Es gab viele und lange Dis­kus­sionen“, bekennt Klub­chef Niclas Carlnén. Letzt­lich aber habe man so ent­scheiden, weil man gar nicht anders konnte: Seit Don­nerstag ver­gan­gener Woche darf Kingsley Sarfo wieder mit­trai­nieren. Der gha­nai­sche Tor­jäger von Malmö FF tauchte erst­mals seit vier Monaten wieder am Ver­eins­ge­lände auf, begleitet von stür­mi­schen Pro­testen der Fans. Die ent­rollten einen Tag später ein 20 Meter breites Trans­pa­rent am Trai­nings­platz. Darauf stand klipp und klar zu lesen: Sarfo ver­dient unser him­mel­blaues Trikot nicht“. Das ist durchaus keine Ein­zel­mei­nung. Alle großen MFF-Fan­grup­pie­rungen haben sich klar gegen eine Auf­he­bung der Sus­pen­die­rung des Stür­mers aus­ge­spro­chen. Ganz Schweden zeigt sich ent­setzt dar­über, dass Sarfo plötz­lich wieder im Trai­ning mit­mi­schen darf. Und womög­lich bald spielt?

Sus­pen­die­rung auf­ge­hoben

Es ist kein ein­fa­cher Fall, der sich da gerade in Malmö abspielt. Kingsley Sarfo wird des sexu­ellen Miss­brauchs einer Min­der­jäh­rigen beschul­digt – in zwei Fällen. Die Fak­ten­lage spricht, nach allem, was zu hören ist, klar gegen den 22-Jäh­rigen. Zumal er selbst die sexu­ellen Hand­lungen gar nicht bestreitet. Doch weil sich die Vor­un­ter­su­chung zu dem bevor­ste­henden Gerichts­ver­fahren scheinbar endlos hin­zieht, sah sich der Verein nun gezwungen, die Sus­pen­die­rung gegen seinen Ange­stellten auf­zu­heben. Schließ­lich, so Niclas Carlnén, können man ja keinen Unschul­digen bestrafen. Und solange Sarfo nicht ver­ur­teilt ist, gilt: Er ist unschuldig. So ein­fach ist das. Und so kom­pli­ziert.

Im Sommer hatte Kingsley Sarfo noch ganz andere Schlag­zeilen geschrieben. Der Son­nyboy-Stürmer, der bereits als Teen­ager nach Schweden gekommen war, galt plötz­lich als ernst­hafter Kan­didat für die A‑Nationalmannschaft der Skan­di­na­vier. Medi­en­be­richten zufolge hatte sich der schwe­di­sche Ver­band bereits nach Mög­lich­keiten für ein beschleu­nigtes Ein­bür­ge­rungs­ver­fahren bemüht. Sarfo wurde zur natio­nalen Ange­le­gen­heit, obwohl er bis heute gerade mal fünf Erst­liga-Tore erzielt hatte. Dann aber folgte die Kehrt­wende: Der Hoch­be­gabte ent­schied sich, lieber für sein Geburts­land Ghana zu spielen. So weit, so gut.

In bei­der­sei­tigem Ein­ver­nehmen

Im Herbst aber schockte diese Nach­richt die schwe­di­sche Öffent­lich­keit: Kingsley Sarfo war von der Polizei ver­haftet worden, am 26. Sep­tember. Der schwer­wie­gende Vor­wurf, der im Raum stand: Ver­ge­wal­ti­gung einer Min­der­jäh­rigen, in gleich drei Fällen. Die skan­di­na­vi­schen Zei­tungen waren voll davon, das Fern­sehen berich­tete tagein, tagaus. Auch wenn die meisten Medien – aus recht­li­chen Gründen – Sarfos Namen nicht nannten: Jeder wusste, um wen es hier ging. Malmö FF sus­pen­dierte Sarfo sofort nach dessen Fest­nahme, denn der Fall schien son­nen­klar. Nie­mand erwar­tete, dass der Afri­kaner je wieder in Malmö spielen oder trai­nieren würde. Zumal der Beschul­digte tage­lang hinter Git­tern ver­blieb. Erst am 1. Oktober wurde Sarfo vor­läufig auf freien Fuß gesetzt. Eine solch lange Unter­su­chungs­haft gilt in Schweden als klares Indiz für einen beson­ders drin­genden Tat­ver­dacht.

Inzwi­schen hatte das ›Opfer‹ aller­dings erklärt, die sexu­ellen Hand­lungen seien in bei­der­sei­tigem Ein­ver­nehmen erfolgt. Von Ver­ge­wal­ti­gung war plötz­lich keine Rede mehr. Den­noch blieb der Vor­wurf des Miss­brauchs einer Min­der­jäh­rigen in min­des­tens zwei Fällen, da die Betrof­fene zum rele­vanten Zeit­punkt deut­lich unter 16 war. Laut der Zei­tung Syds­venskan“ war das Mäd­chen zum frag­li­chen Zeit­punkt sogar erst 14.