Seite 3: Breites Grinsen und Kuchen in der Mitte

Und so sehr mir auch das Gefühl fehlt, dass sich im Bauch breit­macht, sobald im Eck­chen einem Mit­spieler der Ball durch die Beine gespielt wird. So sehr ich es ver­misse, mir an Spiel­tagen Knie in Leisten und Leisten an Köpfe – ja, das ist mög­lich – zu schlagen. Und so sehr ich möchte, dass mir der Atem ras­selt nach dem dritten Sprint die Linie runter, ohne dabei an eine dro­hende Virus­er­kran­kung zu denken – es gibt Schlim­meres.

Zuhause zu bleiben hat genau genommen auch seine Vor­teile: Mein Knie, das sich nach den letzten Spielen immer für 24 Stunden nicht mehr bewegen und das Trep­pen­gehen doch etwas müh­selig werden ließ, kann sich mal wieder etwas aus­ruhen. Ich lege die Beine hoch und sehe mir in den schlimmsten Stunden alle 65 Frei­stoß­tore von David Beckham an. Mein letzter Frei­stoß, zum Bei­spiel, endete absolut vor­her­sehbar in der Mauer.

Kuchen und Kabi­nen­musik

Ich ver­misse es. Nicht wegen des Sports, son­dern wegen der Mann­schaft. Ich ver­misse es, mit Emre um eine Capri-Sonne zu wetten, wer das Tor als erstes trifft, ohne dass der Ball vorher auf­kommt. Ich ver­misse das breite Grinsen von Andi vor jedem Trai­ning, als nähme er jede Teil­nahme per­sön­lich. Ich ver­misse es, zu sehen, wie Steve vorne seinen ganzen Körper wie einen Bogen anspannt bevor er sagen­haft hart aufs Tor schießt. Ich ver­misse die bescheu­erte Kabi­nen­musik und den Kuchen in der Kabi­nen­mitte an jedem Spieltag. Umso erstaun­li­cher: Vor einem halben Jahr kannte ich nichts davon.

Alles, was wir tun können

Eine Fuß­ball­mann­schaft ist die Ver­dich­tung von Gesell­schaft. Wir haben in den letzten Wochen zusammen gefeiert, sind nach Spielen in Poli­zei­kon­trollen gerast, haben von unseren Träumen erzählt, uns anein­ander hoch­ge­zogen und getröstet. Alles, was wir jetzt tun könnten, wäre uns anzu­ste­cken.

Ganz beson­ders ver­misse ich es, nach Siegen zurück in diese Kabine zu kommen. Nach einem 2:0 in Köpe­nick, wenn der Auf­stieg wieder ein Stück näher gerückt ist, Bier fei­er­lich geöffnet und für unseren Donnie, den Fran­zosen, unseren ver­läss­li­chen Ver­tei­diger auf voller Laut­stärke Auuuuux Champs-Ély­seés!” gespielt wird. Wenn wir uns für einen Tag wie Könige fühlen.