Assani Lukimya-Mulon­goti, kennen Sie Mirko Votava?
(über­legt)

Dieter Eilts? Uli Borowka? Rune Bratseth? Bremer Abwehr­le­genden, für ihre rus­ti­kale Art bekannt und geliebt. An der Weser haben Defen­siv­spe­zia­listen Tra­di­tion.
Ich erin­nere eher die, die zuletzt da waren. Naldo, Mer­te­sa­cker, Ismaël. Die haben auch Großes geleistet für den Verein. Denen will ich nach­ei­fern.

Am ver­gan­genen Samstag hatten Sie dazu Gele­gen­heit. Der Sieg über Glad­bach war wie wei­land in gol­denen Werder-Zeiten: mutig, schnell, risi­ko­reich. Warum gelingt das in dieser Saison nur ver­ein­zelt?
So unkon­stant sind wir gar nicht! Das Spiel gegen Augs­burg war ein Aus­reißer nach unten, ja. Aber ansonsten haben wir sehr guten Fuß­ball gespielt, nur ohne uns zu belohnen. Der letzte Pass hat gefehlt oder wir waren nicht kon­se­quent genug vor dem Tor. Gegen Glad­bach sind die Dinger end­lich rein­ge­gangen und, was noch viel wich­tiger ist: Wir haben defensiv toll gear­beitet.

Die Defen­sive gerät manchmal in Ver­ges­sen­heit, weil Werder Bremen so viel Offen­siv­po­ten­tial auf den Rasen bringt. Wie passt der Abräumer Lukimya in eine Mann­schaft, in der sonst fein­fü­ßige Tech­niker wie Marko Arn­au­tovic, Kevin de Bruyne und Eljero Elia zau­bern?
Ich bin jemand, der sich in die Zwei­kämpfe wirft, den ein­fa­chen Ball spielt und dazwi­schen­haut. Ich muss nicht alles tech­nisch lösen und ich glaube, dass die Ein­stel­lung beim Rest der Mann­schaft ankommt. Weil unser Kader spie­le­risch ganz oben mit dabei ist in der Bun­des­liga, wird mein Job umso wich­tiger.

Sie wollen sich bei Werder Bremen durch­setzen und haben dafür auf Ein­sätze für den Kongo ver­zichtet. Verein vor Land: Wie kommt diese Prio­ri­tä­ten­set­zung im Kongo an?
Zu Düs­sel­dorfer Zeiten hatten die Ver­ant­wort­li­chen des Kongo ein Pro­blem damit. Da haben sich die Spiele über­kreuzt, und ich ent­schied mich für die For­tuna. Nach meinem Wechsel im Sommer habe ich dem Ver­band die neue Situa­tion erklärt: Dass ich erstmal in Bremen ankommen und mir einen Status erar­beiten muss. Ich glaube, letzt­lich pro­fi­tiert der Kongo mehr davon, wenn ich in Bremen Stamm­spieler bin und gestärkt für mein Land spielen kann, als wenn ich da halbfit und frus­triert auf­schlage. Darauf haben wir uns ver­stän­digt.

Der Kongo hat sich für den Afrika-Cup 2013 qua­li­fi­ziert. Das bringt Sie in die Bre­douille. Bei einem Ein­satz fehlen Sie Werder viel­leicht gleich meh­rere Wochen.
Das liegt so weit in der Zukunft, dass ich dar­über jetzt noch nicht nach­denken will. Das muss man in Absprache mit allen Betei­ligten ent­scheiden, wenn es soweit ist. Ich kann auch noch keine Ten­denz vor­geben. Im Fuß­ball geht alles so schnell.

Assani Lukimya-Mulon­goti, Ihr fuß­bal­le­ri­scher Wer­de­gang liest sich erstaun­lich. Sie haben erst mit 15 Jahren im Verein gespielt.
Eigent­lich viel zu spät, wenn man Pro­fi­fuß­baller werden will, oder? Aber Ver­eins­fuß­ball war nie mein Ding. Da gab es zu viele Regeln und Beschrän­kungen. Mit zwölf Jahren hatte ich das kurz mal ange­testet, bin aber sofort wieder aus­ge­treten. Ich habe am liebsten auf der Straße gespielt. Ein­fach raus, los­bolzen, kein Auf­wärmen. Das war meins.

Aber irgend­wann…
… habe ich ein­ge­sehen: Ohne Verein geht es nicht. Stra­ßen­fuß­ball ist ja schön und gut, aber ich wollte dann doch mein Hobby zum Beruf machen.

