Você está brin­cando comigo?“ Das ist Por­tu­gie­sisch und bedeutet über­setzt so viel wie wollt ihr mich eigent­lich ver­ar­schen?“ Zwar ist keine solche Szene über­lie­fert, aber man kann sich vor­stellen, wie der kurz vor Weih­nachten ent­las­sene Man­chester-United-Trainer José Mour­inho am ver­gan­genen Sonntag hib­belig in seinem Fern­seh­sessel hin und her rutschte und sich gehörig ver­äp­pelt vorkam, als er dabei zusehen musste, wie seine ehe­ma­lige Mann­schaft auch das dritte Spiel seit seinem Raus­schmiss hoch und ver­dient gewann.

Denn seit der Por­tu­giese nicht mehr ver­ant­wort­lich ist für Eng­lands Rekord­meister, läuft es dort wieder ziem­lich rund. Ole Gunnar Sol­sk­jaer ist als Inte­rims­trainer bis zum Ende der Saison ans Old Traf­ford geholt worden, um halb­wegs anständig zu beenden, was unter Mour­inho zum Schluss so ver­hee­rend schief lief. Und seit diesem Wechsel hat United dreimal hin­ter­ein­ander klar gewonnen: 5:1 in Car­diff, 3:1 gegen Hud­ders­field, 4:1 gegen Bour­ne­mouth. Keine beson­ders starken Gegner, zuge­geben, aber unterm Strich macht das trotzdem neun Punkte bei 12:3 Toren. In der Tabelle der Pre­mier League befinden sich die Red Devils dadurch wieder in Schlag­di­stanz zum FC Arsenal auf Platz fünf, der sei­ner­seits den Teams auf den Cham­pions-League-Plätzen hin­ter­her­jagt.

Alles andere als cool

Außerdem bemer­kens­wert: Super­star Paul Pogba, der sich mit Mour­inho zuletzt heftig in der Wolle hatte, dessen defen­sive Taktik er öffent­lich kri­ti­siert und vor dessen Ent­las­sung er zweimal hin­ter­ein­ander 90 Minuten lang nur auf der Bank gesessen hatte, steht unter Sol­sk­jaer wieder voll im Saft – vier Tore und drei Vor­lagen in drei Spielen! Der ehe­ma­lige United-Spieler und heu­tige TV-Experte Phil Neville sagte der BBC“, Pogba habe ent­täu­schende, schreck­liche 18 Monate“ hinter sich wegen des Zer­würf­nisses mit Mour­inho. Sogar ein Transfer Pogbas in diesem Winter war als Option zur Lösung des Kon­fliktes dis­ku­tiert worden. Aber jetzt wirkt es, als wären die Fes­seln weg.“

War das Pro­blem also tat­säch­lich José Mour­inho? Hat er seinen Spie­lern wirk­lich Fes­seln“ ange­legt? In seiner ersten Saison mit Man­chester United hatte er die Europa League und den Liga­pokal gewonnen. Im zweiten Jahr wurde United immerhin Zweiter hinter dem zu der Zeit über­mäch­tigen Stadt­ri­valen Man­chester City. Aber das dritte Jahr seines Enga­ge­ments wirkte wie ver­giftet – so sehr, dass The Spe­cial One“ in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung viel von seinem eins­tigen Glanz ein­ge­büßt hat. Seine coole Arro­ganz, in ver­gan­genen Tagen sein Mar­ken­zei­chen, wirkte zuletzt oft wie das hilf­lose Pol­tern eines Mannes, der sich im Kampf für seine Sache zuneh­mend bedrängt fühlte, wäh­rend Jürgen Klopp beim FC Liver­pool und Pep Guar­diola bei Man­chester City für ihre pro­gres­sive Art des Fuß­balls gefeiert wurden. Dagegen sah Mour­inhos defen­siver Stil oft lang­weilig und ver­klemmt aus – und alles andere als cool.

Sol­sk­jaer als Inbe­griff des Durch­ein­an­ders?

Die Ver­pflich­tung von Sol­sk­jaer hat Beob­achter den­noch über­rascht. Der 45-Jäh­rige hat zwar eine schil­lernde Ver­gan­gen­heit mit Man­chester United, hat als Spieler mit dem Klub in elf Jahren sechs Meis­ter­schaften gewonnen und im Cham­pions-League-Finale 1999 gegen den FC Bayern Mün­chen das späte Tor zum nicht mehr für mög­lich gehal­tenen Sieg geschossen. Aber als Trainer ist er zumin­dest auf der großen Bühne ein Anfänger. Den Ein­stieg schaffte er beim Nach­wuchs von Man­chester United. Mit dem nor­we­gi­schen Verein Molde FK hat er danach in zwei zeit­lich unter­bro­chenen Enga­ge­ments zweimal die Meis­ter­schaft sowie den Pokal gewonnen. Dazwi­schen fiel 2014 sein erster Geh­ver­such in der Pre­mier League mit Car­diff City, mit denen er prompt in die Cham­pi­onship abstieg.

Robbie Savage, Fern­seh­ex­perte und ehe­ma­liger Profi unter anderem für Man­chester United, sagte vor diesem Hin­ter­grund der BBC“: Einen Inte­rims­trainer anzu­stellen, zeigt das Durch­ein­ander bei United.“ Ja, Sol­sk­jaer habe unbe­streit­bare Ver­dienste als Spieler, aber ist es bei Man­chester United schon so weit? Er ist eine Legende und die Fans singen seinen Namen und so – aber echt jetzt?“

Mehr als ein Gute-Laune-Onkel

Ed Wood­ward, Uniteds stell­ver­tre­tender Vor­stands­vor­sit­zender und Ver­trauter der ame­ri­ka­ni­schen Eigen­tü­mer­fa­milie Glazer, hielt jedoch dagegen. Ole ist eine Klub­le­gende mit großer Erfah­rung auf dem Feld und als Trainer“, sagte der alles andere als unum­strit­tene Funk­tionär zu der Ver­pflich­tung: Wir sind zuver­sicht­lich, dass er Spieler und Fans für die zweite Hälfte der Saison ver­einen kann.“ Die Hoff­nung dürfte dem­nach gewesen sein, dass Sol­sk­jaer die zuletzt gif­tige Atmo­sphäre im Klub ver­bes­sert – und abge­sehen davon ein­fach“ die im Kader vor­han­dene Qua­lität nutzt, um die Saison halb­wegs wür­de­voll zu Ende zu bringen.

Nach seinem ersten Sieg im ersten Spiel hatte Sol­sk­jaer seinen Anteil daran noch klein geredet. Fuß­ball ist ein­fach, wenn du gute Spieler hast“, sagte er. Eine andere Klub­le­gende habe ihm vorher außerdem ein paar Hin­weise mit auf den Weg gegeben. Wayne Rooney hat mir geschrieben und mir Tipps gegeben – also muss es heute an ihm gelegen haben! Er hat mir gesagt, ich solle die Mann­schaft dazu ermu­tigen, Fuß­ball zu spielen, Spaß zu haben – und Man­chester United zu sein.“