Augs­burg hat keine Chance

Viel­leicht, wenn der SC Pader­born auf­steigt. Dann würde der FC Augs­burg vor der kom­menden Saison nicht als Absteiger Nummer eins gelten. Aber sicher als Nummer zwei, denn noch einmal wird es nach den Gesetz­mä­ßig­keiten des Spiels nicht pas­sieren, dass sich eine Mann­schaft so ent­wi­ckelt und als Team so zusam­men­hält wie die lei­den­schaft­li­chen Augs­burger in dieser Bun­des­li­ga­saison.

Was ein funk­tio­nie­rendes Team schaffen kann, war auch in Frei­burg oder Dort­mund zu sehen, das Augs­burger Kol­lektiv war aber etwas Beson­deres. Des­halb ver­wun­dern auch die Mel­dungen über den mög­li­chen Rück­tritt des Trai­ners Jos Luhukay. Noch wich­tiger als der Trainer wäre aber viel­leicht, dass Pader­born auf­steigt.

Zwei Jahre nicht Meister – das pas­siert Bayern nicht

Das pas­siert schon, nur war es lange nicht so. 16 Jahre ist es her, dass Deutsch­lands füh­render Klub zwei Sai­sons ohne Schale aus­zu­halten hatte, 1995 und 1996. Meister in diesen Jahren wurde: Borussia Dort­mund. Eigent­lich war man davon aus­ge­gangen, dass die Münchner nur in den Sai­sons nach großen Tur­nieren vom VfB Stutt­gart oder dem VfL Wolfs­burg wegen der zurück­lie­genden Stra­pazen für ihre Natio­nal­spieler vom Titel abge­halten werden könnten, jetzt müssen sie aber die Dort­munder als neuen Dau­er­ri­valen akzep­tieren.

Das wird wohl die größte Umstel­lung im deut­schen Fuß­ball seit langer Zeit werden, den dem Kli­schee nach arro­ganten Bayern ist in Klopps Pöh­lern vom BVB ein all­seits beliebter Rivale erwachsen. Fair und voller Respekt haben die Münchner auch dieses Mal förm­lich gra­tu­liert. Ihr wahres Gesicht werden sie zeigen, wenn Dort­mund noch zweimal Meister wird.


Die Bun­des­liga hat an Strahl­kraft gewonnen

Es ist noch nicht lange her, da hat die Bun­des­liga sich mal wieder an sich selbst berauscht, an ihrer enormen Anzie­hungs­kraft, der selbst Welt­stars wie Raúl, Ruud van Nistel­rooy und Michael Bal­lack nicht mehr wider­stehen können. Dass diese Welt­stars schon weit über 30 waren – geschenkt. Die Bun­des­liga galt als Liga der Zukunft. Wartet nur mal, bis die Klubs in Spa­nien die Rie­sen­ge­hälter nicht mehr zahlen können.

Die Wirk­lich­keit sieht leider anders aus. Nachdem die Bun­des­liga schon in der vorigen Saison ihren besten Spieler (Nuri Sahin) und ihren viel­leicht stärksten Stürmer (Edin Dzeko) ver­loren hat, zieht es die rich­tigen Stars auch jetzt wieder ins Aus­land: Lukas Podolski und Marko Marin gehen nach London, Shinji Kagawa viel­leicht nach Man­chester. Und Robert Lewan­dowski sowie Klaas-Jan Hun­telaar denken eben­falls mehr oder weniger intensiv über einen Ver­eins­wechsel nach. Die Bun­des­liga als Aus­bil­dungs­liga? Warum nicht. Es gibt Schlim­meres, als jedes Jahr neue Stars ent­stehen zu sehen.

Hertha ist kein typi­scher Auf­steiger

Jürgen Klopp könnte sich im Nach­hinein darauf berufen, er habe gewis­ser­maßen im Affekt gespro­chen. Nie­der­lagen sind für den Trainer von Borussia Dort­mund immer emo­tio­nale Grenz­erfah­rungen, erst recht, wenn sie sich im eigenen Sta­dion zuge­tragen haben. Also traf er am 10. Sep­tember eine Aus­sage, die sich als so gehalt­voll erwiesen hat wie Hon­eckers Sta­bi­li­täts­pro­gnose für die Ber­liner Mauer. Die Ber­liner sind kein nor­maler Auf­steiger“, hat Klopp gesagt, nachdem seine Mann­schaft gegen eben diese Ber­liner 1:2 ver­loren hatte. Hertha hat eine bru­tale Qua­lität.“

Hertha mag in der Zweiten Liga ange­sichts seines Mons­te­r­e­tats kein nor­maler Zweit­li­gist gewesen sein; der Ver­lauf der aktu­ellen Spiel­zeit weist jedoch alle Sym­ptome eines typi­schen Auf­stei­gers auf. Die Mann­schaft hat anfangs von der Euphorie des Auf­stiegs pro­fi­tiert, sich die Rolle des Außen­sei­ters geschickt zunutze gemacht – und dann nach einigen über­ra­schend posi­tiven Ergeb­nissen offenbar die eigenen Fähig­keiten über­schätzt. Ein Absturz in der Rück­runde ist für Liga­neu­linge kein unge­wöhn­li­ches Phä­nomen. Ulm, Aachen und St. Pauli ist es ähn­lich ergangen. Alles Klubs, die nie­mand für unnor­male Auf­steiger halten würde.

