Die bel­gi­schen Fans stehen keinen Kilo­meter vom Stade des Lumieres“ ent­fernt und feiern aus­ge­lassen. An einer Hand­voll pro­vi­so­risch zu Bier­gärten umge­bauten Ver­kaufs-Buden liegen sie sich in den Armen, dazwi­schen immer wieder klei­nere Grüpp­chen Ita­liener. Seit Stunden strömt das Bier aus den Zapf­hähnen, aus den Kehlen schallt ein Gas­sen­hauer nach dem nächsten.

Die Sze­nerie in Lyon ist nach den Vor­fällen in Mar­seille und Nizza vom Wochen­ende eine Oase für echte Fuß­ball­fans. So muss es sein.

Und doch endet die Fuß­ball-Idylle von einem Moment auf den anderen. Polizei zieht auf, rie­gelt den Bereich ab. Die Gesänge ver­stummen, einige Fans wei­chen zurück, andere zücken ihr Handy. Der Grund für den abrupten Stim­mungs­wechsel: der Fund eines ver­däch­tigen Gegen­standes direkt neben der fei­ernden Fan-Meute.

Plötz­lich Alarm.

Die Lage wird kurz unüber­sicht­lich: Fans eilen hin und her, tele­fo­nieren mit Freunden, Poli­zisten mit Maschi­nen­ge­wehren im Anschlag schi­cken sie erst einmal zur Seite. Die Sicher­heits­kräfte wirken nicht über­for­dert, aber ange­spannt. Ange­spro­chen auf die Situa­tion sagt ein Poli­zist nur: Wir haben einen ver­däch­tigen Gegen­stand gefunden. Das kann alles sein. Und jetzt bitte zurück!“

Ein Kleinbus des Kampf­mit­tel­räum­dienstes fährt vor

Der Beob­achter merkt, dass die Angst nach Terror-Atten­taten und Hoo­ligan-Atta­cken mit­schwingt. Die fran­zö­si­sche Sicher­heits-Seele ist ange­griffen. Da ist es fast schon beru­hi­gend, dass die bel­gi­schen Fans nicht in Panik ver­fallen. Sie schauen dem Treiben aus der Ent­fer­nung zu, der eine oder andere beson­ders Lus­tige kom­men­tiert den Polizei-Ein­satz mit einem kurzen Fan­ge­sang oder einem Klat­schen.

Poten­zi­elle Anschlags­ziele“ – Wie sicher kann die EM über­haupt sein? »

Ein Kleinbus des Kampf­mit­tel­räum­dienstes fährt vor. Daraus steigt ein Poli­zist in raum­fah­rer­ähn­li­cher Montur, der langsam in Rich­tung des ver­däch­tigen Gegen­standes tapert. Eine Szene wie aus einem Hol­ly­wood-Streifen, wäre da nicht dieses mul­mige Gefühl. Der Mann unter­sucht das Paket und führt eine Kamera ins Innere.

Poli­zisten und Fans atmen gemeinsam durch

Nach fünf langen Minuten kommt er zurück. Daumen hoch, alles sicher. Für einen Moment wirkt es so, als würden Poli­zisten und Fans gemeinsam durch­atmen. Dann ist alles auch wieder vorbei.

Inner­halb von zwei wei­teren Minuten löst die Polizei die Absper­rungen wieder auf und lässt die Fans wieder in Rich­tung Sta­dion gehen. Von Über­for­de­rung oder Gereizt­heit der Sicher­heits­kräfte ist wenig zu merken, ganz im Gegen­teil: Die Polizei ver­hält sich vor­bild­lich und strahlt damit Sicher­heit aus.

Eine Sicher­heit, die die Fan-Seele nach den Vor­fällen in Mar­seille und der Angst vor Ter­ror­an­griffen gut gebrau­chen kann.