11FREUNDE am Morgen

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An die Stille in den Sta­dien haben wir uns gewöhnt. Wo vor der Pan­demie zig­tau­send Fans sangen, brüllten und pfiffen, hören wir heute nur die keh­ligen Rufe der Spieler und die Anwei­sungen der Trainer am Spiel­feld­rand. Es ist eine depri­mie­rende Atmo­sphäre, die an Spiele der Jugend­mann­schaften erin­nert, wo auch stets nur die Rufe über­ehr­gei­zige Trainer zu hören sind. Am Wochen­ende wurde die Stille in den Sta­dien noch einmal uner­träg­li­cher. Als sich näm­lich Mateu Morey von Borussia Dort­mund im Pokal-Halb­fi­nale gegen Kiel in den Rasen trat und sich eine schwere Band- und Kap­sel­ver­let­zung zuzog. Die Schreie des jungen Mannes ließen seine Mit­spieler und Zuschauer vor den Bild­schirmen erschauern.

Der Schock saß allen Betei­ligten tief. Und es war tröst­lich, dass sich Morey ges­tern mit einem Bild aus dem Kran­ken­haus zurück­mel­dete. Ich muss mich leider einer Ope­ra­tion unter­ziehen und werde hart arbeiten, um stärker zurück­zu­kommen“, schrieb der junge Spieler. Und so sehr ihm das zu wün­schen ist, gemahnt seine Ver­let­zung doch daran, wie flüchtig bis­weilen das Glück beim Fuß­ball ist. Siebzig Minuten lang war das ein für die Dort­munder rausch­hafter Fuß­ball­abend, mit fünf schön her­aus­ge­spielten Toren und der Vor­freude auf das Pokal­fi­nale in Berlin. Bis Morey im Rasen hängen blieb.

Und es wäre so zu wün­schen gewesen, dass Zuschauer im Sta­dion gewesen wären. Die hätten sicher auch zunächst scho­ckiert geschwiegen, dann aber sicher Morey mit auf­mun­dertendem Applaus vom Platz begleitet. Es wird wirk­lich höchste Zeit, dass sich die Ränge wieder füllen.

Zitat des Tages

Fritz Keller und ich haben uns in einem aus­führ­li­chen respekt­vollen Gespräch aus­ge­tauscht, in dem er mir noch einmal seine Ent­schul­di­gung über­mit­telt hat. Ich habe diese Ent­schul­di­gung ent­ge­gen­ge­nommen“

Die feinen Unterschiede: DFB-Vize Reiner Koch nimmt Entschuldigungen nur entgegen und nicht an
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Begeg­nungen mit Thomas Schaaf

Letzte Woche ist Thomas Schaaf 60 Jahre alt geworden. Und wie viele Jour­na­listen hatte ich natür­lich auch die eine oder andere Begeg­nung mit dem lang­jäh­rigen Werder-Trainer. Rück­bli­ckend kann ich sagen, dass mich jeder dieser Begeg­nungen ein biss­chen schlauer gemacht hat. Beim ersten Inter­view, dass ich mit Schaaf für eine frühe Aus­gabe von 11Freunde führte, ant­wor­tete der Coach auf jede meiner zahl­losen Fragen ent­weder mit Mhh!“ oder Nein!“ und Wenn Sie das so sagen, wird das wohl so sein“. Und ich lernte, dass auch ein voll­ge­schrie­bener Zettel mit vor­for­mu­lierten Fragen noch kein gutes Gespräch garan­tiert. Ein paar Jahre später saß ich im DSF Dop­pel­pass und schlau­mei­erte wort­ge­waltig über das frühe Poka­laus der Bremer am Vortag. Bis über­ra­schend Thomas Schaaf zuge­schaltet wurde und ins Telefon brummte: Herr Köster kann das defi­nitiv nicht beur­teilen, der war ja nicht im Sta­dion!“ Da applau­dieren sich die Zuschauer im Flug­ha­fen­hotel die Hände wund und ich lernte schmerz­haft: Keinen Quatsch erzählen, auch wenn Wonti dich erwar­tungs­voll anblickt. In diesem Sinne: Herz­li­chen Glück­wunsch nach­träg­lich, Thomas Schaaf!

