Viel­leicht sollte man sich für einen Moment die ganze Sache ein­fach mal als großen Spaß vor­stellen. Also die rie­sen­großen Erwar­tungen auf den Gewinn der Euro­pa­meis­ter­schaft bei­seite lassen und nur über den Fuß­ball selbst spre­chen. Denn tut man das mit Hansi Flick, dem als so leise gel­tenden Assis­tenten von Joa­chim Löw, spürt man sofort, mit wie viel Lust und Ver­gnügen das Trai­ner­team der deut­schen Natio­nal­mann­schaft über das Spiel redet. Womit nicht die Umstände gemeint sind, dabei in einem gla­mou­rösen Luxus­hotel in Madrid seinen Kaffee aus wert­vollen Por­zel­lan­täss­chen zu trinken und feines Gebäck zu naschen. Oder immer wieder mit freund­li­chem Schul­ter­klopfen begrüßt zu werden, weil der ganze Laden voller Men­schen ist, die dem großen Match zwi­schen Real Madrid und dem FC Bayern ent­ge­gen­fie­bern.

Nein, um diesen Glanz geht es nicht, wenn Flick spricht. Auf eine jun­gen­hafte Art wirk­lich zurück­hal­tend, benutzt er trotzdem ver­blüf­fend oft Begriffe wie super“, genial“ oder toll“. Ob er nun von seinem Besuch beim FC Bar­ce­lona erzählt, wo zu seiner Über­ra­schung schon Elf­jäh­rige tak­tisch geschult werden, oder von einer inten­siven Dis­kus­sion beim Trai­ning des FC Arsenal, als Arsène Wenger mit seinen Abwehr­spie­lern über die rich­tige Auf­ga­ben­ver­tei­lung in der Defen­sive debat­tierte, Flick tut das mit unver­hoh­lener Begeis­te­rung. Und wenn er von Arse­nals dra­ma­ti­scher, aber letzt­lich unbe­lohnter Auf­hol­jagd gegen den AC Mai­land in der Cham­pions League erzählt, klingt er wie ein Fan: Es ist mit­rei­ßend und ver­rückt gewesen. Das war eines der Spiele, bei denen man von den Zuschauern förm­lich ange­steckt wurde.“

Der Pass als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form“

Flick reist durch Europa, Löw und Tor­wart­trainer Andreas Köpke auch, und Chef­scout Urs Sie­gen­thaler zieht sogar rund um die Welt, bis nach Afrika und Süd­ame­rika. Sie schauen sich Spiele an, besu­chen Klubs, dis­ku­tieren mit Trai­nern und kie­bitzen am Rande von Trai­nings­plätzen. Und wenn sie etwas erleben, was ihre Arbeit inspi­riert, lassen sie bei ihren Bespre­chungen die Gedanken ins Kraut schießen. Wir schau­keln uns gegen­seitig hoch, wenn wir mit­ein­ander reden“, sagt Flick. Wenn es um Fuß­ball geht, sind sie Schwärmer, und in sol­chen rau­schenden Gesprächs­runden ent­stehen so eso­te­ri­sche Ideen wie die vom Pass als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form“, die Sie­gen­thaler auf­ge­bracht hat.

Das klingt zunächst mal ziem­lich über­spannt, denn was mag Bas­tian Schwein­s­teiger damit sagen wollen, wenn er Thomas Müller den Ball in den Lauf spielt. Doch bei etwas genauerer Betrach­tung erweist sich das als ein wirk­lich schönes Bild. So, wie ein Spieler dem anderen den Ball zupasst, teilt er ihm durchaus etwas mit. Denn es ist natür­lich ein him­mel­weiter Unter­schied, ob Schwein­s­teiger seinen Kol­legen mit einem schludrig gespielten Ball in Pro­bleme bringt oder den Rechtsfuß Müller bewusst auf seinem starken Fuß anspielt, und dass er das weder zu scharf macht noch zu schlaff oder zu hoch. Wenn man so will, ist genau das der Unter­schied zwi­schen irgend­wel­chem gedan­ken­losen Gerede und einem auf­merksam geführten Gespräch.
Womit wir auch schon dort sind, worum es in diesem Sommer in Polen und der Ukraine gehen wird. Das Pass­spiel ist in unserer Trai­nings­ar­beit die Basis“, sagt Flick. Man könnte es sich jetzt leicht machen und sagen: Das deut­sche Spiel muss wie ein gutes Gespräch sein. Aber so ein­fach ist es dann doch nicht, denn von dieser Basis aus ver­zweigt und ver­äs­telt sich die Sache sehr schnell und wird kom­pli­ziert. Es ist keine freund­liche Plau­derei, die da geführt werden soll, son­dern eine dif­fe­ren­zierte Debatte.

