Anzeige
Präsentiert von VW

50 Jahre Frauenfußball

Seite 2: 150 inoffizielle Länderspiele

Den aller­dings die Beton­köpfe vom DFB eher als Alp­traum emp­fanden. In einem gehar­nischten Brief an den Münchner Ober­bür­ger­meister Thomas Wimmer beschwerte sich DFB-Funk­tionär Dr. Georg Xandry bit­ter­lich über die Geneh­mi­gung des Spiels durch die Stadt: Mit der in Frage ste­henden Ver­an­stal­tung sind Sie uns in unserem Kampf gegen den Frau­en­fuß­ball gleichsam in den Rücken gefallen, was dem bisher guten Ver­hältnis zwi­schen der Stadt Mün­chen und uns nicht dien­lich sein kann.“

Christa Klein­hans waren solche Schar­mützel egal, sie ließ sich von nichts und nie­mandem auf­halten. Bis Mitte der sech­ziger Jahre flo­rierten die freund­schaft­li­chen Begeg­nungen, national wie inter­na­tional. Mit der Auf­lö­sung von For­tuna Dort­mund – einige Spie­le­rinnen hei­ra­teten, andere hörten alters­be­dingt auf – war es 1965 jedoch auch mit der Natio­nalelf, die bis dahin über 150 Aus­wahl­spiele absol­viert hatte, ziem­lich abrupt vorbei.

Eine Ent­wick­lung, die ins­be­son­dere Klein­hans bedau­erte, hatte sie doch für den Fuß­ball sogar auf ihre Hoch­zeit ver­zichtet, weil der zukünf­tige Gatte ver­langte, die Ball­tre­terei zu beenden. Ich wollte mir ums Ver­re­cken nicht das Fuß­ball­spielen ver­bieten lassen, weder vom DFB noch von meinem Partner“, begrün­dete sie ihre dama­lige radi­kale Hal­tung.

Maria Breuer – Mit 17 zur WM“ nach Ita­lien

Wenn die soge­nannten 68er in Deutsch­land für einen Kul­tur­wandel sorgten, dann hat davon zumin­dest ein biss­chen auch der Frau­en­fuß­ball pro­fi­tiert. Als Maria Breuer einige Jahre zuvor mit den Jungs auf dem Dorf­platz kickte, musste sie sich noch schnell ver­ste­cken, wenn zufällig der Pfarrer des Weges kam. Später ließ sie ein Lehrer zwar in der Schul­mann­schaft mit­spielen, aller­dings musste sie sich dafür als Junge ver­kleiden.

Doch die Zeiten änderten sich. Immer mehr Ver­eine wollten sich vom DFB eine Äch­tung der Frauen nicht vor­schreiben lassen, zu ihnen gehörte auch der SC Bad Neuenahr. Sein Frau­en­team behan­delte der Klub fast gleich­be­rech­tigt und so fand Maria Breuer dort vieles vor, von dem Christa Klein­hans ein Jahr­zehnt zuvor höchs­tens träumen konnte: Übungs­leiter, einen rich­tigen Platz und ja, sogar Flut­licht.

Im Früh­jahr 1970 ver­an­stal­tete der SC Bad Neuenahr ein inter­na­tio­nales Frau­en­tur­nier, und wurde ein paar Monate später zur inof­fi­zi­ellen Welt­meis­ter­schaft nach Ita­lien ein­ge­laden, ver­an­staltet vom Spi­ri­tuo­sen­her­steller Mar­tini & Rossi“. Weil der immer noch stör­ri­sche Fuß­ball­bund den Damen unter­sagte, als Natio­nal­team zu spielen, traten sie als Stadt­aus­wahl an, mit der gerade mal 17-jäh­rigen Maria Breuer im Tor. Noch jünger war die erst 15-jäh­rige Mar­tina Arzdorf, die im Tur­nier­ver­lauf für die beiden ein­zigen Tore der Mann­schaft sorgte.

Arzdorf wurde danach sogar ins Aktu­elle Sport­studio“ ein­ge­laden und kurz darauf hatte der DFB ein Ein­sehen und lega­li­sierte“ den Frau­en­fuß­ball – weniger aus Über­zeu­gung als aus der Sorge heraus, die Kon­trolle über die Ent­wick­lung ein für allemal zu ver­lieren. Für Maria Breuer fing die Kar­riere erst richtig an. 1978 wurde sie Bad Neuenahr Deut­scher Meister und bestritt 1983, drei­zehn Jahre nach ihrem ita­lie­ni­schen Aben­teuer, sogar noch ein Län­der­spiel für die neu­for­mierte Natio­nalelf. Ganz offi­ziell.