Jeg­liche Sieges- wie Nie­der­la­gen­serie annul­liert, weder Auf- noch Abstiege, keine Tor­jä­ger­liste, keine Gelb- und Rot­sperren, keine weißen Westen, kein Team, kein Tor, kein Spieler der Saison. Nichts. Der bri­ti­sche Ama­teur­fuß­ball der Saison 2019/20 hat offi­ziell nicht statt­ge­funden. Ver­gan­gene Woche hatte die FA ent­schieden, die Saison zu annul­lieren. Jetzt stemmen sich über 130 Ver­eine in einem Brief gegen die Ent­schei­dung.

Im Unterbau des eng­li­schen Fuß­balls rumort es. 91 natio­nale Ligen, sämt­liche lokalen Spiel­klassen und die Ligen abwärts der zwei höchsten im Frau­en­fuß­ball sind von der Ent­schei­dung, die Saison zu beenden, betroffen. Wäh­rend im pro­fes­sio­nellen Seg­ment bespro­chen wird, wie die Saison am smar­testen zu Ende gebracht wird, wurden alle Ergeb­nisse im Ama­teur­be­reich ein­ge­froren, kon­ser­viert und auf Null gesetzt. Doch das Vor­gehen der Ver­ant­wort­li­chen stößt auf hef­tige Kritik.

Unter­stüt­zung von League One-Teams

So heißt es in einem offenen Brief, den über 130 Ver­eine (unter anderem die dritt­klas­sigen League-One-Teams Peters­bo­rough United und Lin­coln City) unter­schrieben haben: Unsere Sorge ist zunächst in der unnö­tigen und uner­klär­li­chen Eile der Ent­schei­dung begründet.“ Gerade einmal 13 Tage lagen zwi­schen dem Stoppen des kom­pletten eng­li­schen Fuß­ball­be­triebs und dem Schritt, die Saison im Ama­teur­fuß­ball auf Null zu setzen. 

Man hätte sich vie­ler­orts schlicht mehr Zeit gewünscht und somit die Mög­lich­keit, an einer Dis­kus­sion teil­zu­haben. Die FA begrün­dete den Zeit­punkt der Ent­schei­dung indes damit, sich einen Pla­nungs­spiel­raum für die kom­mende Saison zu schaffen.

In dem Brief heißt es weiter, es habe einen großen Mangel an sub­stan­zi­ellem Dialog“ gegeben. Von Beginn an sei die FA intrans­pa­rent vor­ge­gangen, wes­halb die For­de­rung der Klub­ver­treter nun deut­lich klingt: Wir suchen drin­gend den kon­struk­tiven Dialog mit der FA, um die Ent­schei­dung zu über­denken.“

Dahin­ge­hend drohen die Ama­teur­klubs sogar, recht­liche Schritte ein­zu­legen, sollte es die FA bei dem Beschluss belassen. Denn noch blieb die Bestä­ti­gung vom FA Council, dem Rat des eng­li­schen Fuß­ball­ver­bandes, aus. Ganz offi­ziell ist die Saison dem­nach noch nicht annul­liert. Ein kleiner Stroh­halm, für die zahl­rei­chen kleinen Klubs, die sich vom großen Fuß­ball vor den Kopf gestoßen fühlen.

Bloß Augen für die Pre­mier League?

In Zeiten der Krise zeigt sich, wie es um die Bezie­hung der FA zum Non-League-Foot­ball, dem Brei­ten­fuß­ball in Eng­land, bestellt ist. Über­geht der Ver­band den nie­der­klas­sigen Fuß­ball, legt das Augen­merk bloß auf die glän­zende Pre­mier League? Der Vor­wurf schwingt mit.

Beson­ders empört zeigen sich Ver­eine wie der South Shields FC, für den der Auf­stieg bloß noch Form­sache war. Der Klub aus dem Norden Eng­lands führte sou­verän die Nort­hern Pre­mier League an. 12 Punkte trennte sie vom zweit­plat­zierten FC United of Man­chester. Der Vor­sprung: gelöscht. Wie die 21 Siege und 64 Tore.

Ob South Shields nächstes Jahr in der sechsten oder siebten Liga spielt, macht finan­ziell für den kleinen Verein einen großen Unter­schied. Für die Fans hin­gegen scheint das eher eine zweit­ran­gige Rolle. Bereits jetzt sind 200 Dau­er­karten für die kom­mende Saison über die Laden­theke gegangen, wie der Verein ver­kün­dete.

Anderen Ver­einen hin­gegen wird die Annul­lie­rung vor­kommen wie ein Ret­tungs­ring, her­bei­ge­schleu­dert vom Fuß­ball­gott höchst per­sön­lich. Den Letzt­plat­zierten Staf­ford Ran­gers etwa trennen 46 Punkte von South Shields. Hier wurde min­des­tens seit Februar schon für Liga 8 geplant. Den Brief an die FA haben die Ver­ant­wort­li­chen übri­gens (noch) nicht unter­schrieben.