Des­halb sitzen in Köln auch schon seit Monaten rund 50 Stu­denten der Deut­schen Sport­hoch­schule unter der Lei­tung von Pro­fessor Jürgen Busch­mann und Stefan Nopp und sezieren das Spiel der deut­schen Mann­schaft sowie das ihrer Gegner. Sie sichten Spiele und durch­forsten Daten­banken, legen Infom­appen an und stellen Video­ma­te­rial zusammen. Neu ist das nicht, schon seit 2006 gibt es das Team Köln“. Die Abläufe sind längst ein­ge­spielt, und inzwi­schen schraubt man die tak­ti­schen Kon­zepte anderer Mann­schaften mit sicheren Hand­griffen aus­ein­ander. Dass Däne­mark sein Spiel über die Außen­bahnen auf­baut, ist so klar wie die Fünf-Sekunden-Regel, die Spa­nien vom FC Bar­ce­lona über­nommen hat. Dass man näm­lich in den fünf Sekunden nach Ball­ver­lust sofort nach­setzt und sich erst wieder in die defen­sive Grund­ord­nung begibt, wenn man den Ball bis dahin nicht erobert hat. Selbst die Winkel, in denen der Titel­ver­tei­diger den Ball je nach Situa­tion in die Spitze spielt und daraus wieder auf die nach­set­zenden Spieler abprallen lässt, sind weit­ge­hend deco­diert.

Doch inzwi­schen ist die Ana­lyse weiter vor­an­ge­schritten, sieben Stu­denten beschäf­tigen sich allein mit dem, was sie in Köln bio­me­cha­ni­sche Unter­su­chungs­ana­lysen“ nennen. Damit ist die Arbeit quasi im Fein­stoff­li­chen ange­kommen, denn hierbei gerät die ein­zelne Bewe­gung der Spieler in den Blick. In anderen Ball­sport­arten kennt man das schon länger. So hat Dirk Nowitzkis Freund und För­derer Holger Geschwindner die Hand­stel­lung bei Würfen im Bas­ket­ball so genau ana­ly­siert, dass die beiden daraus Nowitzkis Spe­zi­al­wurf ent­wi­ckelten, bei dem sich der Mann von den Dallas Mave­ricks in der Luft sozu­sagen zurück­lehnt.

Bio­me­cha­ni­sche Ana­lysen und die hohe Schule des Fuß­balls

Im Fuß­ball klingt das noch wie Sci­ence-Fic­tion. Denn lange hat es so aus­ge­sehen wie bei Hansi Flick, als er noch im Trikot des FC Bayern Diego Mara­dona bewa­chen musste. Damals bekam er von seinem Trainer ein paar unge­fähre Hin­weise, wie er sich ver­halten müsse. Heute hin­gegen ver­su­chen die Kölner Stu­denten aus vielen Stunden Bild­ma­te­rial zu destil­lieren, wie sich Cris­tiano Ronaldo vom deut­schen Vor­run­den­gegner Por­tugal ver­hält, wenn er zu einer seiner Über­stei­ger­kas­kaden ansetzt. Oder in wel­cher Spiel­si­tua­tion sein Ver­tei­di­ger­kol­lege Pepe am ehesten zu ver­un­si­chern ist. Denn viel­leicht findet sich darin ein Muster, das einem deut­schen Spieler hilft, weil man an Pepe viel­leicht leichter aus der Dre­hung vor­bei­kommt oder Cris­tiano Ronaldo etwa nach der dritten Finte immer ein kleines Pro­blem bei der Ball­mit­nahme hat und man ihn genau dann angreifen muss. Wenn man einem Spieler wie Philipp Lahm solche Bilder zeigt, wird er sie nicht ver­gessen, weil er wie die meisten Fuß­ball­spieler ein Imi­ta­ti­ons­lerner ist. Er ver­fügt über eine extrem gute Bewe­gungs­vor­stel­lung und nimmt Visu­elles sofort auf. Des­halb kann man ihn meis­tens auch nur einmal mit einem Trick ver­blüffen. Das Demo­video indes soll das geg­ne­ri­sche Ver­blüf­fungs­po­ten­zial auf null redu­zieren.

