Pedro Caruso macht seinem Ärger bei Twitter Luft: Ich würde gerne meine Familie mit zum Spiel nehmen, um die Ilha am Sonntag ken­nen­zu­lernen: 600 Reais. Ein Spiel von Fla­mengo. Ist das ernst?“, fragt der ein­ge­fleischte Fla­mengo-Fan und kom­plet­tiert seinen Tweet mit dem der­zeit unter den Fans des Kult­klubs ange­sagten Hashtag: #Não­So­mos­Banco (Wir sind keine Bank).

Fla­mengo-Rapper Gus­tavo Pin­heiro alias MC Mengao“ kri­ti­siert die Stim­mung in der Arena: Die Leute kommen nur noch um Sel­fies zu machen. Das ist ein ganz anderes Publikum als vorher. Das sind Event-Zuschauer“, sagt der Taxi­fahrer aus Rio, der aus­schließ­lich Lieder über seinen Lieb­lings­klub schreibt.

Sport­lich hat sich der Umzug gelohnt

Seit ein paar Monaten ist das Estádio da Ilha do Urubu“ Fla­mengos neue Heimat: Fla­mengo reagierte damit auf den über­teu­erten Miet­ver­trag im Mara­cana. Wäh­rend Lokal­ri­vale Flu­mi­nense mit dem Betreiber des Final­sta­dions der WM 2014 einen bes­seren Deal aus­han­deln konnte und weiter im Mara­cana kickt, wech­selt Fla­mengo nur noch bei ganz großen Spielen in den Fuß­ball-Tempel.

Zumin­dest sport­lich hat sich der impro­vi­sierte Umzug gelohnt: Die Heim­bi­lanz ist nach 15 Spiel­tagen ordent­lich, der Klub ran­giert auf Rang vier, auch wenn die Fans ange­sichts des abge­fah­renen Meis­ter­schafts­zuges inzwi­schen die Demis­sion des Trai­ners for­dern. Die Punkte gingen aber meist aus­wärts ver­loren.

Vom Gestank der Gua­nabara-Bucht bene­belt

Die neue sport­liche Heimat ist ein 1960 erbautes Sta­dion, in dem vor­mals auch Lokal­ri­vale Bota­fogo spielte, der wie­derum inzwi­schen das Leicht­ath­letik-Sta­dion der Olym­pi­schen Spiele zu seiner neuen Heimat gemacht hat. Nur ein Stein­wurf ent­fernt von der auch unter dem Namen Estádio Luso Bra­si­leiro bekannten Fla­mengo-Inte­rimsarena mit nur einer über­dachten Tri­büne lädt die katho­li­sche Kapelle Nossa Sen­hora de Fatima“ zum Gebet.

Steht der Wind ungünstig ist der Flug­lärm der star­tenden und lan­denden Flug­zeuge von Rios Inter­na­tio­nalen Flug­hafen Galeo zu hören, dessen Lan­de­bahn in nicht einmal einem Kilo­meter Luft­linie ent­fernt liegt. Und aus der die Ilha do Gover­nador“ (Insel des Gou­ver­neurs) umge­benen Gua­nabara-Bucht schafft es gele­gent­lich der Gestank des ver­schmutzten Was­sers bis auf die durch Stahl­rohr­tri­bünen aus­ge­dehnten Zuschau­er­ränge.

Der Klub ent­fernt sich von der Fan­basis

Indus­trie­at­mo­sphäre also, ganz anders als im für WM 2014 und Olympia 2016 auf­wendig moder­ni­sierten rie­sigen Mara­cana mit seinen rie­sigen Video­lein­wänden und dem ultra­hellen Licht für HD-taug­liche TV-Über­tra­gungen. Die Anfahrt ist eine Kata­strophe, eine typi­sche Staustrecke“, beschwert sich der deut­sche Fuß­ball-Fan Bern­hard Weber, der als Tou­ris­ten­führer in Rio de Janeiro arbeitet. Ich habe in diesem Jahr drei Spiele besucht. Die Stim­mung ist gut, aber der Klub ent­fernt sich mit seiner Preis­po­litik mehr und mehr von seiner Fan­basis. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.“