Rainer Wulff, machen Sie sich manchmal noch Vor­würfe?
Eigent­lich nicht. Sollte ich?

In einer ihrer Erzäh­lungen berichten Sie davon, dass sie als Tele­fon­joker bei Wer wird Mil­lionär“ einem St. Pau­lianer nicht zum großen Geld ver­helfen konnten.
Er gewann trotz meiner Unwis­sen­heit 32.000 Euro, das erleich­terte mir den Umgang mit meinem Ver­sagen. Ich wusste aller­dings direkt nach dem Anruf nicht, wie sein Auf­tritt aus­ging, weil die Sen­dung auf­ge­zeichnet wurde. Ich ver­suchte ihn dann panisch zu errei­chen und erfuhr, dass er die doch statt­liche Summe mit­nehmen konnte (lacht). Geär­gert habe ich mich vor allem im Nach­hinein, weil ich die 64.000 Euro-Frage, bei der er aus­stieg, hätte beant­worten können.

Die WWM-Tele­fon­joker-Geschichte ist nur eine von vielen auf ihrem Hör­buch Vom Runden ins Eckige“. Wie kam es zu diesem Pro­jekt?
Ich hab vier Jahr­zehnte als Jour­na­list beim NDR gear­beitet und habe dort auch schon Glossen und sati­ri­sche Texte geschrieben. Als ich das erste Mal von der Lese­bühne LÄNGS ein­ge­laden wurde, schienen die Zuhörer meine eigens dafür neu ver­fassten Texte zu mögen. Daraus wurde eine lose Zusam­men­ar­beit. Die Idee des Hör­buchs ent­stand aus den vielen Nach­fragen des Publi­kums. Es han­delt sich um Kurz­ge­schichten, vor­ge­tragen von mir und drei Gast­au­toren. Wir wollten das Geld aber nicht in unsere eigene Tasche ste­cken und so ent­stand die Idee, die Ein­nahmen in das Pro­jekt des geplanten FC St-Pauli-Museums zu ste­cken. 

Waren Sie vorher schon ein Fan von Hör­bü­chern?
Nicht wirk­lich. Der Pro­duk­ti­ons­pro­zess war aber span­nend. Wir pro­du­zierten ein­fach alles auf eigene Faust und haben dann ein Label gesucht und gefunden. Nor­ma­ler­weise läuft das andersrum, aber wir hatten beim Label Grand Hotel van Cleef sofort Erfolg. Ich hörte unsere Geschichten gefühlte 50 Mal beim Schneiden der Auf­nahmen und habe mich noch immer amü­sieren können. Das war ein gutes Zei­chen! 

War es eine bewusste Ent­schei­dung, nicht nur Erzäh­lungen über den Fuß­ball für das Hör­buch auf­zu­nehmen?
Fuß­ball sollte auf jeden Fall der Auf­hänger sein, weil wir durch meine Nähe zu den Pauli-Fans schon mal eine recht große Ziel­gruppe im Auge haben. Die Fuß­ball­nerds kommen aber vor allem durch die Geschichten von Chris­toph Nagel, der u.a. auch als lite­ra­ri­scher Erfinder von Gegen­ge­raden-Gerd“ bekannt ist, auf ihre Kosten. Es war uns aber wichtig, auch Leute anzu­spre­chen, die keinen Bezug zum Fuß­ball haben. Der Groß­teil der Geschichten spielt sich abseits des Platzes ab.

Die Auf­nahmen des Hör­buchs stammen von zwei Lesungen. Ärgert man sich, wenn bei ein­ge­planten Lachern der Raum still bleibt?
Man darf es sich ein­fach nicht zu Herzen nehmen, wenn wirk­lich mal an einer Stelle, an der sonst Lacher zu erwarten sind, nichts pas­siert. Manche Leute freuen sich mehr nach innen. Laut­starke Stim­mung im Publikum ist nicht unbe­dingt ein Maß­stab für die Reso­nanz. Man sollte auch nicht ver­su­chen, von Pointe zu Pointe zu jagen, son­dern den Texten Atem geben.