Schon bemer­kens­wert, woran Chris­toph Daum seine Theo­rien mit­unter anlehnte. So wie damals, vor der Jahr­tau­send­wende. Beständig würde sein Team ein Ziel ver­folgen, dozierte der Lever­ku­sener Trainer und brachte als Sprach­bild einen Biber ein, der immerzu am Baum knab­bere. Diese Meta­pher gefiel Daum. Irgend­wann“, sagte er, fällt das Ding mal um.“ Mit Ding“ war in Bezug auf Bayer nicht ein Baum, son­dern die Meis­ter­schale gemeint, die doch, bit­te­schön, end­lich einmal in Lever­kusen landen dürfe. Hart­nä­ckig­keit, Pene­tranz und so. Und Knab­bern.

Ein Biber? Oder doch ein Cha­mä­leon?

Luca Toni ist kein Biber, er knab­bert nicht an Bäumen oder Schalen, das hat er noch nie gemacht. Toni schraubt. Reich­lich und fort­wäh­rend. Für Daum‘sche Aus­flüge in die Tier­welt könnte man ihn als Hamster bezeichnen, als Tor-Hamster näm­lich. Viel­leicht funk­tio­niert Toni auch wie ein Cha­mä­leon, wegen seiner Wand­lungs­fä­hig­keit: die­selben Posen in vielen unter­schied­li­chen Farben, in vio­lett, rot, gelb, Flo­renz, Bayern, Verona. Wer vom Fach ist, wird bes­sere Quer­ver­gleiche finden, zu Lebe­wesen, die aus­dau­ernd sind und zäh, und zu sol­chen, die auch im fort­ge­schrit­tenem Alter ihre Beute erlegen, um fröh­lich zu schrauben und zu schrauben und zu schrauben. Aber zum Umfallen, so wie Daums Baum, nein, dazu ist die Zeit noch nicht reif.

Seit einigen Jahren sagt man mir, dass ich am Ende bin“, kom­men­tierte Toni im Februar, als er traf und am rechten Ohr kur­belte. Diese Geste kennt natür­lich jeder, aber auf­schreiben kann man es ja noch einmal. Übri­gens: Seine Worte stammen wirk­lich aus dem Februar – jedoch jenem des Jahres 2011. Was sich seitdem geän­dert hat, außer der Tat­sache, dass Toni inzwi­schen 37 ist? Eigent­lich nichts.

Immer noch das Lächeln aus dem Katalog

Er hält das Lauf­pensum im Ener­gie­spar­modus, die Stutzen hängen auf Halb­mast, die langen Beine ver­leihen dem drah­tigen Körper dieses Stak­sige, das oft unbe­holfen wirkt, aber noch öfter zu erstaun­li­cher Koor­di­na­tion taugt. Höl­zern mag er erscheinen, dieser 1,96-Meter-Lulatsch, der die Haare nach wie vor zur typisch ita­lie­ni­schen Matte geölt hat, dazu ein Lächeln aus dem Katalog, nur der Bart sprießt ein wenig stärker als sei­ner­zeit in Mün­chen.

Den Tenor vom Februar 2011 hat er eben­falls griff­be­reit. Ich sollte seit einigen Jahren auf­hören, aber am Ende bleibe ich immer“, amü­sierte er sich ver­gan­genen Sommer, ehe es ernster wurde: Ich denke, das wird mein letztes Jahr als Spieler – vor­be­halt­lich Über­ra­schungen.“

Eine etwas andere Über­ra­schung ereilte ihn kürz­lich in Mün­chen. Die Visite seiner frü­heren Wahl­heimat war keine Lust­reise, obwohl Toni offenbar ein Mensch ist, der sich die Laune nicht ver­ha­geln lässt, selbst vor Gericht nicht: Sonne im Gesicht, Daumen nach oben, Mund­winkel auf Breit­band­grinsen, wie bei einem Schalter, der nicht extra ange­knipst werden muss. Er springt von alleine um.