Woche für Woche das gleiche Bild. Woche für Woche sitzt Sport­vor­stand Jochen Schneider auf der Tri­büne eines deut­schen Fuß­ball­sta­dions, in dem der FC Schalke 04 wieder einmal ver­geb­lich ver­sucht, ein Fuß­ball­spiel zu gewinnen. Die Maske vor Mund und Nase, den Blick leicht nach unten gerichtet, sitzt Schneider meist regungslos da. Er blickt auf die Mann­schaft, die er zusam­men­ge­stellt hat. Wobei, eigent­lich blickt er ins Leere. Schalke im Jahr 2020. Ganz unten und leer. Leeres Sta­dion, leere Kassen, blut­leere Auf­tritte.

So wie am Mitt­woch gegen den SC Frei­burg. Obwohl es zuletzt klei­nere Fort­schritte im Spiel gegeben hatte, lie­ferte die Mann­schaft von Manuel Baum eine Partie ab, die kaum ent­schuldbar ist. Gegen einen direkten Kon­kur­renten im Abstiegs­kampf gab es eine 0:2‑Niederlage, fast ohne jede Gegen­wehr.

Fatale Per­so­nal­ent­schei­dungen

Es war das zehnte Bun­des­li­ga­spiel unter Manuel Baum ohne Sieg. So eine Serie ist für jeden Trainer schwer zu über­stehen. Auf Schalke ist es im Grunde ein Ding der Unmög­lich­keit. Und so ver­kün­dete der Verein am Freitag, dass anstelle von Manuel Baum der Jahr­hun­dert­trainer Huub Ste­vens gemeinsam mit Co-Trainer Mike Büs­kens für die letzten beiden Spiele des Jahres die Mann­schaft über­nimmt. Nach dem Jah­res­wechsel soll dann ein neues Gesicht die Mis­sion Klas­sen­er­halt angehen. Es wird dies dann der sechste Trainer seit Jochen Schnei­ders Dienst­an­tritt im März 2019 sein.

Zwei dieser Trainer, David Wagner und Manuel Baum, muss der klamme FC Schalke 04 noch bis zum Ende ihrer Ver­träge im Sommer 2022 bezahlen. Diese Ver­träge stehen exem­pla­risch für die kata­stro­phalen Kon­se­quenzen, die der Verein auf­grund von Schnei­ders Per­so­nal­ent­schei­dungen sport­lich und finan­ziell tragen muss: An David Wagner hielt er über die Som­mer­pause hinweg fest, nur um diesen dann nach zwei Spiel­tagen zu ent­lassen. Bei Nach­folger Baum war Schneider über­zeugt, dass dieser als Mensch und Trainer sehr gut zu Schalke 04 passt“. Auch diese Ein­schät­zung muss er nun keine drei Monate später revi­dieren.

Ver­hee­rende Bilanz, nicht nur auf dem Trai­ner­posten

Wie Kicker und Bild berichten, ret­tete Schneider mit Baums Ent­las­sung offenbar seinen eigenen Job. Hätte er darauf bestanden, Baum weiter zu beschäf­tigen, hätte ihn der Auf­sichtsrat wohl abbe­rufen.

Mög­li­cher­weise darf der Sport­vor­stand aber auch nur wei­ter­ma­chen, weil die Klub­füh­rung der­zeit keine (bezahl­baren) Alter­na­tiven sieht. Denn Schnei­ders Bilanz ist nicht nur auf dem Trai­ner­posten ver­hee­rend. Die Zusam­men­stel­lung des Kaders wirkt will­kür­lich. Ein Plan oder eine Idee, beides ist nicht zu erkennen. Glei­ches gilt für die Außen­dar­stel­lung: Noch im Sommer ver­spra­chen Schneider und sein Vor­stands­kol­lege Alex­ander Jobst neue Trans­pa­renz. Doch das Gegen­teil ist der Fall: Mona­te­lang mussten die Mit­glieder auf Infor­ma­tionen warten, wann und in wel­cher Form die nächste Mit­glie­der­ver­samm­lung statt­findet. Auch der offene Brief, in dem sich der Vor­stand zu har­sche öffent­liche Kritik an ein­zelnen Per­sonen verbat, wirkte wie eine pein­liche Abwehr­re­ak­tion.

Den­noch erhält Jochen Schneider nun noch einmal eine Chance. Und die ver­sucht er, mit Huub Ste­vens als Inte­rims­trainer zu nutzen. Hat ja schließ­lich schon einmal funk­tio­niert, 2019 war das, als Ste­vens die Mann­schaft zehn Spieltag vor Sai­son­ende über­nahm und (mit einem Punk­te­schnitt von 1,0) zum Klas­sen­er­halt führte. Der ent­täu­schende Auf­tritt gegen den SC Frei­burg hat uns gezeigt, dass die Mann­schaft einen neuen Impuls braucht, um die Partie erfolg­reich bestreiten zu können“, lässt sich Schneider in der Ver­eins­mit­tei­lung zum Trai­ner­wechsel vor dem so wich­tigen Spiel in Bie­le­feld zitieren. Viel­leicht ist es aber nicht nur die Mann­schaft, die einen neuen Impuls braucht. Viel­leicht ist es die gesamte sport­liche Füh­rung.