend. Ihre Motive und Slo­gans sind mar­tia­lisch und gewalt­ver­herr­li­chend, Begriffe wie Letzter Kick“, Dritte Halb­zeit“, Adre­nalin“, Sport frei“, Voll­kon­takt“, kon­takt­freudig“ und erleb­nis­ori­en­tiert“ wurden seit der WM 2006 häu­figer auf­ge­griffen und finden in anderen Szenen Anklang. Michael Weiss: Die extreme Rechte zer­fa­sert sich immer mehr in eine Misch­szene aus Hoo­li­gans, Stra­ßen­schlä­gern und Rockern.“ Die Grenzen sind in den Sta­dien und in deren Umfeld flie­ßend. Einige Ver­sande nutzen das Geschäfts­feld Fuß­ball auch, um sich unpo­li­tisch zu geben – sie hoffen auf kom­mer­zi­ellen Erfolg. Das macht die Erken­nung für Initia­tiven wie das Apabiz schwerer.

Jeder kennt 88“ oder 18“. Aber was ist mit 168:1“?

Noch schwerer wird die Erken­nung für Außen­ste­hende bei Sze­necodes und Zah­len­kom­bi­na­tionen. Die Bro­schüre Ver­steck­spiel“ mar­kiert die Anfänge dieser Ver­schlüs­se­lungs­technik“ in den Anfängen der acht­ziger Jahre, als die Rocker­gruppe Hell’s Angels in Ham­burg nach einem Ver­eins­verbot als 81er“ auf­traten. Immer wieder ver­de­cken Zah­len­codes straf­recht­lich rele­vante Begriffe, For­meln, Orga­ni­sa­ti­ons­zei­chen. Vor diesem Hin­ter­grund sind 88“ oder 18“ als Syn­onym für Adolf Hitler weit­ge­hend bekannt. Bei der Zahl 28“, die für das 2000 ver­bo­tene Netz­werk Blood & Honour steht, nimmt die Bekannt­heit schon ab. Aber wie ver­hält es sich mit dem Code 168:1? Kaum einem ehren­amt­li­chen Fuß­ball­ver­treter dürfte bewusst sein, dass sich dahinter der Spreng­stoff­an­schlag im US-ame­ri­ka­ni­schen Okla­homa ver­birgt: Am 19. April 1995 waren dort 168 Men­schen ums Leben gekommen, der rechts­ex­treme Atten­täter Timothy McVeigh wurde zum Tode ver­ur­teilt und am 11. Juni 2001 durch eine Gift­spritze hin­ge­richtet. Die Kom­bi­na­tion 168:1 stellt in sar­kas­ti­scher Weise das Ver­hältnis von Opfern zu Täter da – als han­dele es sich um ein Sport­er­gebnis.

Eben­falls ver­breitet: die Kom­bi­na­tion von Zah­len­codes. So hielten Fans aus Aue am 11. April 2004 in Mainz einmal die Zif­fern 1488 hoch. Die 88 ist bekannt, mit der 14 ist die Phrase des ame­ri­ka­ni­schen Rechts­ter­ro­risten David Eden Lane gemeint, die aus 14 Worten besteht: We must secure the exis­tence of our people and a future for white children“. Zu deutsch: Wir müssen die Exis­tenz unseres Volkes und eine Zukunft unserer weißen Kinder sichern.“ Die 192 wie­derum steht für die Buch­staben AIB: Adolf is back“, Adolf ist zurück“.

