Die große Zeit der Wikinger, sie ist abge­laufen, seit mehr als einem Jahr­tau­send.

Voll­bärte sind in Europa längst modi­sches Acces­soire und werden auf Long­boards statt Kriegs­schiffen spa­zieren gefahren, nor­di­sche Namen haben sich – je nach Här­te­grad der Kon­so­nan­ten­ab­folge – glei­cher­maßen auf Wal­dorf­schüler (Fynn, Lasse) und ver­wirrte völ­ki­sche Siedler (Ragnar, Thor) ver­teilt.

Und trotzdem konnte einem am Mon­tag­abend in Nizza, die Isländer hatten Eng­land gerade aus dem Tur­nier geworfen, Angst und Bange werden. Schließ­lich waren sie plötz­lich wieder da, die Wikinger. In Gestalt der islän­di­schen Natio­nal­mann­schaft standen sie in einer Ecke des Sta­dions auf dem Rasen, den Blick grimmig ihren Fans auf der Tri­büne zuge­wandt, die Arme zur Seite gestreckt.

Die Stille, zuvor vom voll­bär­tigen Kapitän Aron Gun­narsson von den Zuschauern ein­ge­for­dert, plötz­lich zer­schnitten durch ein gemein­sames Klat­schen und ein kol­lek­tives UUH!“. Immer schneller schallte der Schlachtruf durchs Sta­dion, ein mul­miger Mix aus Bewun­de­rung und Furcht durchzog die beob­ach­tenden Körper.

Wir haben vor nie­mandem Angst“

Ob es sich tat­säch­lich um einen alten Wikin­ger­schrei han­dele, lau­tete die Frage an den islän­di­schen Trainer Heimir Hall­grimmsson – ein Name, wie er pro­gram­miger nicht sein könnte. Nein, ein islän­di­schen Fan­klub habe sich das Ritual aus­ge­dacht. Aber wenn es euch Angst macht, behalten wir es natür­lich bei.“

Ein­schüch­tern dürften die Schreie, ähn­lich dem neu­see­län­di­schen Haka, in erster Linie die sport­li­chen Gegner. Und auch, wenn auf Frank­reich im Vier­tel­fi­nale keine plün­dernden Krieger, son­dern – nur – bis zum Umfallen kämp­fende Fuß­baller warten.

Wir sind Wikinger. Wir haben vor nie­mandem Angst.“

Die Tat­sache, dass man mit der Ein­schüch­te­rung schon unmit­telbar nach dem Spiel gegen Eng­land begann, dürfte den Fran­zosen die Vor­freude auf den Sonntag rauben. Die Isländer dagegen machten deut­lich: Sie sind längst noch nicht fertig.

Oder wie es Ragnar – sicher kein völ­ki­scher Siedler – Sigurdsson auf den Punkt brachte: Wir sind Wikinger. Wir haben vor nie­mandem Angst.“