Regel­mä­ßige Besu­cher der Heim­spiele von Lazio Rom wun­dern sich eigent­lich über nichts mehr. Spe­ziell in der berüch­tigten Curva Nord“ des Olim­pico, in der die orga­ni­sierte Fan­szene zu Hause ist, bekommen Besu­cher am Ein­gang zu ihrem Block mit­unter befremd­liche Flyer in die Hand gedrückt. Am ver­gan­genen Wochen­ende war es mal wieder so weit.

Vor der 1:2‑Heimpleite der Haupt­städter gegen Napoli zum Auf­takt der Serie A ver­teilten düster drein­bli­ckende Gestalten weiße Hand­zettel mit einer Bot­schaft, die sich liest wie ein Pro­pa­ganda-Pam­phlet des Isla­mi­schen Staates“. Darin heißt es u.a.: Die Curva Nord ist für uns ein hei­liger Ort, mit unge­schrie­benen Gesetzen, die es ein­zu­halten gilt.“ Kon­kret ging es dem Ver­fasser um diese Regel“: Die ersten Reihen sollen wie immer eine festen Linie sein. Wir erlauben des­halb keine Frauen, Freun­dinnen oder Ehe­frauen. Daher for­dern wir diese drin­gend auf, sich ab Reihe 10 auf­wärts einen Platz zu suchen. Wer den Sta­di­on­be­such nur als Alter­na­tive zu einem roman­ti­schen Spa­zier­gang in der Villa Borghese (beliebter Park in Rom; d. Red.) sieht, soll sich lieber gleich einen Platz in einem anderen Sektor des Olim­pico suchen.“

Eine Direk­tive von Dia­bolik Pluto“

Am Fuße des Schrei­bens stand: Eine Direk­tive von Dia­bolik Pluto“. Folg­lich stammt die Anord­nung von einem der Köpfe der berüch­tigten, stramm rechten Laziali-Fan­grup­pie­rung Irri­du­ci­bili“, die in der Curva Nord (auch poli­tisch) den Ton angibt. Die Unre­du­zier­baren“ sind eine meh­rere tau­send Mann starke, fast para­mi­li­tä­risch orga­ni­sierte Truppe, die in Ita­lien und dar­über hinaus regel­mäßig für Ent­setzen sorgt.

1999 ent­rollten sie wäh­rend eines Stadt­derbys gegen die AS Roma ein 18 Meter langes Trans­pa­rent mit der Auf­schrift: Ausch­witz ist eure Heimat, die Öfen euer Zuhause“. 2017 brachten sie kleine Auf­kleber nach Art der Panini-Sam­mel­bilder in den Umlauf. Darauf abge­bildet, in einem Roma-Trikot: das 1945 im Kon­zen­tra­ti­ons­lager Bergen-Belsen ermor­dete jüdi­sche Mäd­chen Anne Frank, dessen Tage­buch heute welt­be­kannt ist.

Einer­seits könnte man ein­wenden: Im Ver­gleich zu sol­chen anti­se­mi­ti­schen, durch und durch men­schen­ver­ach­tenden Aktionen ist es doch eher ein Kava­liers­de­likt, wenn man – unter sub­tiler Gewalt­an­dro­hung – bestimmte Sta­di­on­sek­toren zur No-Go-Area für Frauen erklärt. Ande­rer­seits könnte man fragen: Was für ein Frau­en­bild haben diese Typen eigent­lich? Weib­li­chen Fans den Zugang zu den Rängen ver­bieten? Solch archai­sche Regeln kennt man doch eigent­lich nur aus fun­da­mental-isla­mi­schen Län­dern wie Saudi-Ara­bien, dem Iran oder dem Sudan. Aber – in Ita­lien?