Wenn einer Geschichte schreibt, dann will er auch dass sie auf­ge­schrieben wird. Jeden­falls wenn er stolz drauf ist. Da sich Ger­hard Kentschke nicht ganz sicher war, ob sich nach 50 Jahren noch jemand an seine Großtat erin­nert, ergriff er selbst die Initia­tive und machte meinen Spezi“ beim Rem­scheider Gene­ral­an­zeiger dis­kret darauf auf­merksam, was am 26. August 1967 im Ham­burger Volks­park­sta­dion geschehen war. Nun hat der in Wer­mels­kir­chen bei Rem­scheid lebende Ex-Bun­des­li­ga­ki­cker den Salat. 

Die Zei­tung zog die Geschichte groß auf, mit ganz vielen Fotos von all seinen Sta­tionen, so dass ich eigent­lich die nächsten drei Wochen zuhause bleiben müsste“. Ger­hard Kentschke sagt das mit einem Lächeln, aber ernst ist es dem 74-Jäh­rigen doch. Eigent­lich möchte er nicht gern im Mit­tel­punkt stehen. 500 Auto­gramm­karten hat er als Trainer der Tra­di­ti­onself von Bayer Lever­kusen bekommen und die habe ich immer noch“. Nie käme er auf den Gedanken, sie mit sich herum zu tragen. 

Pio­nier­ar­beit von der Aus­wech­sel­bank

An seinem großen Tag, der erst in der Retro­spek­tive einer wurde, musste er keine Auto­gramme schreiben, es gab auch keine 100 Anrufe“. Es gab gar keinen. Dabei ist Kentschke ein Pio­nier. Er ist der erste Ein­wech­sel­spieler der Bun­des­liga, der ein Tor schoss. Von Jokern“ war 1967 noch nicht die Rede, man musste sich erst an die Neu­heit im Fuß­ball gewöhnen. Aber es war eine, die höchste Zeit wurde. Jahr­zehnte lang war Fuß­ball ein Spiel für elf, auch wenn am Ende nicht immer alle elf mehr da waren. 

Aus­wechs­lungen, so las man 1930 im Fach­blatt Fuß­ball“, galten als unsport­lich“. Selbst Ver­letzte durften nicht aus­ge­tauscht werden, auch wenn es immer mal Son­der­re­ge­lungen bei Län­der­spielen gab – meist in Freund­schafts­spielen. Im Liga­be­trieb aber brauchte man keine Ersatz­bänke. Bis 1967, als der DFB im vierten Bun­des­li­ga­jahr einen Wechsel pro Team und vier Ersatz­spieler erlaubte – und damit der Spe­zies des Jokers“ Geburts­hilfe leis­tete. Zunächst war ein Wechsel nur nach einer Ver­let­zung erlaubt, ein Arzt musste sie attes­tieren. In DFB-Deutsch: Der Tat­be­stand einer Ver­let­zung muss von einem Ange­hö­rigen des betrof­fenen Ver­eins fest­ge­stellt werden.“ Dieser Kau­gummi-para­graph schrie nach Unter­wan­de­rung und so kam es.