Seite 2: Die Saufkumpane des Jimmy Greaves

Wie es eigent­lich kommt, dass so viele bri­ti­sche Profis vor und nach ihm an der Fla­sche hingen, und wie es kommt, dass er den­noch eine solch rasante Kar­riere hin­legte, erklärt Greaves in seiner Lebens­beichte nicht. Er ist ein Erzähler, kein Erklärer, seine Geschichte muss als war­nendes Bei­spiel rei­chen.

Aber viel­leicht hängt beides, sein Auf­stieg und sein Fall, ja auf so ein­fache Weise zusammen, dass es da gar nichts mehr zu ana­ly­sieren gibt: Stamm­spieler bei Chelsea mit 17, Tor­schüt­zen­könig und Natio­nal­spieler mit 19, das hun­dertste Ligator mit 21, das zwei­hun­dertste mit 23 – die vielen Biere und das Auf­ge­ho­ben­sein in einer Runde erfolg­rei­cher junger Männer halfen ein­fach, nach der auf­ge­putschten Stim­mung eines wich­tigen Spiels emo­tional wieder run­ter­zu­kommen und die innere Aus­ge­gli­chen­heit wie­der­zu­er­langen.

Abge­sehen von einem kurzen Gast­spiel beim AC Mai­land in der Saison 1961, hatte Greaves überall seine Sauf­kum­pane, etwa Peter Sil­lett, seinen Lehr­meister in der drin­king school von Chelsea: Big Peter war einer der her­aus­ra­genden Cha­rak­tere des Teams. Und was für ein Trinker!“, schreibt er in seiner Bio­grafie. Er konnte die Pints ver­senken, als ob am nächsten Tag die Sonne nicht mehr auf­gehen würde.“

Er kramte in der Müll­tonne und lutschte an der leeren Wodka-Fla­sche

Für Sillet ging sie 1998 tat­säch­lich nicht mehr auf, er starb an Krebs. Greaves selbst blickte bereits in den Sieb­zi­gern in die ewige Nacht. Nach seinem Kar­rie­re­ende lebte er regel­recht in seinem Stamm-Pub, außer­halb der Öff­nungs­zeiten betrank er sich allein vorm Fern­seher. An einem Sonn­tag­morgen im Februar 1978 goss seine Frau Irene heim­lich allen Wodka, den er im Haus ver­steckt hatte, in den Aus­guss. Als er den Not­stand bemerkte, kroch er im Mor­gen­mantel auf die Straße, kramte in den Müll­tonne und lutschte an der ersten Fla­sche, die ihm in die Hände fiel. Sie war leer. Heu­lend und zit­ternd lag Jimmy Greaves, der größte Stürmer seiner Zeit, auf dem Bür­ger­steig vor seinem Haus.

Als er nach ein paar Tagen wieder zu sich kam, beschloss er, ein Buch zu schreiben. Seine Geschichte. Getrunken hat er nie wieder einen Tropfen.