1.
Zu Beginn ein Aus­flug nach Kamerun, wenn­gleich man bei den unzäh­ligen Skan­dalen, für die Eto’o in der Natio­nal­mann­schaft sorgte, leicht den Über­blick ver­lieren kann. 2006 sorgte der Kame­runer beim Afrika-Cup in Ägypten bei­nahe für eine Mas­sen­kei­lerei, weil sich Funk­tio­näre am eigent­lich für die Spieler reser­vierten Hotelbuffet bedient hatten. Letzt­end­lich schrie er die Anzug­träger nur aus dem Saal, wäh­rend er die Essens­reste – tro­ckenes Brot und Saucen – vom Tisch fegte.
 
2.
Es gibt eine Absprache inner­halb der Mann­schaft, mir nicht mehr den Ball zuzu­spielen!“ Samuel Eto’o war in der Natio­nalelf nie nur Diva, son­dern auch Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker. Weil er glaubte, dass sein Ver­dienst nicht ange­messen hono­riert wurde, been­dete er diverse Male seine Kar­riere in Kame­runs Natio­nal­mann­schaft – nur um wenige Wochen oder Monate unter dem Flehen seiner Lands­leute zurück­zu­kehren. Den­noch: Mit den Mäch­tigen des Ver­bands stand er bis zuletzt auf Kriegsfuß. Er wei­gerte sich bei Län­der­spielen stets, in einem Mann­schafts­hotel zu näch­tigen und zog lieber in eine Pri­vat­un­ter­kunft, wo er seine eigene Leib­garde um sich scharte. Erklä­rung: Die Ver­bands­füh­rung will mich töten! Ich tue das nicht, weil ich ver­rückt bin, son­dern weil ich mich schützen muss!“
 
3.
2011 stellte sich Eto’o an die Spitze eines Mann­schafts­streiks, um den Ver­band dazu zu zwingen, ver­spro­chene Prä­mien aus­zu­zahlen. Die Funk­tio­näre sperrten Eto’o für 15 Spiele, mussten die Strafe aber schließ­lich auf drei Par­tien senken, weil sich viele tau­send Demons­tranten auf den Straßen Kame­runs für den eigen­sin­nigen Star ein­ge­setzt hatten.
 
4.
Vor der WM 2014 streikte Eto’o erneut wegen Prä­mien. In einem offenen Brief erklärte er, warum er die Über­gabe der Natio­nal­flagge durch den Pre­mier­mi­nister ver­wei­gerte und sich der Abflug nach Bra­si­lien um einen Tag ver­zö­gerte: Ich kämpfe für die Dinge, an die ich glaube: für das Recht unserer Spieler, die Prä­mien zu bekommen und so das Beste bei der WM für ihr Land zu geben.“
 
5.
Auch bei seinen Ver­einen sam­melte Samuel Eto’o Skan­dale wie andere Leute Pani­ni­bild­chen. Im Jahr 2005 skan­dierte der Stürmer bei der Meis­ter­feier des FC Bar­ce­lona laut­stark: Madrid, du Arsch­loch, hul­dige dem Meister!“ Blöd nur, dass die Fern­seh­ka­meras mit­liefen und das Ganze live und lan­des­weit über die Bild­schirme flim­merte. Eto’oos Aus­bruch war auch des­wegen seltsam, weil er im Alter von 15 Jahren aus dem kame­ru­ni­schen Douala in Real Madrids Jugend­aka­demie gewech­selt war und später oft sagte: Real Madrid bin ich ewig dankbar, dass sie mich aus Afrika geholt haben.“ Immerhin: Als Eto’o rea­li­sierte, dass seine Wut­rede überall zu sehen war, ent­schul­digte er sich für seinen Aus­bruch: Ich habe in den Teller gespuckt, der mir zu Essen gegeben hat.“

Fotostrecke: Eto'o lala

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Ob Samuel Eto’o sich über seinen 40. Geburtstag freut? Wir können es nur ver­muten. Falls ja, dann aller­dings ganz sicher mit weit von sich gestreckten Armen und einem breiten Lächeln. Eben so, wie er sich auch über seine knapp 11.623 Kar­rie­re­tore (Trainingsspiele/​Übungen/​Warmschießen vorm Spiel mit­ge­zählt) gefreut hat. Aber der Reihe nach.

