Richard Golz, Sie standen in Ihrer ersten Saison 1987/1988 als Profi am ersten Spieltag direkt im Tor des HSV. Waren Sie von Anfang an unan­ge­foch­tene Nummer Eins?
Auf keinen Fall. Ich war nomi­nell zweiter Tor­wart. Erster Tor­wart war nie­mand gerin­geres als Uli Stein. Eine Insti­tu­tion. An dieser Situa­tion war auch nicht ansatz­weise zu rüt­teln. Eigent­lich habe ich mir nicht einmal Hoff­nungen gemacht, über­haupt nur ein Spiel in der Saison zu machen. Früher war ein­fach nie­mand jemals ver­letzt.

Und wie kam es dann zu Ihrem Ein­satz am ersten Spieltag?
Uli Stein wurde sus­pen­diert. Wir haben eine Woche vorher im Supercup gegen Bayern Mün­chen gespielt. Zwei Minuten vor Schluss hat Uli Stein Jürgen Weg­mann aus­ge­knockt, nachdem der gerade das 2:1 geschossen hat. Er hat natür­lich die Rote Karte gesehen und wurde ver­eins­in­tern sus­pen­diert.

Der HSV gewann den ersten Spieltag 5:2 gegen Schalke 04. Warum standen Sie eine Woche später nicht mehr im Tor?
Der Verein hat kurz­fristig Mladen Pra­lija ver­pflichtet – den Schwie­ger­sohn von Trainer Sko­blar. Er war ab dann die neue Nummer Eins.

Den eigenen Schwie­ger­sohn ins Team zu holen, hat einen beson­deren Nach­ge­schmack.
Mladen Pra­lija hat in seinem ersten Spiel sechs Gegen­tore gegen Bayern Mün­chen gekriegt und hatte gene­rell eine eher unglück­liche Zeit in Ham­burg. Im Laufe der Saison mussten Schwie­ger­sohn und Schwie­ger­vater irgend­wann ihre Sachen packen.

Am zehnten Spieltag ver­letzte sich Pra­lija in der ersten Halb­zeit und sie kamen zu ihrem zweiten Ein­satz. Der wie­derum ver­lief nicht ganz so glück­lich.
Puh! Da stand es schon 3:1 für Glad­bach und das Spiel bekam eine gewisse Eigen­dy­namik. Irgend­wann haben sie uns dann abge­schossen. Dass ich auch noch fünf Tore fangen sollte, war dann schon recht happig.

Als junger Spieler wünscht man sich doch sicher einen anderen Start in die Kar­riere.
Das kann man sich leider nicht aus­su­chen. Im Nach­hinein hat es mich ja nicht kaputt gemacht. Aber in dem Moment habe ich schon gedacht, holla, das geht aber ver­dammt schnell hier in der Bun­des­liga.

Bekamen Sie in dem Moment Zweifel, ob noch wei­tere Bun­des­liga-Ein­sätze hin­zu­kommen würden?
Nein, es war ja nicht so, dass ich von den fünf Toren alle hätte halten müssen. Die Glad­ba­cher sind ganz ein­fach fünf mal alleine vor mir auf­ge­taucht. Das Spiel ist dumm gelaufen, hat aber nicht dazu geführt, dass ich mir einen anderen Job suchen wollte.

Oliver Kahn hat in ent­spre­chender Saison eben­falls debu­t­iert. Er hat in seinen ersten beiden Spielen sechsmal hinter sich greifen müssen. Haben Sie sich mit ihm über ihr Leid aus­ge­tauscht?
Nein, ich habe nicht mit ihm dar­über gespro­chen. Aber als junger Spieler hat man sich schon mit anderen Tor­hü­tern ver­gli­chen und nach rechts und links geschaut. Wir haben uns aber nicht gegen­seitig trösten müssen.