Es war ein sehr schöner Tag ges­tern in Madrid. Die Sonne schien, die Oran­gen­bäume blühten, es lag Früh­ling in der Luft. Man hätte wun­der­schöne Dinge unter­nehmen können, es musste ja nicht unbe­dingt der Besuch eines Fuß­ball­sta­dions sein.

Das ist eine erstaun­liche Fest­stel­lung, denn eigent­lich ist es immer eine schöne Sache ins Sta­dion zu gehen, aber eben nicht, wenn zwei Mann­schaften zum achten Mal in einer Saison auf­ein­an­der­treffen. Es ist ziem­lich irre, dass so etwas über­haupt mög­lich ist, aber in Spa­nien geht das. Zweimal hatten Real und Atle­tico Madrid bereits in der Meis­ter­schaft gegen­ein­ander gespielt, zweimal im Pokal, der hier in Hin- und Rück­spielen aus­ge­tragen wird und zweimal im Supercup, wo Meister und Pokal­sieger gegen­ein­ander antreten.

Cham­pions League – wo der Rest des Kon­ti­nents lokale Ange­le­gen­heiten auf­ge­drückt bekommt

Mit ihrem Dau­er­ge­kicke gegen­ein­ander war die Welt bis­lang nicht son­der­lich behel­ligt worden, aber zum Elend des so genannten modernen Fuß­balls gehört es eben, dass in der so genannten Cham­pions League nicht nur die Meister eines Landes spielen, son­dern auch die Zweiten, und manchmal sogar der Dritte und der Vierte. Und wenn sie gegen­ein­ander gelost werden, guckt plötz­lich ganz Europa zu. Das hat den komi­schen Effekt, dass der Rest des Kon­ti­nents eine lokale Ange­le­gen­heit auf­ge­drängt bekommt. Im schönen Estadio San­tiago Ber­nabeu war es daher so, wie plötz­lich bei fremden Leuten in der Woh­nung zu landen und freund­lich dar­über weg­sehen zu müssen, dass noch unge­wa­schene Unter­hosen auf dem Couch­tisch liegen und abge­schnit­tene Fuß­nägel im Aschen­be­cher. Schließ­lich waren die Leute so mit sich selbst beschäf­tigt, dass sie gar nicht richtig merkten, wie viele Leute von außer­halb dabei waren.

Ist ja kein Ding, nur werden Spiele zwi­schen zwei Mann­schaften nicht dadurch besser, dass sie häufig aus­ge­tragen werden. (Es sei in diesem Zusam­men­hang nur an die tra­gi­sche Meis­ter­schaft im DDR-Eis­ho­ckey erin­nert, wo Dynamo Berlin und Dynamo Weiß­wasser wahr­schein­lich heute noch gegen­ein­ander spielen würden, wenn die Wende nicht gekommen wäre.) Außerdem ist der Fuß­ball irgendwie nicht für Best-of-einen Haufen-Spiele gemacht. Kurzum: Ges­tern in Madrid wurde wert­volle Lebens­zeit von vielen Mil­lionen Fuß­ball­zu­schauern von zwei Mann­schaften ver­geudet, die sich so gut kannten, dass irgend­wann jeg­li­cher Fuß­ball aus diesem Kick ent­wi­chen war.

Es wurde ein Tri­umph des Können-nicht gegen Wollen-nicht. Zumin­dest endete das Grauen dan­kens­werter Weise vor der dro­henden Ver­län­ge­rung mit einem völlig ver­dienten 1:0‑Sieg von Real Madrid. Erzielt wurde der Sieg­treffer übri­gens von einem Spieler, bei dem man immer damit behel­ligt wird, dass er kleine Erbse oder Bohne oder so was genannt wird, und dessen bemer­kens­wer­tester Ein­satz in dieser Saison bis­lang noch bei Man­chester United gewesen war, von wo er nach einer 0:4‑Niederlage im Liga­pokal bei Notts County nach Madrid ver­liehen wurde. Danke dafür, denn in der Ver­län­ge­rung wäre man dann wohl im fremden Wohn­zimmer in den Zustand von auf-dem-Couch­tisch-liegen-auch-noch-Q-Tips-mit-Ohr­schmalz“ über­ge­gangen.

Eine Bitte: nie wieder so ein Spiel

In Spa­nien werden die Men­schen über diesen grau­en­haften Kick sicher­lich noch viel dis­ku­tieren, aber sich jen­seits davon genauer damit zu beschäf­tigen, würde die Ver­schwen­dung von Lebens­zeit end­gültig zu weit treiben. (Selbst­re­dend aus­ge­nommen davon sind alle Fans von Real bzw. Atle­tico Madrid oder Men­schen mit einer aus­ge­prägten Nei­gung zum Selbst­hass.)

Mit diesem Spiel ver­bunden wäre aber die Bitte, Mann­schaften aus einem Land in der Cham­pions League bitte so lange nicht gegen­ein­ander zu losen, wie das mög­lich ist. Oder eine Ober­grenze von vier Spielen pro Jahr gegen­ein­ander fest­zu­legen. Oder Real und Atle­tico setzen jetzt ein­fach mal ein Jahr lang kom­plett gegen­ein­ander aus. Danke schon mal im voraus.