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Als 15-Jäh­riger zieht Samuel Eto’s aus seiner Heimat Kamerun nach Spa­nien, Real Madrid hatte das Aus­nah­me­ta­lent zuvor gesichtet und für gut befunden. In Madrid selber kann sich der Teen­ager aller­dings ob der mons­trösen Kon­kur­renz (Raul, Suker, Mija­tovic, Mori­entes, Anelka) nicht durch­setzen, wes­wegen er es ab Januar 2000 bei Mal­lorca ver­sucht. Eine gute Idee: Für den Verein erzielt er in vier­ein­halb Jahren knapp 70 Tore. Nico van Kerck­hoven gefällt das nicht.

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Zu dem Zeit­punkt hat Eto’o sich vor allem inter­na­tional schon einen Namen gemacht. Weil er für Kame­runs A‑Nationalmannschaft schon als 15-Jäh­riger (!) debü­tiert. Weil er an der WM 1998 als 17-Jäh­riger teil­nimmt. Weil er beim Afrika-Cup 2000 fünf Tore schießt und das Tur­nier mit seiner Mann­schaft gewinnt. Und weil er 2000 mit seinen Kol­legen der kame­ru­ni­schen U23 das olym­pi­sche Fuß­ball­tur­nier gewinnt.

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Beschei­den­heit ist eine Tugend. Aber eben nur für Leute, die mit Anfang 20 noch nicht die größten Fuß­ball­stars eines 25-Mil­lionen-Ein­wohner-Landes sind.

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Mit Kamerun nimmt Eto’o ins­ge­samt an drei Welt­meis­ter­schaften und sechs Afrika-Cups teil, letz­teres Tur­nier gewinnt er zweimal, mit 18 Toren in 29 Ein­sätzen ist er bis heute Rekord­tor­schütze des Wett­be­werbs. Am Ende kommt Eto’o in 118 Spielen für Kamerun auf 56 Tore, (circa) ebenso oft tritt er belei­digt zurück, nur um diese Ent­schei­dung (meist vor großen Tur­nieren) doch wieder zu revi­dieren.

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Der wohl größte Skandal seiner Län­der­spiel­kar­riere: dieses Ärmellos-Trikot bei der WM 2002. Mit dem man gegen die deut­sche Aus­wahl natür­lich keine Chance hat, allein schon, weil sich bei einem Ärmellos-Trikot die Ärmel nicht hoch­krem­peln lassen, wenn man erstmal (etwa wegen Marco Bode) in Rück­stand geraten ist. Und das bei der FIFA für mächtig Ärger und Dis­kus­sionen sorgt. Völlig logisch, immerhin geht es in dem Fall ja nicht um eine Lap­palie wie gekaufte Stimmen oder andere Formen von Kor­rup­tion.

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Unterm Strich ist es so: Wann immer Eto’o im Natio­nal­trikot auf­läuft, wird es spek­ta­kulär. Auch, weil er in schöner Regel­mä­ßig­keit dafür sorgt, dass selbst humor­lose Spieler wie Gat­tuso oder Mon­t­o­livo zu Lach­num­mern werden.

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Der viel­leicht größte afri­ka­ni­sche Stürmer aller Zeiten. Und Samuel Eto’o.

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2004 wech­selt Eto’o für 27 Mil­lionen Euro zum FC Bar­ce­lona, wo seine Kar­riere so richtig Fahrt auf­nimmt. Gleich in seiner Debüt-Saison schießt er 29 Tore. Oder wie man ein paar Jahre später bei Lionel Messi sagen wird: ein guter Monat.

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Gemeinsam mit Ronald­inho ver­zau­bert er Fans auf der ganzen Welt. Der FC Bar­ce­lona spielt nicht nur erfolg­reich, son­dern auch spek­ta­kulär.