In Köln bereiten sie das Mate­rial zudem so vor, dass es von der Video­ein­heit beim DFB um Pres­se­mann Uli Voigt und Cutter Jens Gron­heid zu kurzen Filmen zusam­men­ge­schnitten werden kann, in denen die deut­schen Spieler vor dem Nach­mit­tags­trai­ning am vierten oder 14. Tag sehen können, was von ihnen auf dem Platz erwartet wird. Und natür­lich wird für das Trai­ning am Tag davor oder danach ein anderer Film vor­be­reitet. Dass wir den Spie­lern auf diese Weise Trai­nings­in­halte erklären, das kommt sehr gut an“, sagt Flick.

Dazu wird Flick aus seinem 150 Seiten dicken Work­book“, wie er es nennt, die pas­senden Übungen her­aus­ge­sucht haben, die er seit der WM 2010 kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­ent­wi­ckelt hat. Dazu berät er sich gerne mit Bern­hard Peters, dem Direktor für Sport und Nach­wuchs­för­de­rung in Hof­fen­heim, den Flick schon seit Jahren kennt. Anschlie­ßend setzt er sich an den Com­puter und modi­fi­ziert die Übungen mit­hilfe seiner Trai­ner­soft­ware fürs Worbook“ noch einmal. Schließ­lich geht es darum, die gewal­tige Flut von Infor­ma­tionen und den Über­fluss der Ideen so auf­zu­be­reiten, dass sie in den Köpfen der Spieler kein wildes Flirren aus­lösen. Flick muss also das Kom­pli­zierte wieder ein­fach machen und ambi­tio­nierte Kon­zepte in Aktionen zwi­schen Hüt­chen über­setzen.
Des­halb wird es in der Vor­be­rei­tung zum Tur­nier zunächst auch darum gehen, an die Grund­lagen des eigenen Spiels zu erin­nern. Bei der letzten Welt­meis­ter­schaft stand das Posi­ti­ons­spiel im Fokus“, sagt Flick, dazu kamen Schwer­punkte wie das Zwei­kampf­ver­halten und wie man die Lauf­be­reit­schaft auto­ma­ti­sieren kann.“ Die meisten Spieler und der Kern des Teams sind schließ­lich schon seit zwei Jahren dabei und wissen um die Auf­gaben, die sie auf ihrer Posi­tion erle­digen müssen. Sie wissen auch, wie sehr das Trai­ner­team unsau­bere Zwei­kämpfe mit Fouls hasst und dass nie­mand nach einem Pass stehen bleiben darf.

Doch der Spaß und die Lust auf das Tur­nier kommen auch daher, dass die Basis im Grunde gelegt ist. Wir sind fuß­bal­le­risch auf einem ganz anderen Niveau als 2008 oder 2010“, meint Flick. Die Mann­schaft kann sich inzwi­schen der Hohen Schule zuwenden. Und das hat Folgen. Bei der Welt­meis­ter­schaft in Süd­afrika waren die Pässe des deut­schen Teams, wenn man sie als Kom­mu­ni­ka­tion beschreibt, noch so etwas wie laute Rufe. Fast immer wurden sie direkt, schnell und steil gespielt. Inzwi­schen jedoch flüs­tern sie mit­unter, sie werden bis­weilen nur ange­tippt und durch­ge­steckt, kurz und schlei­chend muss das deut­sche Spiel auch sein. Es ist der Fluch der starken Leis­tungen, denn kein Gegner bei der EM wird die Deut­schen so zum Kon­tern ein­laden, wie Eng­land und Argen­ti­nien es in Süd­afrika noch taten. Zwar sind die deut­schen Vor­run­den­gegner Hol­land, Por­tugal und Däne­mark keine pas­sio­nierten Beto­nierer, auch sie fühlen sich in Ball­be­sitz wohler, aber der deut­sche Lehr­plan für die Euro hat trotzdem andere Schwer­punkte bekommen. Wie müssen wir spielen, wenn wir gegen eine gestaf­felte Abwehr erfolg­reich sein wollen?“, fragt Flick, denn darauf gilt es eine Ant­wort zu finden. Außerdem hat die Nie­der­lage im Test­spiel gegen Frank­reich eine neue Anfäl­lig­keit des deut­schen Teams gezeigt: Was ist, wenn der Gegner relativ früh stört? Wenn wir unter Druck kommen, haben wir nicht immer die rich­tige Lösung.“

