Prof. Dr. Tim Meyer, der Stürmer Lass Ban­goura aus Guinea hat vor einigen Tagen den Kader seiner Natio­nal­mann­schaft ver­lassen, um nach Spa­nien zurück­zu­kehren, weil seine Mit­spieler von Rayo Valle­cano ihn darum inständig gebeten haben. Der Grund: Angst vor einer mög­li­chen Ebola-Infek­tion. Ist diese Angst berech­tigt?
Panik­re­ak­tionen sind aus meiner Sicht nicht sinn­voll. Gegen der­ar­tige Ängste hilft am besten Auf­klä­rung. Wer nicht in unmit­tel­baren Kon­takt mit einem bereits erkrankten Men­schen kommt, steckt sich auch nicht an. Inso­fern wären auch Hin­weise für ange­mes­senes Ver­halten in Guinea oder sogar eine drei­wö­chige Beob­ach­tungs­phase nach Rück­kehr denkbar, auch wenn das im pro­fes­sio­nellen Fuß­ball natür­lich schwierig ist. Hinter dieser Angst steckt Unwis­sen­heit, daher kann ich die Spieler von Rayon Valle­cano ver­stehen.

Der Fall zeigt, dass die Panik­mache in Sachen Ebola offenbar auch den Welt­fuß­ball erfasst hat. Jüngst musste AC Mai­land-Mann Michael Essien, gha­nai­scher Natio­nal­spieler, via Twitter Gerüchte demen­tieren, er habe sich mit Ebola ange­steckt.
Das beweist, dass die unmit­tel­baren Aus­wir­kungen auf das Leben in Europa schnell über­trieben werden – im pro­fes­sio­nellen Fuß­ball mit seiner Medi­en­prä­senz natür­lich noch einmal stärker. Fakt ist: Als poten­ziell anste­ckend muss eine Person ange­sehen werden, wenn sie in den ver­gan­genen drei Wochen in den betrof­fenen Gebieten war und jetzt Fieber hat. Nicht jede Person, die die Grenze zu Sierra Leone oder Guinea über­schreitet, steckt sich auto­ma­tisch an. Fol­ge­richtig besteht auch null Risiko, sich bei einer Person anzu­ste­cken, die diese Bedin­gungen nicht erfüllt.

Die Bild“-Zeitung hat sich Gedanken über das Horror-Sze­nario“ gemacht, dass einer der vielen in der Bun­des­liga spie­lenden Afri­kaner das Virus mit nach Deutsch­land bringt und andere Spieler ange­steckt werden. Spielen wir dieses Sze­nario mal durch: Wie groß schätzen Sie die Gefahr ein, dass ein infi­zierter Fuß­baller einen anderen ansteckt?
Zunächst mal: Wenn ein Spieler nicht inner­halb der ver­gan­genen 21 Tage in einem Land war, wo Ebola-Fälle gemeldet wurden, dann ist er selbst­ver­ständ­lich nicht infi­ziert. Nur weil ein Spieler aus Afrika kommt, heißt das doch nicht, dass er gefährdet ist. Das wäre so, als wenn in Por­tugal ein Virus aus­bricht und man als Deut­scher in Ägypten für krank gehalten werden würde, bloß, weil man eben­falls aus Europa kommt. Hinzu kommt, dass ein Fuß­baller, bei dem die Erkran­kung aus­bre­chen würde, – und nur dann könnte man sich anste­cken, kaum in der Lage wäre, zu trai­nieren oder gar zu spielen. Schließ­lich weisen ja schon die von Ihnen genannten Schlag­zeilen darauf hin, dass ein sol­cher Spieler gewiss unter beson­derer Beob­ach­tung stehen und man ver­däch­tige Sym­ptome sicher­lich nicht über­sehen würde.

Vom 17. Januar bis zum 8. Februar 2015 findet in Marokko der nächste Afrika-Cup statt. Das Gesund­heits­mi­nis­te­rium des Gast­ge­bers bat jüngst um eine Ver­le­gung des Tur­niers – aus Angst vor Ebola. Ist das nach­voll­ziehbar?
Den Marok­ka­nern geht es wohl eher um anrei­sende Fans, als um die Spieler. Ich bin mit dem Ablauf eines Afrika-Cups nicht so ver­traut, aber wenn dort wie bei einer EM oder WM aus allen mög­li­chen Län­dern Men­schen ohne große Kon­trollen ins Land strömen, könnte das durchaus zum Pro­blem werden. Da wären dann sicher­lich auch Fans aus den von Ebola betrof­fenen Län­dern dabei. Und wenn man diese Rei­se­ströme nicht kon­trol­lieren kann, wäre das in der Tat gefähr­lich.

Wie kann man dagegen vor­gehen?
Nun, ent­weder man ver­schiebt das Tur­nier tat­säch­lich. Oder man unter­sagt Men­schen, die sich in den ver­gan­genen drei Wochen in den betrof­fenen Län­dern auf­ge­halten haben, die Ein­reise nach Marokko. Inwie­fern das poli­tisch opportun ist, steht natür­lich auf einem anderen Blatt.

Wen sehen Sie jetzt in der Pflicht, um aus den ersten Gerüchten über mög­li­cher­weise infi­zierte Fuß­baller keine Panik werden zu lassen?
Das ist ja kein Fuß­ball-spe­zi­fi­sches Pro­blem, von daher liegt es an den Gesund­heits­be­hörden, so viel Auf­klä­rung und Infor­ma­tion wie mög­lich zu leisten. Die Unwis­sen­heit ist bei diesem Virus in Europa aktuell die größte Gefahr.