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Wir wissen gar nicht, mit wel­chem der beiden wir in diesem Moment lieber tau­schen würden.

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2005 wird Eto’o bei der Wahl zum Welt­fuß­baller Dritter. Hinter Frank Lam­pard und, na klar, seinem Team­kol­legen Ronald­inho. Außerdem gewinnt er den inof­fi­ziell von einem kleinen, deut­schen Ange­ber­ma­gazin ver­ge­benen Preis für den schönsten Frust-Jubel des Jahres.

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Ein halbes Jahr später krönen sich die Super­stars des FC Bar­ce­lona selbst. In einem hoch­span­nenden Finale gegen Arsenal holen sie am 17.05.2006 den Cham­pions-League-Titel. Eto’o sorgt zum einen für den frühen Leh­mann-Platz­ver­weis und erzielt außerdem, eine Vier­tel­stunde vor Abpfiff, den 1:1‑Ausgleich. Exem­pla­risch für diese rausch­haften Jahre hier ein paar beson­ders ergrei­fende Jubel­bilder.

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Eto’o mit Yaya Toure.

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Eto’o mit Henry.

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Eto’o mit Messi.

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Eto’o mit ohne Trikot.

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Die Saison 2008/2009 wird seine letzte in Bar­ce­lona – und sie wird beson­ders gut. In der Liga erzielt er 30 Tore, so viele wie nie zuvor und nie danach, in der Cham­pions League holt er schon wieder den Titel (sein ins­ge­samt dritter, 2000 stand er offi­ziell im Real-Kader), wieder trifft er im Finale. Mit Bar­ce­lona holt er das Triple.

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Zu dieser Zeit gelingt ihm quasi alles. Er trifft mit rechts und mit links, mit Gefühl und mit Gewalt, von nah und von fern.

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Aller­dings sorgt er auch immer häu­figer abseits des Platzes für Auf­re­gung – und wird (zusammen mit 47 Mil­lionen Euro) nach 199 Spielen mit 170 direkten Tor­be­tei­li­gungen von Bar­ce­lona gegen Inters Zlatan Ibra­hi­movic getauscht. Das Ende seiner Kar­riere?

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Quatsch. In Mai­land ver­dient er einer­seits so viel Geld wie kein anderer Spieler in der Liga – und trifft außerdem ein­fach weiter. Des­wegen stell­ver­tre­tend für die kom­menden, nicht weniger rausch­haften Jahre, hier ein paar beson­ders ergrei­fende Jubel­bilder.

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Eto’o mit Goran Pandev und schöner Beleuch­tung.

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Eto’o mit aller Zeit der Welt.

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Eto’o mit Zei­ge­finger.

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Eto’o schon wieder mit Zei­ge­finger.

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Eto’o mit schlechtem Gewissen.

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Eto’o mit Zunge raus.

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Eto’o mit Hohl­kreuz.

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Eto’o mit Gefühlen, wo man schwer beschreiben kann.

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Gleich in seiner ersten Saison geht es im Cham­pions-League-Halb­fi­nale gegen Bar­ce­lona. Das Rück­spiel ver­liert Inter zwar mit 0:1 im Camp Nou, aber das Ergebnis reicht genau fürs Wei­ter­kommen. Danach jubeln Mour­inho und Eto’o aus Respekt vor ihrem Ex-Verein nur zurück­hal­tend und dezent.

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Im Finale trifft Inter auf Bayern – das dritte End­spiel für Eto’o, zum ersten Mal gelingt ihm kein Tor. Dafür bereitet der Kame­runer, der von Mour­inho immer häu­figer als Rechts­außen ein­ge­setzt wird, das 2:0 von Diego Milito vor. Auch nicht ver­kehrt.

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Wahn­sinn: Zum dritten Mal inner­halb von nur fünf Jahren gewinnt Eto’o den wich­tigsten Wett­be­werb im euro­päi­schen Ver­eins­fuß­ball.

