Seite 2: Ein merkwürdiges Wummern und Schreien

Wäh­rend draußen das bis dahin wich­tigste Spiel der Göte­borger Klub­ge­schichte (und des gesamten schwe­di­schen Ver­eins­fuß­balls) ange­pfiffen wurde, stand Schiller einsam in den Kata­komben und schlug mit den Fäusten gegen eine ver­schlos­sene Tür. Wir wollen es der abso­luten Kon­zen­tra­tion der Schweden auf die Partie zuschreiben, dass es nie­mandem vom IFK auf­fiel, dass einer der Spieler fehlte. (Eriksson sagte später: Wenn das Spiel beginnt, dann denkt man über so etwas nicht nach. Man steht nicht vor der Bank und zählt seine Spieler!“) Vor allem, da Göte­borg die Begeg­nung gegen den großen Favo­riten ful­mi­nant begann: Die Schweden ver­tei­digten nicht etwa ihren knappen Vor­sprung, son­dern griffen an! Schon nach zwei Minuten schei­terte Tommy Holm­gren mit einem Kopf­ball nur ganz knapp.

Ich war nicht auf­ge­wärmt, nicht vor­be­reitet, gar nichts“

Dann kam, was kommen musste. Nach etwa einer Vier­tel­stunde, wäh­rend Schiller sich die Seele aus dem Leib geschrien hatte, um aus der Kabine befreit zu werden, ver­letzte sich Göte­borgs Abwehr­spieler Glenn Hysén. Bange Momente folgten. Momente, in denen Eriksson und sein Co-Trainer Gunder Beng­tsson darauf war­teten, ob Hysén aus dem Spiel genommen werden müsste. Momente, in denen ein Ham­burger Platz­wart den Kabi­nen­trakt auf­schloss, weil er ein merk­wür­diges Wum­mern und Schreien hörte.

Schließ­lich signa­li­sierte Hysén, dass er nicht wei­ter­spielen konnte. Beng­tsson ging zum Lini­en­richter, um eine Aus­wechs­lung anzu­melden. Eriksson wandte sich zur Bank, um Schiller Anwei­sungen zu geben. In genau diesem Augen­blick trat Disco aus dem Kabi­nen­gang auf den Rasen und rannte zu seinen Kol­legen. Mög­li­cher­weise glaubte Eriksson, dass sich Schiller in weiser Vor­aus­sicht bereits auf­ge­wärmt hatte; jeden­falls schickte er ihn augen­blick­lich in die Partie. Ich hatte die Bank noch nicht erreicht, als man mir sagte, ich würde ein­ge­wech­selt. Ich war nicht auf­ge­wärmt, nicht vor­be­reitet, gar nichts“, erin­nerte sich Schiller Jahr­zehnte später in einem Inter­view mit dem schwe­di­schen Fuß­ball-Magazin Off­side“. Sieben Minuten nach Schil­lers Ein­wechs­lung flankte Holm­gren und Dan Cor­ne­li­usson schoss das 0:1. Zwei wei­tere Tore der Gäste folgten, der IFK holte als erster Klub aus Schweden eine euro­päi­sche Tro­phäe.