Das hat geklappt, aber der Weg in die Bun­des­liga schlug viele Kurven. Sie haben bei Tas­mania Gro­pi­us­stadt, Hertha BSC II, Hansa Ros­tock, Carl Zeiss Jena und For­tuna Düs­sel­dorf gespielt – und auch manchmal ans Auf­geben gedacht?
Es ging immer auf und ab bei mir. Spe­ziell Ros­tock war eine Sta­tion, wo ich die Welt nicht mehr ver­standen habe. Ich habe immer Gas gegeben und wurde plötz­lich sus­pen­diert aus Gründen, die ein­fach nicht richtig waren. Das kann dich als jungen Spieler, der sich gerade im Auf­wind wähnt, extrem ver­stören. Weil ich heute bin, wo ich bin, kann ich sagen, gestärkt aus sol­chen Situa­tionen her­vor­ge­gangen zu sein. Jena war super, damals gab es schon Ange­bote aus der Bun­des­liga. Aber ich wollte den lang­samen Weg gehen und mich nicht auf die Bank setzen.

Bei Tas­mania spielten Sie noch Stürmer und wurden gegen Ihren Willen umge­schult. Mario Rei­chel, damals Trainer, meinte: Er war schwer davon zu über­zeugen, dass seine Stärken im defen­siven Bereich liegen.“
Bin ich immer noch, ich könnte auch Stürmer spielen (lacht). Bei Tas­mania habe ich geknipst, darauf kommt es doch wohl an! Als mich der Trainer hinten aus­pro­bieren wollte, hatte ich zu knab­bern. Heute fühle ich mich wohl in der Defen­sive.

In einem Inter­view mit der NWZ haben Sie, auf den Ver­gleich mit Düs­sel­dorf ange­spro­chen, gesagt: In Bremen ist alles größer und gewal­tiger.“ Da habe ich gestutzt. An der Weser mehr Trubel als am Rhein? Das läuft dem Bremen-Bild vom Regio­nal­verein mit fami­liärer Stim­mung, dem im Trai­ning dreißig schie­ber­müt­zen­tra­gende Kie­bitze zuschauen, zuwider.
Ich meinte damit das fuß­bal­le­ri­sche Renommee, die Erfolge, die Ver­eins­his­torie. Düs­sel­dorf hat zuletzt zweit­klassig gespielt. Bremen wurde 2004 Meister, später noch Pokal­sieger und war oft inter­na­tional ver­treten.

Ich werfe jetzt mal eine Zeit­spanne in den Raum: 119 Sekunden…
Achja, da klin­gelt es sofort (lacht).

Sie wurden gegen den VfB Stutt­gart in der 89. Minute beim Stand von 2:2 ein­ge­wech­selt, Thomas Schaaf wollte Ihre Kopf­ball­stärke nutzen. Null Ball­kon­takte und ein Foul später war alles schon wieder vorbei. Was war da los?
Es ist ganz unglück­lich gelaufen. Ich bin immer noch der Mei­nung, dass es keine klare rote Karte war. Der Schieds­richter hat leider anders ent­schieden. Ich musste meine Strafe absitzen, was sich unge­wohnt genug anfühlte. Ich fehle eigent­lich sehr selten. Aber jetzt ist das abge­hakt.

Sind Sie aber­gläu­bisch?
Ich habe mir mit der Zeit ange­wöhnt, zuerst alles links anzu­ziehen. Linkes Hosen­bein, linker Stutzen, linker Schuh. Sollte ich ver­se­hent­lich mal rechts zuerst rein­steigen, muss ich mich wieder aus­ziehen und von vorne beginnen.

Das Trans­fer­ge­zerre um Sie hat in der letzten Saison für einigen Wirbel gesorgt. Sie hatten in Köln unter­schrieben, aber nicht damit gerechnet, dass der FC absteigt. Im Gegenzug stieg Düs­sel­dorf auf, ein Ver­bleib bei der For­tuna schien wieder mög­lich. Letzt­lich wech­selten Sie zu Werder Bremen.
Ich wollte früh ent­scheiden, damit mich das Thema nicht mehr belastet. Die sport­liche Situa­tion von Köln hat diesen Plan durch­kreuzt. Für den Kopf war das echt nicht ein­fach. Ich wusste nie, ob die absteigen, die Klasse halten oder womög­lich gegen uns in der Rele­ga­tion spielen. Eine ver­rückte Phase! Alles, was danach pas­siert ist, lief natür­lich in erster Linie über meinen Berater. Der hat mir den Was­ser­stand mit­ge­teilt und mich infor­miert, wenn eine Anfrage kon­kreter wurde. Jetzt bin ich glück­lich, in Bremen zu sein.

Die meisten Fuß­baller zocken FIFA und spielen sich dann auch noch selbst. Man mun­kelt, bei Werder gehe es etwas anders zu.
Wir spielen Mario Kart auf Nin­tendo DS. Ich habe den Trend los­ge­treten, mitt­ler­weile sind sieben, acht Leute am Start. Marko, Aaron, Eljero, Memo, Zladdi, die machen alle mit. Über Blue­tooth, auf dem Hotel­zimmer oder im Bus. Für län­gere Fahrten das ideale Spiel.

Welche Figur spielen Sie?
Ich nehme Toad, den win­zigen Pilz­kopf.