Es ist ruhig geworden um Tomas Rosicky. Wäh­rend der FC Arsenal von Spek­takel zu Spek­takel eilt, seit nun 19 Pre­mier League-Spielen unge­schlagen ist und den Einzug ins Finale der euro­päi­schen Königs­klasse anstrebt, kann der Tscheche nur zuschauen.



Am 26. Januar 2008 stand Rosicky letzt­mals für die »Gun­ners« auf dem Platz. Im Kalender sind dies zwar nur 15 Monate; im Fuß­ball aller­dings, wo heute nicht mehr gilt, was ges­tern noch die Regel war, ist dies eine Ewig­keit. Am 26. Januar 2008 war Hansa Ros­tock noch Erst­li­gist, Jens Leh­mann noch Natio­nal­spieler und Otto Reha­gels Grie­chen amtie­render Euro­pa­meister. Immerhin hieß »Twix« auch damals schon »Twix«.

»Keine ernste, aber eine selt­same Ver­let­zung«

An diesem Tage trat der FC Arsenal im Rahmen des FA-Cups gegen New­castle United an. Wenige Minuten waren erst gespielt, als Rosicky ver­letzt vom Platz musste. Infolge eines Tritts gegen sein linkes Knie sprang dort eine Sehne heraus. Oft pas­siert dies nicht, auch Arsenal-Coach Wenger klang ob dieser Dia­gnose über­rascht und meinte, dies sei zwar »keine ernste, aber eine selt­same Ver­let­zung.« Die Ärzte schienen die Trag­weite dieser Ver­let­zung eben­falls unter­schätzt zu haben, behan­delten Rosicky kon­ser­vativ und ver­zich­teten auf eine Ope­ra­tion, damit der ehe­ma­lige Dort­munder pünkt­lich zur Euro­pa­meis­ter­schaft wieder fit sein konnte. Bes­se­rung trat aller­dings nicht ein, und so kam es im Mai doch zur eigent­lich unge­planten OP. Die EM-Teil­nahme war damit futsch – viel schlimmer aber war, dass es trotzdem nicht besser wurde und »Schnitzel« im November ein wei­teres Mal unters Messer musste.

Seitdem läuft die Reha, ständig begleitet von Gerüchten um ein mög­liche Sport­in­va­li­dität. Rosicky brennt auf sein Come­back, muss seine Rück­kehr auf den Platz aber ständig ver­schieben. Eine Situa­tion, die den Mit­tel­feld­spieler extrem belastet. Ent­spre­chend bezeichnet er seine Lei­dens­zeit als die »schwie­rigste Phase meiner Kar­riere«. Die tsche­chi­sche Presse ließ es sich nicht nehmen und kon­stru­ierte Ver­gleiche mit Mozart: »Lasst uns hoffen, dass die Lauf­bahn des kleinen Mozarts nicht die des Kom­po­nisten wider­spie­gelt: spek­ta­kulär, aber kurz« schrieb die Tages­zei­tung »Mlada Fronta Dnes«.

Lie­bend gern würde Arsene Wenger auf Rosicky zurück­greifen können, um seiner juve­nilen Edel­truppe einen reifen Akteur zur Seite zu stellen. Gerade jetzt, in der ent­schei­denen Phase der Saison, braucht Arsenal drin­gend Erfah­rung auf dem Platz; Spieler, die in der Lage sind, die über­schäu­mende Spiel­freude der hoch­ta­len­tierten Mann­schaft in die rich­tigen Bahnen zu lenken. Spieler, die es zu ver­hin­dern wissen, abge­zockten Truppen ins offene Messer zu laufen. Spieler wie Tomas Rosicky.