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Er wird dadurch zum ersten Spieler der Fuß­ball­ge­schichte über­haupt, der das große euro­päi­sche Triple ver­tei­digen kann. Denn mit Inter wird er nicht nur Cham­pions-League-Sieger, son­dern gewinnt auch die Meis­ter­schaft und den Pokal, genau wie mit Bar­ce­lona im Jahr zuvor.

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Immer eine gute Idee: Samuel Eto’o den Ball zuspielen, wenn er dieses Hand­zei­chen gibt.

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Wirkt nicht so, als sei es erst zehn Jahre her: Samuel Eto’o in einem Cham­pions League-Spiel gegen die Bayern und Thomas Kraft.

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Wirkt nicht so, als sei es jemals pas­siert: Samuel Eto’o in einem Cham­pions League-Spiel gegen Schalke und Hans Sarpei. Das Inter auch noch mit 2:5 ver­liert!!!

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Für Inter kommt Eto’o am Ende auf 52 Tore in 102 Ein­sätzen. In seinem vor­letzten Spiel trifft er noch­mals dop­pelt – und Inter holt gegen Palermo den ita­lie­ni­schen Pokal.

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Schieß mich tot! Will Anschi Machatschkala echt 20 Mil­lionen im Jahr für den mitt­ler­weile 30-Jäh­rigen Eto’o zahlen???

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Ja, Anschi Machatschkala will echt 20 Mil­lionen im Jahr für den mitt­ler­weile 30-Jäh­rigen Eto’o zahlen! Der sich diese Gele­gen­heit nicht ent­gehen lässt und nach Russ­land wech­selt. Da gerät er zwar etwas aus dem Fokus, schießt aber in drei Jahren trotzdem fast 50 Tore. Und darf immerhin nochmal gegen Han­nover 96 ran!

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Kommen wir zum Abschluss zur beliebten Son­der­ka­te­gorie Kar­rie­re­sta­tionen von Samuel Eto’o, die wir kom­plett ver­gessen hatten“: Samuel Eto’o bei Chelsea (35 Spiele, zwölf Tore).

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Samuel Eto’o bei Everton (20 Spiele, vier Tore).

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Samuel Eto’o bei Genua (18 Spiele, zwei Tore).

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Samuel Eto’o bei Anta­ly­aspor (77 Spiele, 44 Tore, siehe Foto) und bei Kon­yaspor (14 Spiele, sechs Tore).

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Samuel Eto’o bei Qatar SC (18 Spiele, sechs Tore, Sym­bol­bild).

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How it started:

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How it’s going.

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Fest steht jeden­falls: Zum Ende seiner Kar­riere macht Eto’o es sich in seinem Körper ein biss­chen gemüt­li­cher.

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Kommen wir nun zum Abschluss (diesmal wirk­lich) zur beson­ders beliebten Son­der­ka­te­gorie (Ach­tung: spe­cial inte­rest!) Samuel Eto’o in der immer glei­chen Mai­länder Straße beim Shop­ping oder auf dem Weg zu einem Gerichts­termin ob ihm zur Last gelegter Steu­er­hin­ter­zie­hung“. Voilà.

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2019 macht ein mit der eigenen Lauf­bahn zurecht hoch­zu­frie­dener Eto’o nach über 700 Spielen und fast 400 Toren jeden­falls Schluss mit seiner aktiven Fuß­ball­kar­riere.

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Seitdem sieht man ihn in auf den ersten Blick schwer zu ver­ste­henden TV-Shows…

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… oder als iko­nisch jubelnden Zuschauer bei Kamerun-Spielen. Wir sagen jeden­falls alles Gute, rechnen nochmal nach, wie lange wir arbeiten müssten für ein Eto’o-in-Machatschkala-Wochen­ge­halt (Spoiler: 7532,78 Jahre) und gehen dann ins Bett­chen, von wun­der­schönen Eto’o-mit-der-Pike-in-den-Winkel-Toren träumen. Macht’s gut!

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