Über Wat­fords Stürmer Troy Deeney gibt es viele Geschichten, die nur am Rande oder gar nichts mit Fuß­ball zu tun haben. Manche sind lustig, manche sind traurig, alle sind spek­ta­kulär. Das wich­tigste Spiel seines Lebens hätte Deeney bei­nahe ver­pennt, weil er in der Nacht zuvor zu viel gesoffen hatte, 2012 saß er wegen einer Disko-Prü­gelei drei Monate im Knast, statt zum Pro­be­trai­ning bei Aston Villa streunte er als Jugend­li­cher lieber durch den ört­li­chen Park, schließ­lich hingen dort die ganzen Mädels rum. Troy Deeney sagt über Troy Deeney, er sei Old School“, habe einen viel zu großen Schädel und im Mund lauter schiefe Zähne, was ihn aus­sehen lasse wie einen Hai. Außerdem sagt Troy Deeney: Was soll’s? So ist es eben.“

Auch über Virgil van Dijk gibt es Geschichten. Aller­dings geht es – abge­sehen von unan­ge­nehmen pri­vaten Lie­bes­ge­schichten, die einst im schot­ti­schen Bou­le­vard breit­ge­treten wurden – in diesen meist einzig und allein darum, was für ein her­aus­ra­gender Fuß­baller der Nie­der­länder ist. Ein Scout von West Brom­wich Albion war einst der­maßen frus­triert, weil sein Verein van Dijk trotz seiner ein­dring­li­chen Emp­feh­lung nicht ver­pflichten wollte, dass er kur­zer­hand kün­digte. Van Dijk selbst wurde im Januar 2018 zum teu­ersten Ver­tei­diger aller Zeiten, seine Ablö­se­summe stei­gerte sich inner­halb weniger Jahre um 2700 Pro­zent.

Er rennt an dir vorbei und riecht gut“

Gleich in seinem ersten Halb­jahr führte er Liver­pool ins Cham­pions-League-Finale, für Celtic Glasgow schoss er als Abwehr­spieler einst 15 Tore in zwei Jahren, mitt­ler­weile ist er Kapitän der nie­der­län­di­schen Natio­nal­mann­schaft. Man könnte sagen, Troy Deeney und Virgil van Dijk sind unter­schied­liche Typen. Und dass es einen Typen wie Troy Deeney braucht, um über einen Typen wie van Dijk etwas zu erfahren, was nichts mit dessen fuß­bal­le­ri­schen Leis­tungen zu tun hat.

Zum Glück redet Troy Deeney gerne. So auch neu­lich, als er bei der BBC-Radio­sen­dung Monday Night Club“ zu Gast war. Als das Gespräch auf die besten Ver­tei­diger der Welt kam, fiel schnell der Name van Dijk. Und Deeney legte los. Ich habe es schon oft gesagt: Ich hasse ihn. Weil ich es hasse, gegen ihn zu spielen. Er ist zu groß, zu stark, zu schnell, zu gut am Ball und er liebt es zu kämpfen. Außerdem hat er eine tolle Frisur. Und er gehört zu den Typen, sich sich vor dem Spiel das Trikot ein­sprühen, so dass er auch noch wun­derbar riecht. Er rennt an dir vorbei und riecht gut.“

Also muss ich sie ein biss­chen mobben“

Warum genau van Dijk sich vor dem Spiel ein­par­fü­miert, wissen wir nicht, und warum genau Troy Deeney sich von einem wohl­duf­tenden Hol­länder auf die Palme bringen lässt, wollte er der BBC eben­so­wenig ver­raten. Eine emp­find­liche Nase? Neid? Eigene Pro­bleme in dem Bereich? Nichts davon möchten wir ihm unter­stellen. Außerdem lie­ferte der Mann, der einst in den Pre­mier-League-Play­offs für eine der ver­rück­testen Schluss­phasen im eng­li­schen Fuß­ball über­haupt sorgte, kürz­lich im Gespräch mit der Times“ die beste Erklä­rung für seine Wut viel­leicht längst selber ab: Ich bin nur so aggressiv, weil ich tech­nisch nicht so gut bin wie meine Gegen­spieler. Also muss ich sie ein biss­chen mobben.“ Logisch.

Trotzdem wäre es inter­es­sant, nach diesen ver­blüf­fenden Deeney-Ent­hül­lungen mal bei anderen Stür­mern nach­zu­haken. Denn was wäre, wenn es nicht nur Troy Deeney so ginge? Was, wenn Stürmer mit gut rie­chenden Geg­nern ein­fach nicht zurecht kämen? Oder, anders gefragt: Sind stin­kende Ver­tei­diger leichter zu über­winden? Wie auch immer die Ant­wort lautet, wir werden nie wieder sauer auf Mutti sein, wenn sie uns zu Weih­nachten doch wieder das Duty-Free-Davi­doff-Parfüm schenkt. Denn wahr­schein­lich haben wir sie all die Jahre nur falsch ver­standen. Das ist keine sub­tile Kritik an schlud­riger Kör­per­hy­giene. Das ist der ver­zwei­felte Ver­such, aus uns doch noch einen Welt­klasse-Ver­tei­diger zu machen. Danke, Mutti. Und Danke, Troy Deeney.