Seite 3: Wird sich noch etwas ändern?

Für die VfB-Fans scheint des­halb Anfang 2021 das Maß voll. Dass aus­ge­rechnet der Sicher­heits­be­auf­tragte des Ver­eins, der schließ­lich unter anderem für das Hygie­nekon­zept bei den Spielen zuständig ist, die Gefahren der Corona-Pan­demie her­un­ter­spielt, passt zum ver­hee­renden Gesamt­ein­druck, den der Verein der­zeit hin­ter­lässt. Selbst der Kicker, der in der ver­gan­genen Woche über die Gescheh­nisse in Olden­burg berich­tete und übli­cher­weise nicht gerade für über­bor­dende Par­tei­nahme im Sinne der Fans bekannt ist, kon­sta­tiert: Einmal mehr scheint der Klub die Zei­chen der Zeit nicht erkannt zu haben“. Dies scheint auch für Hoff­mann selbst zu gelten. Was ich privat mache, geht nie­manden etwas an“, erklärte er dem Kicker, und auch der VfB Olden­burg scheint bisher keine per­so­nellen Kon­se­quenzen in der Ange­le­gen­heit ziehen zu wollen.

Diese gab es dagegen für Ben­jamin Doll, der am 31. Dezember als Geschäfts­führer zurück­ge­treten ist. Auch dabei machte der Verein nicht die beste Figur. Doll wurde einen knappen Monat zuvor wegen einer Ver­ge­wal­ti­gung zu einer drei­jäh­rigen Bewäh­rungs­strafe ver­ur­teilt, wie der Lokal­ra­dio­sender oeins“ berich­tete. Dass der VfB ihn dar­aufhin nicht unmit­telbar raus­schmiss und Doll statt­dessen in einer Stel­lung­nahme noch alles Gute“ auf den Weg gab, erzürnte aber­mals viele Anhänger. Der Kicker“ spricht von Män­ner­bünden“ im Verein und einer gol­denen Brücke“, die Doll gebaut wurde.

Klare Posi­tio­nie­rung gegen Ras­sismus

In einer Stel­lung­nahme betonte der VfB Olden­burg am Dienstag gegen­über 11FREUNDE, sich als welt­of­fener Verein, der jeder Form von Ras­sismus und Homo­phobie eine Absage erteilt“ zu ver­stehen. Wäh­rend die kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung der Fans mit ihrem Verein begrüßt werde, seien Dif­fa­mie­rungen und Belei­di­gungen“ nicht zu akzep­tieren. Ent­schei­dend sei die Art und Weise“ der Dis­kus­sion.

Auf die aktu­elle Kritik an den Aus­sagen des Sicher­heits­be­auf­tragten Hoff­mann geht der Verein nicht näher ein. Das Hygie­nekon­zept des VfB Olden­burg sei von Hoff­mann stets vor­bild­lich“ umge­setzt worden, per­so­nelle Maß­nahmen würden zudem aus­schließ­lich intern dis­ku­tiert. Mit den eigenen Fans soll sich künftig um einen kon­struk­tiven Aus­tausch“ bemüht werden: Sicher­lich werden wir in diesem Zusam­men­hang nichts unver­sucht lassen, sofern es allen Betei­ligten um das Wohl des VfB Olden­burg geht“.

Am Tief­punkt?

Die tiefen Gräben, die sich mitt­ler­weile durch das Ver­hältnis vom VfB Olden­burg zu seinen Fans ziehen, sind nicht zu über­sehen. Es erscheint des­halb unab­dingbar, dass der Verein sich tat­säch­lich seiner stolz vor­ge­tra­genen Werte besinnen wird, um auf die Fans zuzu­gehen. Diese wie­derum hoffen, dass nun end­lich der Tief­punkt erreicht ist. Schließ­lich wollen sie ihren Verein noch längst nicht auf­geben. Sie haben sich darauf ver­stän­digt, das Geschehen intern auf­zu­ar­beiten. Dass wir wütend über das Han­deln der Ver­ant­wort­li­chen sind, liegt auf der Hand“, meint ein Ver­treter der Ultras von der Entou­rage“ gegen­über 11FREUNDE.

Für die Ver­mitt­lung sorgen will das Olden­burger Fan­pro­jekt. Wir möchten das ange­spannte Ver­hältnis lösen und haben dem Verein ange­boten, die Kom­mu­ni­ka­tion mit den Fans zu begleiten. Wir wollen für gegen­sei­tiges Ver­ständnis sorgen“, sagt Fan­pro­jektler Nils Wach. Er hofft, wie so viele, dass der VfB auf das Angebot ein­geht.