Siege mit Signal­wert wie gegen Bra­si­lien und Hol­land sowie der spie­le­ri­sche Glanz eines oft atem­be­rau­benden Kom­bi­na­ti­ons­spiels führen zu solch neuen Fra­ge­stel­lungen. Für das Trai­ner­team der deut­schen Mann­schaft ist dar­über ein anderer Bereich des Spiel­felds in den Mit­tel­punkt der Auf­merk­sam­keit gerückt. Ihrer Mei­nung nach ent­scheidet sich das Spiel vor allem im letzten Drittel, also dem Bereich, der dort anfängt, wo der Anstoß­kreis auf­hört, und bis zur geg­ne­ri­schen Tor­linie geht. Und zugleich geht es nicht mehr um den Moment des Umschal­tens, wenn man dem Gegner den Ball abge­nommen hat. Von der Defen­sive in die Offen­sive umzu­schalten, das haben wir per­fekt gemacht. Dazu­lernen können wir sicher­lich beim Umschalten von der Offen­sive in die Defen­sive“, sagt Flick. Denn es spart Kraft, wenn man nicht erst wieder 40 Meter zurück­sprinten muss. Und es zer­mürbt den Gegner so, wie es die deut­sche Mann­schaft in ihrem Spiel gegen Spa­nien bei der letzten WM zer­mürbt hat, wenn selbst nach Bal­ler­obe­rung kaum einmal Luft zum Atmen bleibt. Auch die Gegner von Borussia Dort­mund in der Bun­des­liga kennen dieses Phä­nomen, von denen des FC Bar­ce­lona ganz zu schweigen.

Das Per­sonal ist da, eine Idee dafür schon lange

Bei den letzten Tur­nieren war es oft noch so, dass sich die deut­sche Mann­schaft an ihren Geg­nern ori­en­tierte. Wo waren Schwä­chen, die man aus­nutzen konnte? Etwa jene, dass die Argen­ti­nier so wenig Spieler mit nach hinten brachten oder die Eng­länder beson­ders schlecht aus­sahen, wenn der Ball hinter ihre Abwehr gespielt wurde. Solche Fragen sind nicht völlig aus dem Blick geraten, aber es wird anders mit ihnen umge­gangen. Längst stehen die eigenen Stärken im Vor­der­grund, weil der Pool der Talente größer geworden und ihr Erfah­rungs­schatz gewachsen ist. Mesut Özil ist inzwi­schen ein Spieler, der sich bei Real Madrid durch­ge­setzt hat, genau wie Sami Khe­dira. Toni Kroos ist eine Säule des Spiels bei Bayern Mün­chen wie auch Holger Bad­stuber, und Mats Hum­mels hat sich zum viel­leicht besten Ver­tei­diger des Landes ent­wi­ckelt. Manuel Neuer wird genauso gestählt aus einer für ihn schwie­rigen Saison ins Tur­nier gehen wie Mario Gómez, der große Zweifler. Mit Mario Götze gibt es noch eine auf­re­gende Option im Spiel, falls Özil mal müde ist. Und es würde einen wun­dern, wenn selbst Spieler wie Lukas Podolski, Thomas Müller oder André Schürrle nach einer für sie ent­täu­schenden Saison nicht wieder auf­blühten, wenn sie bei der Natio­nal­mann­schaft ange­kommen sind. Das Per­sonal ist da, eine Idee dafür schon lange, und die wird nun noch stärker akzen­tu­iert. Wir stellen uns gut auf den Gegner ein, ohne uns selbst zu schwä­chen“, sagt Flick.

