Vor einigen Jahren gewann der FC Bar­ce­lona unter Pep Guar­diola alle Titel, die es im Ver­eins­fuß­ball zu gewinnen gab. Dabei fiel auch gele­gent­li­chen Fuß­ball­zu­schauern auf: Mensch, die sind ja ständig am Ball! In vielen Spielen erreichte der FC Bar­ce­lona Werte von 70 Pro­zent und mehr, aber in fast allen Spielen war er häu­figer am Ball als der Gegner. Weil aber nicht nur der Klub, son­dern auch die spa­ni­sche Natio­nal­mann­schaft auf diese Weise erfolg­reich war, tauchte der Begriff Ball­be­sitz­fuß­ball“ auf, um ihren Stil zu defi­nieren.

Auf den Müll damit!

Auch Jogi Löw strebte mit der Natio­nal­mann­schaft nach Ball­be­sitz, war aber bei der WM in diesem Sommer bekannt­lich nicht son­der­lich erfolg­reich damit. Weil auch Spa­nien relativ schnell aus Russ­land nach Hause fahren musste und mit Frank­reich eine Kon­ter­mann­schaft Welt­meister wurde, erschallten hier und da die Fan­faren, um das Ende des Ball­be­sitz­fuß­balls zu ver­künden. In dieser Woche nun schlug Spa­nien den WM-Zweiten Kroa­tien nicht nur mit 6:0, son­dern hatte dabei auch 70 Pro­zent Ball­be­sitz. Was ist denn jetzt los?

Die Ant­wort ist ein­fach: nichts! Und es war auch nie was los! Wes­halb wir es hier kurz machen wollen, um nicht noch mehr wert­volle Lebens­zeit zu ver­schwenden. Der Begriff Ball­be­sitz­fuß­ball“ war von Beginn an irre­füh­rend und gehört inzwi­schen eigent­lich auf den Müll­haufen der Fuß­ball­sprache.

Hier gibt es nichts zu sehen

Er unter­scheidet zwar Teams, die lieber den Ball haben wollen, von Kon­ter­mann­schaften. Aber letzt­lich sagt er nur etwas über Quan­tität und nichts über Qua­lität oder den Stil des Spiels aus. Lahmes Ball­ge­schiebe in der eigenen Spiel­hälfte und ein­falls­loses Mit­tel­feld­ge­plänkel kann den Ball­be­sitz schließ­lich genauso in die Höhe treiben wie raf­fi­niertes Kom­bi­na­ti­ons­spiel im letzten Drittel, das geg­ne­ri­sche Ver­tei­diger ver­zwei­feln lässt. Ach ja, und manche Teams haben nur des­halb so viel Ball­be­sitz, weil die Gegner so viel Angst vor ihnen haben.

Einen Zusam­men­hang zwi­schen Ball­be­sitz und Erfolg gibt es auch nicht. Und was es erst recht nicht gibt, sind irgend­welche Zeit­alter des Ball­be­sitz­fuß­balls oder deren Ende. Falls also dem­nächst nochmal irgendwer damit ankommt, bitte wei­ter­gehen und nicht ste­hen­bleiben, es han­delt sich um eine Unfall­stelle.