Liebe Lese­rinnen und Leser,
als der 13 Jahre alte Leo Wein­stein im Früh­jahr 1934 zum Trai­ning der Nach­wuchs­mann­schaft des SV Werder Bremen kam, erlebte er den Schock seines jungen Lebens. Der Trainer teilte dem schon seit fünf Jahren im Klub aktiven Jungen mit, dass er ab sofort nicht mehr mit­spielen dürfe: weil er Jude sei.

Aus­gren­zungen sol­cher Art erlebten in Deutsch­land ab dem Früh­jahr 1933 tau­sende jüdi­sche Spieler, Trainer, Schieds­richter, Funk­tio­näre, Mäzene oder ein­fache Mit­glieder. Dabei hatten viele von ihnen sich in ihren Klubs über viele Jahre enga­giert, hatten mit­ge­holfen, Deut­sche Meis­ter­schaften zu gewinnen, waren Natio­nal­spieler oder sogar Grün­dungs­mit­glieder großer Ver­eine wie dem FC Bayern Mün­chen, Ein­tracht Frank­furt oder dem 1. FC Nürn­berg gewesen.

Die Ver­trei­bung der Juden aus dem Sport ist die Geschichte eines großen Ver­lustes, der jahr­zehn­te­lang fast ver­gessen gewesen ist. Das hat sich in den letzten 20 Jahren durch enga­gierte For­scher und Fan-Initia­tiven glück­li­cher­weise all­mäh­lich geän­dert. Des­halb haben sich 11 FREUNDE und die Kul­tur­stif­tung des Deut­schen Fuß­ball­bundes vor drei Jahren ent­schlossen, erst­mals einen Über­blick über die Lebens­läufe von Juden im deut­schen Fuß­ball zu geben.

Hilfe aus der Wis­sen­schaft
Die Sport­his­to­riker Pro­fessor Lorenz Peiffer und Henry Wahlig von der Uni­ver­sität Han­nover haben auf Basis eigener For­schungen und dank der Vor­ar­beit und Unter­stüt­zung vieler anderer For­scher die Bio­gra­fien von 192 jüdi­schen Fuß­bal­lern zusam­men­ge­tragen, die Opfer der NS-Ver­fol­gung waren. Diese Über­sicht jüdi­scher Prot­ago­nisten in den damals großen Ver­einen kann und will nicht voll­ständig sein. Sie soll dazu anregen, wei­tere Nach­for­schungen anzu­stellen, mit Zeit­zeugen zu spre­chen und dazu bei­zu­tragen, die jüdi­sche Geschichte des deut­schen Fuß­ball fort­zu­schreiben.

Ermög­licht wurde die vor­lie­gende Publi­ka­tion durch die DFB-Kul­tur­stif­tung, eine Anzeige des Ver­lags Die Werk­statt sowie ein Preis­geld der Stif­tung Gegen Ver­gessen. Für Demo­kratie, von der 11 FREUNDE für die vor­bild­liche redak­tio­nelle Arbeit“ in Bezug auf Ver­gan­gen­heits­auf­ar­bei­tung und Enga­ge­ment gegen rechte Ten­denzen im Fuß­ball aus­ge­zeichnet worden ist.

Leo Wein­stein übri­gens konnte recht­zeitig vor dem Holo­caust in die USA fliehen und wurde dort ein ange­se­hener Lite­ra­tur­wis­sen­schaftler. Ein Ver­lust also nicht nur für den deut­schen Fuß­ball.‘