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Michael Trippel

Inspi­ra­tion vom Geiß­bock

Köln in Aber­deen! Am Freitag zeigten wir den herz­er­wei­chenden Dau­er­karten-Spot des FC Aber­deen, in dem das Wie­der­sehen der Fans im Sta­dion in Szene gesetzt wurde. Der Kölner Sta­di­on­spre­cher Michael Trippel pos­tete als Reak­tion auf den Spot ein Strand­bild aus Aber­deen, auf dem ein über­le­bens­großes Effzeh-Wappen in den Sand gemalt worden war. Nun hatten wir zunächst ver­mutet, Trippel habe höchst­selbst mit Eimer und Schaufel den Geiß­bock gezeichnet, auf Nach­frage klärte Trippel aber auf: Das Bild ent­stand wäh­rend eines Fes­ti­vals, ein Künstler hatte sich von einem Köln-Fan inspi­rieren lassen.

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Neues Bayern-Jersey

Das neue fünfte Aus­weich­trikot des FC Bayern? Es gehört zu den Ritualen des Fuß­ball­früh­jahrs, dass halb­sei­dene Inter­net­seiten die angeb­lich noch streng geheimen neuen Tri­kots großer Klubs leaken. In der Regel sind das Ent­würfe, denen anzu­sehen ist, dass sie offenbar noch mit Corel­Draw zusam­men­ge­klöp­pelt wurden. Und auch das ver­meint­lich neue dritte Aus­weich­trikot des FC Bayern gehört in diese Kate­gorie. Laut der Inter­net­seite foo​tyhead​lines​.com“ ist es eine Hom­mage an das Land der Berge und Seen, sieht aber eher aus wie eine her­un­ter­ge­setzte Mar­mor­ka­chel aus dem Fliesen-Dis­count.

Stiller Pro­test

Vier Tage Pause. Um gegen Hass und Belei­di­gungen im Netz zu pro­tes­tieren, schwiegen in den ver­gan­genen Wochen viele Social-Media-Accounts eng­li­scher Pro­fi­klub für meh­rere Tage. Mitt­ler­weile folgten auch deut­sche Klubs wie der FC St.Pauli oder die TSG Hof­fen­heim dem eng­li­schen Bei­spiel. Was natür­lich ein legi­times Instru­ment ist, um auf den oft unter­ir­di­schen Ton in den sozialen Medien auf­merksam zu machen, auf die Pöbe­leien und Dis­kri­mi­nie­rung, mit denen gerade Spieler zu kämpfen haben. Zugleich werfen diese Aktionen aber auch ein Schlag­licht auf die Dys­funk­tio­na­lität der Social-Media-Accounts deut­scher Pro­fi­klubs, die womög­lich auch ein kleiner Teil des Pro­blems ist. Denn es ist ein unschöner Fakt, dass die Klubs in den sozialen Medien leider so gar nicht an Gesprä­chen auf Augen­höhe inter­es­siert sind. Selbst bei inte­gren Klubs wie dem FC St.Pauli geht die Kom­mu­ni­ka­tion nahezu aus­schließ­lich in eine Rich­tung, vom Klub zum Fan und nur sehr selten umge­kehrt. Der Twitter-Account des Klubs etwa hat im April unzäh­lige Tweets abge­setzt, aber nur sieben Mal (wenn ich richtig gezählt habe) mit ein­zelnen Usern direkt agiert – und das jeweils auch nur mit knappen Sätzen und als Reak­tion auf eigene Tweets. Das hat mit dem, was soziale Medien so fas­zi­nie­rend macht, leider rein gar nichts zu tun. Um nicht miss­ver­standen zu werden: Nichts davon recht­fer­tigt Hass­reden und Pöbe­leien. Die Klubs können aber selbst dazu bei­tragen, dass mehr Respekt und Tole­ranz in der Netz­kom­mu­ni­ka­tion Einzug hält. Mit Offen­heit, Auf­merk­sam­keit und Lust auf Gespräche. Und das wäre sicher sogar noch besser als vier Tage Schweigen.

Mal wieder Anpfiff bei der Hertha. Wir hatten schon fast ver­gessen, dass Hertha BSC noch in der Bun­des­liga spielt, so lange blieben die Ber­liner wegen diverser Corona-Infek­tionen dem Spiel­be­trieb fern. Heute Abend aber geht’s end­lich wieder los – und das gleich mit einem Schick­sals­spiel gegen Mainz 05. Das wird span­nend!

Einen schönen Wochen­an­fang wünschtPhilipp Köster