Seite 2: Wie Verein und Fans auseinanderdrifteten

Dabei galt das Ver­hältnis zwi­schen Verein und Fans in Olden­burg lange als vor­bild­lich. Letz­tere pro­fi­tierten von einer ver­trau­ens­vollen Kom­mu­ni­ka­tion und der Ein­bin­dung in die Struk­turen des Ver­eins. Dieser wie­derum unter­stützte gerne die zahl­rei­chen sozialen Aktionen und Kam­pa­gnen gegen Dis­kri­mi­nie­rung seiner Anhän­ger­schaft und konnte sich seinen Spon­soren als moderner und viel­fäl­tiger Verein prä­sen­tieren.

Dass sich an diesem Frieden etwas ändern würde, ließ sich erahnen, als der VfB seinen Ex-Spieler Ben­jamin Doll Anfang 2018 zum Geschäfts­führer machte. Zwar ist dieser seit vielen Jahren mit dem Verein ver­bunden und spielte schon in der Jugend für die Blau-Weißen. Doch bei seinem vor­he­rigen Verein, der Hammer Spiel­ver­ei­ni­gung, war Doll an einem hand­festen Skandal betei­ligt. Im Oktober 2017 reiste er, sei­ner­zeit als Mar­ke­ting­leiter tätig, in einem Bus mit rechten Fans und dut­zenden Neo­nazis zum Aus­wärts­spiel nach Lipp­stadt – und ver­strickte sich anschlie­ßend in Wider­sprüche.

Rechte Fans, Hoo­li­gans und Kampf­sport­trai­ning

Und auch in Olden­burg mehrten sich bald die Ereig­nisse, die nicht nur die eigenen Anhänger vor offene Fragen stellten. Plötz­lich war eine Regen­bo­gen­fahne, die der Verein noch eigen­in­itiativ am Sta­dion auf­ge­hangen hatte, nicht mehr auf­zu­finden. Mit Unter­stüt­zung der Fan­szene erstellte Tafeln, auf denen im Sta­dion ver­bo­tene Klei­dungs­marken aus der rechten Szene auf­ge­führt sind, wurden nicht auf­ge­hangen. Als im Sommer 2018 in die Woh­nung der ehe­ma­ligen Fan­be­auf­tragten des VfB ein­ge­bro­chen und diese unter anderem mit Haken­kreuzen beschmiert wurde, ver­wei­gerte der Verein die Ver­öf­fent­li­chung einer Stel­lung­nahme, die der Betrof­fenen Soli­da­rität bekun­dete.

Es schien, als würde sich der Verein mehr und mehr von den Fans abwenden, die sich offen gegen Dis­kri­mi­nie­rung posi­tio­nieren. Pro­te­giert wurden laut einem Schreiben der Initia­tive VfB für Alle“ dagegen Fan-Gruppen wie die Ammer­länder Jungs“ und Sub­urban“, denen nach­ge­sagt wird, in Teilen offen für rechte Politik zu sein. Im Januar 2020 absol­vierte die Mann­schaft des VfB ein Kampf­sport­trai­ning unter Anlei­tung des Olden­burger Kick­bo­xers Nikita Pan­kraz. Dieser wendet sich unter anderem mit rechter Rhe­torik gegen den soge­nannten Migra­ti­ons­pakt, wie aus Screen­shots seines öffent­lich ein­seh­baren Face­book-Pro­fils her­vor­geht, die 11FREUNDE vor­liegen. Zudem trai­nierte er im Hal­lenser la familia Fight­club“, der immer wieder mit Neo­nazis in Ver­bin­dung gebracht wird.

Kritik uner­wünscht?

Mit Sorge beob­ach­teten viele VfB-Fans die Ent­wick­lungen in ihrem Verein – wenn sie sich nicht gänz­lich abwandten. Die Betei­li­gung in der aktiven Fan­szene hat in den letzten Jahren abge­nommen“, sagt Nils Wach vom ört­li­chen Fan­pro­jekt im Gespräch mit 11FREUNDE. Auch der lang­jäh­rige Fan­be­auf­tragte trat von seinem Posten zurück. Er habe nicht mehr die not­wen­dige Unter­stüt­zung im Verein erfahren, beklagte er. Im Online-Forum auf der VfB-Home­page tauschten sich die Anhänger über ihre Kritik an der Ver­eins­füh­rung aus – bis der Verein es vom Netz nahm.

Dass es zumin­dest sport­lich der­zeit halb­wegs läuft, kann da nur wenig Leid mil­dern. Der VfB, immerhin bis 1997 noch in der 2. Fuß­ball-Bun­des­liga, düm­pelt seit Jahren durch die Nie­de­rungen des nord­deut­schen Fuß­balls. In dieser Runde steht die Mann­schaft nach einigen ansehn­li­chen Spielen und seit der Unter­bre­chung der Liga immerhin auf einem ordent­li­chen vierten Tabel­len­platz der Süd­staffel der Regio­nal­liga Nord. Doch der Lokal­ri­vale SV Meppen, vor nicht allzu langer Zeit noch auf Augen­höhe, hat den Olden­bur­gern längst den Rang abge­laufen. Und auch in der eigent­lich drän­genden Sta­di­on­frage – das Marschweg-Sta­dion ist nur noch bedingt Regio­nal­liga-taug­lich – tut sich schon länger nichts mehr.