Lars Stindl
Der Han­no­ve­raner hat sich selbst ange­zeigt. Dabei ging es aller­dings nicht um Steu­er­be­trug, son­dern um eine fünfte Gelbe Karte, die der Schieds­richter im Spiel­be­richts­bogen wohl ver­gessen hatte. So setzte Stindl im Spiel gegen Greu­ther Fürth frei­willig aus. Hut ab, Herr Stindl, so viel Selbst­kas­teiung erfährt man der­zeit sonst nur von Martin Sem­mel­rogge.

Wolf Werner

Aggres­sives Fore­che­cking, Abblo­cken und enge Mann­de­ckung – For­tunas Manager zeigt die tak­ti­schen Finessen und führte sie nach dem Spiel am lebenden Exempel vor. Seinen Spieler Lumpi“ Lam­bertz ret­tete der Pate vor dem Bruch des Schwei­ge­ge­lübdes gegen den Bezahl­sender Sky“. Die Omerta“ hält an.

Jiri Nemec
Was uns zum nächsten Schwei­ge­pro­test führt. Alle Fuß­ball­fans in Deutsch­land hul­digen der­zeit dem Mann, der in seiner ganzen Kar­riere kein Inter­view gegeben hat und sich so den Spitz­namen der Schweiger“ ver­diente: Jiri Nemec. Dass die Fans aller­dings nach zwölf Minuten und zwölf Sekunden ihr Schweigen bre­chen, kann dem Meister der Stille nicht gefallen. Sein Kom­mentar: Ich bin müde.“ Bezeich­nend.

Sami Hyypiä (und Sascha Lewan­dowski
)
Bayer Lever­kusen hat sich unter dem Trai­ner­ge­spann auf Platz zwei vor­ge­ar­beitet – und Scooter singt: Hyypiä, Hyypiä.“ Der Werk­s­club, der sich Vize­kusen“ hat paten­tieren lassen, kata­pul­tiert sich wieder in die Ver­gan­gen­heit. Bis einer weint – am letzten Spieltag in Unter­ha­ching. Maks­uton“, ruft Hyypiä. Und wer will da schon wider­spre­chen?

Ja-Cheol Koo
Ein Name wie Dynamit – und dann jagt der Augs­burger noch tro­cken einen Ball aus meh­reren Kilo­meter Ent­fer­nung in den Winkel. Was könnte der FCA mit diesem Typen Ein­druck machen: Koo and the Gang, Koo Savas, Die drei Tage des Koo-ndor“. Statt­dessen ist das Ganze eher eine Melo-Komö­dien-Drama nach Till Schweiger: Koo-Koo-Wäh“. Jetzt reicht es aber.

Tim Wiese
Auf Tim Wiese ein­zu­dre­schen, ist ein­fach, oft unfair und pas­siert viel zu häufig. Des­halb hier ganz iro­nie­frei: Wenn es tat­säch­lich einen Gewinner bei den blut­leeren Hof­fen­hei­mern geben sollte, dann ist das tat­säch­lich Wiese. Am ver­gan­genen Wochen­ende noch von Trainer Babbel, nun von Manager Müller demon­tiert, konnte sich Wiese ent­spannt zurück­lehnen und dabei zusehen, wie sein Kon­kur­rent Koen Cas­teels eben­falls die Hütte voll­bekam. Das Pro­blem der Kraich­gauer Schieß­bude scheint also nicht auf der Posi­tion des Tor­warts zu liegen. Müller sagte zum Tor­wart­wechsel übri­gens, das sei eine blöde Situa­tion“. Finden wir auch.

Chris­tian Streich
Es ischt alles in Ord­nung, alles in Ord­nung“, blökte Frei­burgs Trainer in Rich­tung Sky“-Reporter und warf dabei den Kopf hin und her wie ein hos­pi­ta­li­sie­rendes Zoo­tier. Ein klares Zei­chen dafür, dass eben nicht alles in Ord­nung ist. Was Streich dann doch noch irgendwie zugab. Kryp­tisch und mit wütend auf­ge­ris­senen Augen mur­melte Streich, man wolle seinen SC Frei­burg nicht in der Liga haben. Frei­burg sei schließ­lich klein. Frei­burg werde aber nicht absteigen, das wolle man ja mal sehen. Bunt blühten an diesem Abend die Ver­schwö­rungs­theo­rien im Breisgau. Wer genau den SC Frei­burg nicht mehr in der Liga haben will, ver­riet Streich aber leider nicht. Die CIA? Die Illu­mi­naten? Uli Hoeneß? Wir können nur mut­maßen…
Hier gibt es übri­gens mehr vom lie­bens­wür­digen Trainer.