Lab­badia kann nur Vor­runde

Der Mann hatte einen Ruf zu ver­tei­digen. So wie Fried­helm Funkel sein Image weg­hatte als ewiger Feu­er­wehr­mann, war Lab­badia fest­ge­legt auf die Rolle als Moti­vator für die ersten paar Monate. Mit groß­ar­tigen Anfangs­er­folgen und genauso zuver­läs­siger Leis­tungs­ab­fall­ga­rantie für die Zeit danach. So lief das beim Ham­burger SV und bei Bayer Lever­kusen, und genauso hatten es seine gar nicht so wenigen Kri­tiker für Lab­ba­dias drittes Bun­des­li­ga­en­ga­ge­ment beim VfB Stutt­gart ein­ge­plant. Aber die Zeiten ändern sich. Fried­helm Funkel taugt nicht mal mehr zum Löschen kleinster Brände und hat es in dieser Saison zur Ent­las­sung bei gleich zwei Zweit­li­gisten geschafft. Und Bruno Lab­badia hat einen Spieltag vor Sai­son­schluss in der Rück­runde schon 28 Punkte geholt, sechs mehr als in der gesamten Hin­runde.

Damit steht er der dritt­besten Rück­run­den­mann­schaft hinter Dort­mund und den Bayern vor. Sein VfB ist sogar ein biss­chen besser als die Hin­runden-Giganten aus Schalke und Glad­bach. Und, für Lab­ba­dias per­sön­li­ches Porte­feuille nicht ganz unwichtig: Der VfB steht auch in der Rück­run­den­ta­belle sehr viel besser da als seine frü­heren Klubs Lever­kusen und HSV.


Podolski braucht Köln zum Glück­lich­sein

Glück ist ein für Fuß­ball­spieler schwer zu defi­nie­render Zustand, der sich nicht nur in Punkten und Toren aus­drückt. In seiner Zeit beim FC Bayern Mün­chen hat Lukas Podolski viele Punkte geholt, aber nur wenig Tore geschossen, wes­halb er vor drei Jahren zurück an den Rhein floh. In seiner nun letzten Kölner Saison hat er bis­lang 18 Sai­son­tore geschossen, so viele wie noch nie in der Bun­des­liga. Und doch wird sein Effzeh im besten Fall so viele Punkte holen, dass es gerade so zu Platz 16 und zwei Rele­ga­ti­ons­spielen gegen den Zweit­li­gadritten reicht.

Podol­skis spätes Kölner Unglück ist logi­sche Folge seines frü­heren Kölner Glücks. Für seine Rück­kehr musste der Klub so viel Geld inves­tieren, dass für den Rest der Mann­schaft kaum etwas übrig blieb. Köln war für Lukas Podolski eine Wahl des Her­zens, aber eine rich­tige Ent­schei­dung war es nicht. Weder für ihn noch den 1. FC Köln, der in seinem finan­zi­ellen Spiel­raum noch auf Jahre hinaus ein­ge­schränkt sein wird.

Sta­nis­lawski macht Hof­fen­heim sym­pa­thisch

Die Fans haben ihn geliebt wie sonst nur Tor­hüter Tom Starke. Das fügte sich gut in die vor einem Jahr erson­nene Stra­tegie, in deren Folge der Trainer Holger Sta­nis­lawski die TSG Hof­fen­heim befreien sollte vom Makel der See­len­lo­sig­keit. Aber die Fans sind in Hof­fen­heim eine zu ver­nach­läs­si­gende Größe. Das erfährt gerade der Publi­kums­lieb­ling Starke, dem sie Tim Wiese vor die Nase setzen. Und das bekam noch ein paar Monate früher Holger Sta­nis­lawski zu spüren. Hof­fen­heim ist eben nicht St. Pauli, und der Mann vom Kiez hatte auch noch das Pech, dass sein Enga­ge­ment mal wieder in die Zeit eines Hof­fen­heimer Para­dig­men­wech­sels fiel. Weg von der Kon­so­li­die­rung, hin zum ris­kanten Invest­ment.

Hof­fen­heims Mäzen Dietmar Hopp hatte eben nicht den Mut, den Neu­aufbau einer jün­geren und bil­li­geren Mann­schaft mit der daraus fol­genden Logik des Abstiegs­kampfes zu bezahlen. Hof­fen­heim findet zurück zu seinem alten Image und gibt wieder Geld aus: für Tim Wiese, Eren Der­diyok und die Abfin­dung von Holger Sta­nis­lawski.