Herr Hafner, das heu­tige Heim­spiel gegen Hof­fen­heim ist Ihr letztes als Mainzer Sta­di­on­spre­cher. Wird Ihnen Sams­tag­nach­mittag zukünftig lang­weilig sein?

Auf gar keinen Fall. Auch wenn ich nach 30 Jahren als Sta­di­on­spre­cher von Mainz 05 auf­höre, bleibe ich ja Fan des Ver­eins und werde nach wie vor bei jedem Heim­spiel im Sta­dion sein. Nur eben nicht am Spiel­feld­rand, son­dern auf der Tri­büne.

So ein ver­dienter Mit­ar­beiter des Ver­eins wie Sie bekommt doch bestimmt eine Ehren­loge.

Die brauche ich gar nicht. Viel schöner wäre es, wenn ich als Vor­sänger auf der Haupt­tri­büne sein könnte, damit wir da mal richtig einen los­ma­chen. Quasi der erste Haupt­tri­bünen-Capo Deutsch­lands.

Bevor wir zu weit in die Zukunft schauen, fangen wir doch mal von vorne an. Wie wird man Sta­di­on­spre­cher bei Mainz 05? 

Das war ziem­lich kurios: Ich war damals Jugend­ko­or­di­nator und ‑trainer. Diens­tag­mor­gens rief mich der ehe­ma­lige Prä­si­dent Harald Strutz an und sagte: Du bist am Sonntag Sta­di­on­spre­cher“. Da habe ich gefragt: Wieso denn das?“ Und er sagte nur: Der alte hat sein Amt nie­der­ge­legt, also machst du das.“ Ich dachte, der macht Blöd­sinn. Don­ners­tags rief er aber wieder an, sagte nur: Denk dran! Sonntag ist Heim­spiel, du bist Sta­di­on­spre­cher“, und legte auf. Als ich ihn zurück­rufen wollte, ist er nicht dran­ge­gangen. Also bin ich sonn­tags hin, hab den Spre­cher gegeben und bin es 30 Jahre lang geblieben.

Sie haben den Klub von der Ober­liga bis in die Bun­des­liga begleitet. Was sind Ihre schönsten Erin­ne­rungen aus drei Jahr­zehnten Mainz 05?

Mit Sicher­heit die Auf­stiege in die erste Bun­des­liga. Oder das Spiel zu 100 Jahre Mainz 05 gegen Schalke 04 mit dieser ein­zig­ar­tigen Cho­reo­gra­phie. Und eine wit­zige Geschichte gibt es noch.

Erzählen Sie.

Bei Mainz 05 ist es ja üblich, dass die Gäs­te­fans ihre Mann­schafts­auf­stel­lung wie im eigenen Sta­dion rufen. Einmal haben wir im Bruch­weg­sta­dion gegen Pader­born gespielt, aber die haben nur 26 Fans mit­ge­bracht. Die wollte ich nicht bla­mieren, als mir die ret­tende Idee kam: Ich werde einen von den Aus­wärts­fans aus dem Block auf den Rasen holen und der macht das. Udo hat dann die Mann­schafts­auf­stel­lung gemacht und jedes Mal, wenn er den Vor­namen eines Pader­borner Spie­lers gesagt hat, haben unsere Fans Udo!“ gerufen. Der hatte so viel Spaß, dass er gar nicht mehr in den Block zurück­wollte. Vor ein paar Jahren rief mich dann kurz vor Anpfiff ein Ordner an und sagte: Hier steht ein Udo und der will zu dir.“ Das war ein­malig, sen­sa­tio­nell. Gast­freund­schaft zahlt sich eben aus.

Diese Gast­freund­schaft haben Sie ein­ge­führt. Kam die Idee mit der geg­ne­ri­schen Mann­schafts­auf­stel­lung bei den eigenen Fans gleich gut an?

Am Anfang nicht. Aber ich habe gesagt, wir pro­bieren das eine Saison und wenn es nicht klappt, ist es mein Fehler und wir lassen es bleiben. Doch das Gegen­teil war der Fall und mein Nach­folger wird diese Tra­di­tion fort­setzen.

Wie war ins­ge­samt das Ver­hältnis zu den Fans?

Es gibt natür­lich auch welche, die mich nicht mögen. Aber es ist auch nicht meine Auf­gabe, dass mich alle lieb haben. Ich habe sie immer darin gesehen, Mainz 05 nach außen hin zu reprä­sen­tieren, als zwölfter Mann stell­ver­tre­tend für alle Fans, die Mann­schafts­auf­stel­lung zu prä­sen­tieren und die Fans zu infor­mieren. Aber wenn sie Wün­sche hatten, habe ich immer ver­sucht, die umzu­setzen.