Seite 2: „Jetzt ist es Sache der Vereine, Stellung zu beziehen“

Dabei ist das Machismo-Pro­blem, spe­ziell unter den Ultra-Grup­pie­rungen, im ita­lie­ni­schen Fuß­ball nicht ganz neu. Frauen dürfen sich zwi­schen Turin und Neapel in den wenigsten Fan­szenen unters Volk mischen, werden in den Kurven allen­falls am Rand geduldet. Das gilt beson­ders für die poli­tisch vor­rangig rechts-geprägten Kurven wie bei Lazio, Juventus, Torino, Inter oder Hellas Verona – aber auch in vielen poli­tisch neu­tralen oder ten­den­ziell links­las­tigen Kurven wie beim AC Flo­renz oder bei der AS Livorno. Kaum ein weib­li­cher Fan käme ernst­haft auf die Idee, dieses unge­schrie­bene Gesetz“ zu miss­achten.

Inso­fern könnte man den Irre­du­ci­bili“ fast dankbar sein für ihr neu­estes Pam­phlet, denn es belegt Schwarz auf Weiß, was für ein Pro­blem der Fuß­ball in Ita­lien (und natür­lich nicht nur in Ita­lien) hat. Dass vor einigen Jahren mal eine junge Blon­dine als Capo“ vor den Ultras von Rekord­meister Juventus auf­trat, war übri­gens nur ein bil­liger PR-Gag – und selbst den fanden weite Teile der aktiven Fan­szene der Bian­co­neri“ nur bedingt witzig. Zumal die in der Juve-Kurve ton­an­ge­benden Drughi“ in anderen Sta­dien noch lange Zeit als Drughi-Girls“ ver­lacht wurden.

Jetzt ist es Sache der Ver­eine, Stel­lung zu beziehen“

Viel­leicht haben die Irre­du­ci­bili“ mit ihrem däm­li­chen Flyer sogar ein Umdenken in Ita­liens Fan­szenen und im Fuß­ball über­haupt ein­ge­leitet. Der Auf­schrei der Öffent­lich­keit war jeden­falls gewaltig, nachdem ihr Pam­phlet in den Sozialen Medien auf­ge­taucht war. Die renom­mierte Tages­zei­tung Il Mess­ag­gero“ mahnte: Jetzt ist es viel­leicht auch Sache der Insti­tu­tionen und der Ver­eine, Stel­lung zu beziehen. Spe­ziell derer, die im Olim­pico das Sagen haben.“ Gemeint waren der Vor­stand der Società Spor­tiva (kurz: SS) Lazio, zu deren Mit­glie­dern einst ein gewisser Benito Mus­so­lini zählte.

Doch Lazios Bosse fielen auch in jün­gerer Ver­gan­gen­heit nicht gerade durch beherztes Ein­treten für die Poli­tical Cor­rect­ness auf. Zumal sie wissen: Dort, wo ihren Ultras gut gemeinte Appelle ent­gegen hallen, tun die Dumpf­köpfe erst recht ihre wider­liche Welt­an­schauung kund: Wäh­rend eines Cham­pions-League-Spiels in Bremen im Jahr 2007 beant­wor­teten sie die Aktion Zusammen gegen Ras­sismus“ spontan mit dem Hit­ler­gruß. Man kann sich daher vor­stellen, dass Plä­doyers für die Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlechter bei ihnen bes­ten­falls auf taube Ohren stießen.