Frank Ribéry
Wahr­schein­lich ist Bay­erns fran­zö­si­schem Edel­tech­niker ein Video mit den High­lights der Saison 94/95 in die Hände gefallen. Denn sein Solo-Ver­such gegen die Hin­ter­mann­schaft des SC Frei­burg erin­nerte doch stark an Jay-Jay Okochas Jahr­hun­derttor gegen Oliver Kahns KSC Mitte der Neun­ziger. Ein Haken, noch ein Haken, klar, noch ein Haken, gefolgt von einem wei­teren Haken, dann wieder ein Haken nach innen, einer nach außen und, oh, Ball weg. Etwas für die Geschichts­bü­cher, wenn es klappt. Etwas für die Pan­nen­video-Sen­dungen auf den nie­deren Fern­seh­sen­dern, wenn es nicht klappt.

Shawn Parker
So kann man natür­lich auch sein Pro­fi­debüt feiern: Als abso­luter No-Name stand Parker in der Mainzer Anfangs­for­ma­tion und durfte gegen den großen Nach­barn aus Frank­furt zeigen, was er kann. Dass das nicht eben wenig ist, war spä­tes­tens nach den ersten 45 Minuten klar. Das 1:0 vor­be­reitet, das 2:0 selber gemacht: Hallo, Parker mein Name, hier ist meine Visi­ten­karte. Mit einem Namen wie ein US-ame­ri­ka­ni­scher Rapper bringt er auch abseits des Fuß­balls eine neue Note in die Mainzer Coface(ehemals Bruchweg)-Boyband. Bleibt zu hoffen, dass das nie­mandem auf­fällt und der uncoolste Tor­jubel der Bun­des­li­ga­ge­schichte, der Boy­band-Jubel an der Eck­fahne, nicht neu auf­ge­legt wird. Bitte, bitte, bitte nicht, liebe Mainzer. 

Gon­zalo Castro
Wir leben ja in einer zu weiten Teilen auf­ge­klärten Gesell­schaft und es ist schön, wenn sich Men­schen nach jah­re­langem Ver­steck­spiel end­lich so zeigen können, wie sie wirk­lich sind. So auch im Falle Gon­zalo Cas­tros. Jah­re­lang ver­steckte sich Castro auf der Rechts­ver­tei­di­ger­po­si­tion und spielte einen soliden, aber unauf­fäl­ligen Ball, bis irgendwem in Lever­kusen in dieser Saison auf­ging, dass Castro eigent­lich Offen­siv­spieler ist. Gegen Bremen netzte Castro so selbst­ver­ständ­lich ein, dass man den Ein­druck hatte, er habe noch nie etwas anderes getan. Ein Stürmer, jah­re­lang gefangen im Körper eines Ver­tei­di­gers: dra­ma­tisch! Umso schöner, dass Castro sich jetzt im Angriff so richtig aus­lebt.

Juan Arango
In der 11FREUNDE-Redak­tion hat Juan Arango einen neuen Spitz­namen: Juan Mmm­mhhhhh“ Arango. Weil Mmm­mhhhh“ Arango Tore schießt, die uns in den dunklen, kalten Tagen des Fuß­balls, an denen die Bayern her­risch die Liga domi­nieren, an denen man Spiele ver­folgen muss wie Hof­fen­heim-Augs­burg und einem der emo­tio­nale Nie­sel­regen kon­stant in den Nacken weht, daran erin­nern, warum wir diesen Sport so lieben. So geschehen wieder am gest­rigen Abend, als Mmm­mhhhh“ einen 50-Meter-Pass von der Straf­raum­kante ins Eck jagte. Arangos Tore sind wie ein heißer Tee, eine warme Decke und ein paar herz­liche Worte des Will­kom­mens nach einer langen Reise durch eine kalte Win­ter­nacht. Mmm­mhhhhh“, möchte man sagen. Mmm­m­mhhhhh“ Arango.