WAR: White Aryan Resis­tance“

Auch werden Buch­sta­ben­kürzel genutzt: In den sieb­ziger Jahren ent­stand unter Fuß­ball­fans ACAB“, was für All Cops are Bas­tards“ steht, zu deutsch: Alle Bullen sind Schweine“. Das Kürzel wurde viel­fach über­nommen, auch von Rechts­ex­tremen. Weniger bekannt sind WAR“ oder ZOG“. WAR steht für White Aryan Resis­tance“ / Weißer Ari­scher Wider­stand“. ZOG fasst Zio­nist Occu­pied Government“ zusammen: Zio­nis­tisch besetzte Regie­rung“. Michael Weiss betont die Moder­ni­sie­rung des Erschei­nungs­bildes: Die extreme Rechte eignet sich Mode­frag­mente anderer Szenen an und inter­pre­tiert diese neu. Die bra­chiale Ästhetik weicht einem modisch-ath­le­ti­schen Bild.“ Dazu gehört eine Über­nahme ver­meint­lich linker Sym­bole, des Paläs­ti­nenser-Tuchs oder des Kon­ter­feis von Che Gue­vara. Die Szene will sich eine sozi­al­re­vo­lu­tio­näre Stel­lung ver­schaffen und bringt zum Teil absurde Argu­mente in einen völ­ki­schen Kon­text. Selbst der Iro­kese ist kein Tabu.“ Damit wird der Wandel der extremen Rechten äußer­lich doku­men­tiert, in der Hier­ar­chie und Uni­for­mität an Bedeu­tung ver­lieren, gerade bei den Auto­nomen Natio­na­listen.

Michael Weiss hat 2007 vor Mana­gern, Sicher­heits­kräften, Fan-Beauf­tragten in der Zen­trale der Deut­schen Fuß­ball-Liga in Frank­furt einen Vor­trag gehalten. Er hat mit Sozi­al­ar­bei­tern aus Fan­pro­jekten gespro­chen. Hat ihnen emp­fohlen, was er auf Kon­fe­renzen Leh­rern, Päd­agogen, Erzie­hern emp­fohlen hatte: das frühe Hin­sehen, die recht­zei­tige Ana­lyse. Bevor Jugend­liche gefes­tigt als Rechts­ex­treme auf­treten, ist Monate zuvor eine Ver­än­de­rung ihres Life­styles zu beob­achten. Eine Früh­erken­nung erleich­tert das Gegen­steuern.“ Doch auch bei der Beob­ach­tung der Jugend­kul­turen sollte dif­fe­ren­ziert werden. Ein Fan, der einen Thor­shammer trägt, muss nicht auto­ma­tisch der extremen Rechten ange­hören. Wenn aber zum Thor­shammer vier oder fünf unein­deu­tige Merk­male hin­zu­kommen, ergibt sich ein ein­deu­tiges Bild.“ Ein geschlos­sener Life­style.

Es gibt die 88 in allen mög­li­chen Schrift­weisen“

Je umfas­sender das Wissen über Sym­bo­liken und Ein­stel­lungs­muster ist, desto fle­xi­bler kann gegen diesen Life­style argu­men­tiert werden. Dabei können Sym­bole und Codes regional, von Stadt­teil zu Stadt­teil, eine andere Bedeu­tung haben. Ebenso wichtig sind Kennt­nisse über die Betrof­fenen. Ein Mit­läufer, der sich seiner Stel­lung in der Hier­ar­chie ver­ge­wis­sern will, müsse anders bewertet werden als der gefes­tigte Neo­nazi, der selbst­be­wusst sein Revier absteckt, sagt Weiss: Ein Verbot von Klei­der­marken ist kein All­heil­mittel. Ein Verbot kann zur Soli­da­ri­sie­rung von Leuten führen, die diese Marken ohne Hin­ter­grund tragen.“ Daher sollte jedes Verbot im Fan­pro­jekt oder in der Ver­eins­kneipe aus­rei­chend begründet werden. Auf der anderen Seite sehen einige Klubs bewusst von Ver­boten ab, um Rechte im Sta­dion erkennen und iso­lieren zu können.

Das Apabiz bietet in Vor­trägen und Semi­naren Auf­klä­rungs­ar­beit an, eine beglei­tende Aus­stel­lung setzt sich kreativ mit Sym­bolen aus­ein­ander. Michael Weiss wird weiter auf rechts­ex­tremen Demons­tra­tionen recher­chieren und im Internet in Sozialen Netz­werken Aus­schau halten. Er hatte geglaubt, dass alle Felder erschlossen seien, doch immer wieder wird er von neuen Sze­necodes und Zah­len­kom­bi­na­tionen über­rascht: Es gibt die 88 in allen mög­li­chen Schreib­weisen. Viel­leicht wird es sie bald in chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen geben. Auch dafür würden sich Abnehmer finden.“

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