Borussia Dort­mund hat das Nazi­pro­blem auf den Rängen lange igno­riert und ver­harm­lost. Auf den Rängen konnten Rechts­ex­treme lange unbe­hel­ligt auf­treten und agi­tieren. Sie trugen ver­bo­tene Klei­dungs­marken, zeigten Banner für den ver­bo­tenen Natio­nalen Wider­stand“ und drang­sa­lierten andere Fans. Auch im Ord­nungs­dienst arbei­teten Per­sonen aus der rechten Szene.

Doch seit einigen Jahren betreibt der Verein ent­schieden und mit viel­fäl­tigen Aktionen den Kampf gegen Rechts­ex­tre­mismus. Auch inner­halb der orga­ni­sierten Fan­szene hat in diesem Zusam­men­hang ein Pro­zess der Selbst­re­gu­lie­rung ein­ge­setzt. Ultra­gruppen schlossen Mit­glieder mit rechts­ex­tremer Gesin­nung aus, auf der Süd­tri­büne sind immer häu­figer Spruch­bänder mit klaren State­ments zu sehen wie Nazis ent­tarnen und bekämpfen“.

Die rechts­ra­di­kale Hool­gruppe Borus­sen­front“ trifft spä­tes­tens seit diesem Sommer auf eine breite Front inner­halb der Dort­munder Ultra­szene. Da griffen Rechts­ex­treme Mit­glieder der Ultra­gruppen THE UNITY“ und Jubos“ an, bei einem Test­spiel kam es zu hef­tigen Schlä­ge­reien. Dar­aufhin sollen sich alle Ultra­gruppen end­gültig im Kampf gegen die Borus­sen­front“ und deren Partei Die Rechte“ soli­da­ri­siert haben. Nach den Spielen der Profis und wäh­rend jenen der Zweiten Mann­schaft kam es dar­aufhin immer wieder zu Aus­ein­an­der­set­zungen.

Abspal­tung von anderen Ultra­gruppen

Mitten in dieser ohnehin ange­spannten Situa­tion tritt eine neue gefähr­liche Gruppe auf den Plan. In diesem Sommer schlossen sich Per­sonen zusammen, die die offene Kon­fron­ta­tion suchen, vor allem mit den Fäusten. Eine Union der Schläger.
Die Gruppe nennt sich 0231 Riot“ (0231 ist die Tele­fon­vor­wahl von Dort­mund) und zeigte sich erst­mals bei den Qua­li­fi­ka­ti­ons­spielen der Europa League. Der Gruppe sollen 40 bis 50 Per­sonen ange­hören, die zuvor in anderen Ultra­gruppen orga­ni­siert waren, vor­rangig bei den Despe­rados“.

Wie der Name bereits nahe­legt, ist die Gruppe gewalt­ori­en­tiert. Auf ihrem Banner prä­sen­tiert sie den Schriftzug Für Stadt und Verein – Ultras Borussia Dort­mund“, daneben das BVB-Wappen und ein sti­li­siertes h“ als Zei­chen der Hoo­li­gans. Im West­fa­len­sta­dion nimmt sie den Platz über dem Ein­gang zu Block 13 ein, andere Fans soll sie dort gewaltsam ver­trieben haben.

Schlä­gerei mit der Borus­sen­front“

Man könne 0231 Riot“ aller­dings nicht explizit als Nazi­haufen“ titu­lieren, so sagen es meh­rere Kenner der BVB-Fan­szene gegen­über 11FREUNDE, die aber nicht nament­lich genannt werden wollen. Auch diese Hoo­li­gans würden sich gegen die Borus­sen­front“ und deren Partei Die Rechte“ stellen. Beide Gruppen sollen zuletzt sogar auf­ein­ander ein­ge­schlagen haben.

Das neue Bündnis gilt aber als zumin­dest rechts­offen. Die Mit­glieder feinden Dort­munder Fans für ihr Enga­ge­ment gegen Dis­kri­mi­nie­rung und Ras­sismus an, das sie als linke Politik miss­deuten. Die Parole der Angreifer ist auch in anderen Fuß­ball­stand­orten bekannt: Keine Politik im Sta­dion“. Hinter diesem Deck­mantel dulden sie rechts­ex­tremes Gedan­kengut, solange es nicht offen gezeigt wird, und ver­ur­teilen öffent­liche Bekennt­nisse anderer gegen Ras­sismus und Anti­se­mi­tismus. Die krude Logik dahinter: Jeder, der sich gegen Ras­sismus stellt, sei zwangs­läufig links.