Herr Beeck, wie hat sich der 1. FC Union ver­än­dert, seit Sie ihn 2011 ver­lassen haben?
Das Grund­ele­ment Fuß­ball wird nach wie vor gespielt. Und auch die Grund-DNA ist geblieben: Man muss jeden Tag 24 Stunden für den 1. FC Union leben. Das ist nicht anders als bei anderen Tra­di­ti­ons­ver­einen wie Schalke und Dort­mund oder Aue und Dresden. Im Spon­so­ring- und Mar­ke­ting­be­reich hat sich natür­lich so einiges ver­än­dert.

Weil mehr Geld im Spiel ist?
Ich weiß noch, dass wir 2005/06 für die Ein­la­dungen zur Mit­glie­der­ver­samm­lung Geld für die Brief­marken suchen mussten, weil die Kasse leer war. Prä­si­dent Dirk Zingler ist ein­ge­sprungen. Wie so oft in der dama­ligen Zeit. Inzwi­schen sind ganz andere Summen im Umlauf. Union hat sich etwas auf­ge­baut, das Respekt ver­dient. Es war zwar nicht billig, aber sie haben es gepackt.

Und jetzt kommt auch noch eine Immo­bi­li­en­firma als Haupt­sponsor dazu.
Das ist ein Pro­blem für einen Verein, der sich eigent­lich gegen Kom­merz aus­spricht. Ver­stehen Sie mich nicht falsch: Ich mag meine Unioner und liebe den Verein, ich bin da fuß­bal­le­risch groß geworden. Ich finde es aller­dings sehr schade, dass Union seit Jahren so tut, als wäre man weniger kom­mer­ziell als die anderen. Dass man zur eigenen Kom­merz­story nicht steht, kann ich nicht ver­stehen.

Union ist also ein Klub wie jeder andere?
Natür­lich, er ist Bestand­teil des Fuß­ball­zir­kusses und damit genauso kom­mer­ziell wie alle anderen. Ansonsten würde das Fuß­ball­ge­schäft gar nicht funk­tio­nieren. Zumal der Verein ja schon ein paar merk­wür­dige Mög­lich­keiten dies­be­züg­lich hinter sich hat.

Was genau meinen Sie?
Aktien zur Finan­zie­rung eines Sta­di­on­baus zu nutzen, ist kom­mer­ziell gesehen per­fekt. Passt aber nicht zu Union. Auch wenn man als Mit­glied anschlie­ßend zum Sta­dion gehört. Am Ende ist es eine schwere kom­mer­zi­elle Form des Finanz­marktes. Und das bei Union, bei einem Verein, der angeb­lich nicht kom­mer­ziell ist. Jetzt eine Immo­bi­li­en­firma als Haupt­sponsor, gerade in Berlin mit einem großen Wohn­miet­pro­blem. Da sieht auch der letzte Fan, dass Union ein Klub ist wie jeder andere. Aber Geld regiert die Welt im Fuß­ball, es geht nicht anders.

Wirk­lich nicht?
Offenbar nicht. Sonst hätte Union den Sponsor ja nicht genommen, die Dis­kus­sionen, die jetzt auf­kommen, hätte man sich bestimmt lieber erspart.