Wie wun­derbar es klingt, wenn die Bun­des­li­ga­kon­fe­renz am Samstag vom Max-Mor­lock- ins Volks­park­sta­dion springt, am Mil­l­erntor einen Abste­cher macht, ehe es an die Alte Förs­terei geht.

Nicht in irgend­welche Arenen oder Parks, deren Namen nicht mehr von Ver­si­che­rungs­häu­sern, Bau­märkten oder Spie­lotheken zu unter­scheiden sind. In einer durch­kom­mer­zia­li­sierten Fuß­ball­welt ist weniges heilig geblieben. Daher gehört es in Deutsch­land mitt­ler­weile zur Rarität, wenn Ver­eine die Namens­rechte des Sta­dions nicht ver­kauft haben. In anderen euro­päi­schen Ligen wie in Eng­land und Spa­nien scheinen sie sich da noch ein gewisses Hei­ligtum zu bewahren. Doch nun geht es einem der mythen­reichsten Sta­dien der Welt an den Kragen: dem Camp Nou.

Der FC Bar­ce­lona will die Namens­rechte seines Sta­dions für die kom­mende Saison ver­kaufen. Die Ein­nahmen sollen gespendet und im Kampf gegen das Coro­na­virus ein­ge­setzt werden. So sollen vor allem For­schungs­pro­jekte Unter­stüt­zung erfahren. In einer Zeit der huma­ni­tären Krise halten wir es für uner­läss­lich, alle ver­füg­baren Ver­mö­gens­werte zu akti­vieren, um die Coro­na­virus-Pan­demie und ihre Folgen zu bekämpfen“, sagte Jordi Car­doner, Vize-Prä­si­dent vom FC Bar­ce­lona.

Die Namens­fin­dung wird an die Barca Foun­da­tion abge­treten, die sich nun um einen Sponsor küm­mert, der die Rechte für min­des­tens ein Jahr erhält. Dabei soll die Wen­dung Camp Nou im Namen erhalten bleiben. Soweit, so prima.

Des Kai­sers Kleid

Dass Bar­ce­lona vor einigen Jahren schon einmal vor einer ähn­li­chen Situa­tion stand, sollte dabei aller­dings nicht ver­gessen werden.

107 Jahre lang trugen die Kata­lanen ihr Trikot ohne Sponsor auf der Brust. Ein­fach nur rot-blau-rot-blau-rot. Beim Anblick dieser Farben schießen Fuß­ball­fans Bilder durch den Kopf wie bei kaum einem anderen Trikot. Johan Cruyff, Ronald­inho, Xavi. Dieses gestreifte Shirt – es muss des Kai­sers Kleid sein.

2006 dann der Tabu­bruch – aller­dings eben­falls zunächst für den guten Zweck: Plötz­lich zierte der Schriftzug Unicef die Spiel­klei­dung. Unent­gelt­lich warb der FC Bar­ce­lona für die Hilfs­or­ga­ni­sa­tion und spen­dete dahin­ge­hend 1,5 Mil­lionen Euro jähr­lich für Hilfs­pro­jekte an das Kin­der­hilfs­werk.

Da war sie wieder, die Ein­zig­ar­tig­keit dieses Klubs. Das Barca-Motto Mes que un club“, mehr als ein Verein, schien mehr als bloßes Mar­ke­ting zu sein. Oder?

165 Mil­lionen zum Ver­gessen

Vier Jahre später ließen 165 Mil­lionen Euro die Ver­ant­wort­li­chen vieles von dem ver­gessen, wofür der Verein über ein Jahr­hun­dert lang gestanden hatte. Statt Unicef war auf den Tri­kots nun Qatar Foun­da­tion zu lesen. Und damit ein Geschäft mit den reichsten Män­nern der Welt und einem Land abge­schlossen, das grund­le­gende Men­schen­rechte miss­achtet, Homo­se­xua­lität gesetz­lich ver­bietet und in dem nach wie vor die Todes­strafe gilt. Der FC Bar­ce­lona – mehr als ein Verein. Soso.

Unicef war eine noble Geste. Und half dabei, das Fan-Auge an Schrift­züge auf den legen­dären rot-blauen Tri­kots zu gewöhnen.

Mike Tysons Buddy als Sponsor?

Wes­wegen sich manche Fans nun sorgen: Wird es mit dem Camp Nou ähn­lich ablaufen? Ein Sta­dion, das seit der Eröff­nung 1957 ohne Sponsor aus­ge­kommen war. Fest steht: Für die Saison 2023/24 war ohnehin eine Umbe­nen­nung geplant. Wer die Rechte am Sta­di­on­namen bekommen wird, ist noch nicht bekannt. Aller­dings soll der Verein dadurch einen Gewinn in Höhe von 300 Mil­lionen Euro machen und die Rechte für 25 Jahre ver­kaufen, heißt es.

Wie die Daily Mail nun berichtet, plant der bri­ti­sche Mil­li­ardär Alki David die Namens­rechte am Camp Nou zu kaufen. Er ist Mit­glied der Leventis-Familie, die unter anderem Abfüll­an­lagen für Coca Cola besitzen. Außerdem führt der 51-Jäh­rige ein CBD-Busi­ness mit seinem Freund Mike Tyson, das erst kürz­lich einen Deal mit Hanf­pflanzen im Wert von 1,5 Mil­lionen Euro abge­wi­ckelt haben soll. 

David habe bereits Kon­takt mit den Ver­ant­wort­li­chen des FC Bar­ce­lona auf­ge­nommen und sehe gute Chancen, die Rechte zu bekommen. Welche seiner Firmen in den Sta­di­on­namen inte­griert werden würde, ließ der Mil­li­ardär noch offen, Ideen hat er aber schon: Swissx Nou Camp hört sich gut an, das ist mein Favorit im Moment.“