Im prunk­vollen Café des Hotels in Madrid dreht gerade Joa­chim Löw seine Runde, und die livrierten Kellner flüs­tern kurz auf­ge­regt mit­ein­ander, bevor sie wieder ihren pro­fes­sio­nellen Gesichts­aus­druck auf­setzen. In Spa­nien gehen sie davon aus, dass vor allem Deutsch­land einer erfolg­rei­chen Titel­ver­tei­di­gung im Weg steht. Um das deut­sche Team hin­gegen will offen nie­mand zugeben, dass vor dieser Euro­pa­meis­ter­schaft alles auf die große Frage hin­aus­läuft: Wie kann man Spa­nien schlagen? Klar, dass sie da abblo­cken, schließ­lich soll das Denken nicht auf ein Spiel fokus­siert werden, das man erst mal errei­chen muss. 

Auch Schwein­s­teiger und Gomez müssen noch viel lernen

So ein großes Tur­nier hat sowieso seine eigenen Gesetze und damit viele Unwäg­bar­keiten“, sagt Flick rela­ti­vie­rend, als würde er über die dritte Runde im DFB-Pokal spre­chen, wo im Spiel des Dritt- gegen den Erst­li­gisten alles pas­sieren kann. Dabei ist die Vor­be­rei­tung auf die EM letzt­lich ein großer Kampf gegen den Zufall. Denn warum sonst fahren in diesen Wochen die Last­wagen voller Trai­nings­gerät durch Europa zu den Vor­be­rei­tungs­la­gern der deut­schen Mann­schaft und schließ­lich ins EM-Quar­tier nach Danzig? Warum machen die Mit­ar­beiter in Köln diese ganzen Ana­lysen oder feilt das Trai­ner­team an den Trai­nings­plänen? Warum wird man Toni Kroos nach­drück­lich an seine in den letzten Monaten fast ver­ges­sene Tor­ge­fahr erin­nern und Bas­tian Schwein­s­teiger daran, dass er die Bälle nicht hinten abholen soll, wie er das so gerne macht? Warum wird man alle ermahnen, nach einem Pass nicht stehen zu bleiben, also gleichsam im Gespräch zu bleiben? Und warum wird man Miro Klose und Mario Gómez immer wieder daran erin­nern, dass sie selbst dann Spiel­ma­cher in vor­derster Reihe sind, wenn sie gar nicht am Ball sind, weil ihre Bewe­gungen Räume öffnen oder eben ver­stellen können?

Schon immer in den letzten acht Jahren einer Ära, die mit den Umbrü­chen des Jürgen Klins­mann begann, ist an vielen Stell­schrauben gedreht worden. Einige davon inter­es­sieren schon lange nicht mehr, bei anderen kennt man inzwi­schen die rich­tige Ein­stel­lung, aber das Fein­tu­ning wird nie ein Ende finden. Weil die Spieler Men­schen sind und Mann­schaften keine Maschinen. Weil doch jedes Spiel anders ist und natür­lich jedes Tur­nier wirk­lich seine eigene Dynamik ent­wi­ckelt. Und weil Flick und Löw und all die anderen sich noch begeis­tern lassen. Nicht nur in Madrid, in Erwar­tung eines ganz großen Spiels in der Geschichte der Cham­pions League.

Flick hat sein Mine­ral­wasser inzwi­schen aus­ge­trunken, als er noch einmal zum Schwärmen anhebt. Wir haben bei der WM 2010 am Rand des Trai­nings­platzes gestanden und gedacht: Es kann nicht sein, auf wel­chem Niveau unsere Spieler trai­nieren. Das war sen­sa­tio­nell.“ Weniger als sen­sa­tio­nell soll es auch in Polen und der Ukraine nicht werden. Der Zirkel aus Lust und Spaß soll bestehen bleiben. Die Trainer geben der deut­schen Mann­schaft ihre Begeis­te­rung für den Fuß­ball weiter, um sich dann von den Spie­lern begeis­tern zu lassen. Auch das ist eine Form des Gesprächs, und bekannt­lich ist die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt.