Werder Bremen ist ein Fuß­ball­verein, der dafür bekannt ist, dass er mit seinen Trai­nern gerne län­ger­fristig arbeitet. Otto Reh­hagel war hier 14 Jahre am Stück tätig, Thomas Schaaf eben­falls, Felix Magath nur sieben Monate, aber das war etwas anderes. Flo­rian Koh­feldt ist im vierten Jahr, was deut­lich mehr ist als die durch­schnitt­liche Amts­zeit des gemeinen Bun­des­li­ga­coa­ches, er gehört also schon jetzt eher in die Reihe der Reh­ha­gels und Schaafs. Des­halb passt es zur Bremer Tra­di­tion, dass der Klub trotz der zweiten sehr pro­ble­ma­ti­schen Saison in Folge an ihm fest­hält. Zumin­dest auf den ersten Blick.

Schaut man sich die Sache genauer an, wirkt das Han­deln des Werder-Vor­standes schon seit län­gerer Zeit ziem­lich erra­tisch. Dass Koh­feldt im letzten Sommer wei­ter­ma­chen durfte, obwohl der SV Werder in der Bun­des­liga und ins­be­son­dere in den Rele­ga­ti­ons­spielen gegen den 1.FC Hei­den­heim den Papst in der Tasche hatte, mag man noch ver­stehen, nach dem Motto: Jetzt haben wir den Karren zusammen aus dem Dreck gezogen, jetzt arbeiten wir auch in dieser Kon­stel­la­tion daran, dass es besser wird.

Zu spät für einen Trai­ner­wechsel

Danach aber wurde es seltsam. Es mag ja sein, dass Werder sich den Groß­teil der aktu­ellen Saison weit jen­seits der Abstiegs­ränge auf­ge­halten hat, was aber nichts daran ändert, dass dieser früher für mit­rei­ßende Spiele bekannte Verein fast durch­ge­hend einen ziem­lich gru­se­ligen Fuß­ball gespielt hat. Von den Klub­bossen um Frank Bau­mann und Marco Bode war dazu indes wenig zu hören, sogar dann noch, als die Bremer im letzten Sai­son­drittel ein Spiel nach dem anderen ver­loren – nur um dem Trainer kurz vor Sai­son­schluss dann doch noch die Pis­tole auf die Brust zu setzen, zu einem Zeit­punkt also, da ein neuer Mann allen­falls atmo­sphä­risch, aber kei­nes­falls tak­tisch noch etwas aus­richten kann.

Arminia Bie­le­feld hat mal einen Spieltag vor Sai­son­ende Jörg Berger als Retter geholt, sich dafür den Spott der gesamten Repu­blik zuge­zogen und den Quatsch mit dem ver­dienten Abstieg bezahlt. Sehr weit davon ist auch die Werder-Stra­tegie der letzten Woche nicht, wonach ein Coach, der drei­ein­halb Jahre im Amt ist, aus­ge­rechnet im Pokal-Halb­fi­nale nach­weisen soll, dass er für die aus­ste­henden drei (!) Bun­des­li­ga­spiele noch der Rich­tige ist. In jedem Fall ist dieses Vor­gehen unwürdig gegen­über dem tra­di­tio­nellen Umgang des Ver­eins mit seinen Trai­nern im All­ge­meinen und Flo­rian Koh­feldt im Beson­deren. Als würde jemand, der schon seit fast vier Jahren in der Spar­kasse Vege­sack arbeitet, auf einmal eine Pro­be­zeit absol­vieren müssen.

Das Pokal­spiel sagt gar nichts aus

Es würde des­halb nicht ver­wun­dern, sollte die Werder-Füh­rung auch beim Umgang mit dem auf dra­ma­ti­sche Weise ver­lo­renen Pokal­spiel gegen Leipzig dane­ben­liegen. Ohne Frage hat sich das Team gegen den favo­ri­sierten Gegner den Hin­tern auf­ge­rissen, doch das sollte normal sein in einem Spiel mit der Per­spek­tive, sich für ein DFB-Pokal­end­spiel zu qua­li­fi­zieren. Allein daraus Argu­mente für eine Wei­ter­be­schäf­ti­gung Koh­feldts abzu­leiten, ist aben­teu­er­lich. Rein fuß­bal­le­risch waren die Bremer gegen RB näm­lich kaum besser als in den letzten Monaten. Über die Aus­sichten der Mann­schaft, die Klasse zu halten, sagt dieses Spiel wenig, ach was, gar nichts aus.

Sollte der Kelch dagegen doch noch mal an dem Tra­di­ti­ons­klub vor­bei­gehen, sollten Flo­rian Koh­feldt und der SV Werder sich spä­tes­tens zum Sai­son­ende trennen, zum Besten für alle Betei­ligten. Aus den vor­ge­nannten Gründen, aber auch, weil sie nach zwei Fuß­ball­jahren am Rande des Ner­ven­zu­sam­men­bruch reif für einen Neu­an­fang sind. Zwar heißt es in der Han­se­stadt gewohn­heits­mäßig Dreimal ist Bremer Recht“. Der Bun­des­li­ga­ab­stieg ist damit aller­dings nicht gemeint.